Samstag, 30. Juni 2018

Halbjahresstatistik 2018

Der Vollständigkeit halber und weil ich es immer wieder schön finde, eine kompakte Übersicht zu haben - hier die Juni-Halbjahresstatistik :)

Seit Januar habe ich 23 Bücher gelesen und damit vier mehr als im Vorjahr.
So weit gibt es von diesem Jahr
16 Rezensionen.

Diese Bücher sind für 2018 bisher meine Top 3

Platz 3: Tanz meine Seele, Kira Minttu
Ein Roman über die Liebe - zu Katzen, zu Menschen, zu dem, was man gern tut, und zu sich selbst - mit einer Protagonistin, die viel stärker ist, als sie ahnt.
Zur Rezension



Platz 2: Palace of Glass, C. E. Bernard
„Palace of Glass" ist schillernd, actionreich, romantisch und macht definitiv Lust auf mehr. 
Zur Rezension

Platz 1: Das Motel der vergessenen Träume, Katie Ganshert

Warmherzig, modern und ohne jeden moralischen Zeigefinger - „Das Motel der vergessenen Träume" ist ein Roman mitten aus dem Leben, der sich nicht nur an ein christliches Publikum wendet.

Besonders gut gefallen haben mir außerdem:



Der größte Flop, den ich in diesem Halbjahr dabei hatte, war für mich
Immerwelt" von Gena Showalter. Leider - denn das Cover und die Grundidee mit den beiden Reichen Myriad und Troika sowie der Beginn des Buches waren wirklich vielversprechend!



Im ersten Halbjahr habe ich an 8 Leserunden teilgenommen, bei sieben auf LovelyBooks und einer auf Was liest du?

Ich hatte 35 Print- und 13 eBook-Neuzugänge (letztes Jahr im Vergleich: 47 Prints und 10 eBooks)

Die Print-Bücher verteilen sich so:


  •  13 Rezensionsexemplare (inkl. Leserundenbücher)
  • 11 Buchgewinne
  • 7 ertauschte Bücher
  • 3 Bücher von der Messe in Leipzig
  • 1 Buchkauf 


  • Mit dabei sind ganz viele Titel, auf die ich mich schon unglaublich freue, z. B. die gesamten Chroniken der Verbliebenen" von Mary E. Pearson, „Iron Flowers" von Tracy Banghart und
    „The Sleeping Prince" von Melinda Salisbury.

    Mittwoch, 27. Juni 2018

    Parallelwelten - Jenifer Girke

    Rezension zu "Parallelwelten - Welche Rolle spielst du in deinem Leben?" von Jenifer Girke


     
    Taschenbuch, 240 Seiten
    adeo Verlag (26. Februar 2018)
    ISBN: 978-3863341848
    Preis: 18,00 €

    Worum geht's?

    Leistungsdruck, Optimierungswahn. Der Erfolg, dem wir nachlaufen, hat seinen Preis. Lieber spielen wir eine Rolle, tragen Masken, als der Mensch zu werden, der wir wirklich sind.

    Diesen Druck spürt auch Jenifer Girke: Der steile Weg auf der Karriereleiter scheint für sie vorgezeichnet zu sein. Aber um die Kontrolle über ihr Leben zu behalten, hungert sie - Diagnose Magersucht. Sie hofft, dass keiner ihre Schwäche aufdeckt, spielt die Rolle der Schönen, Begehrten und Erfolgreichen bis zur Perfektion. Nur wer sie wirklich ist, lässt sie niemanden erahnen ...

    Jenifer Girke beschreibt offen ihren Weg aus der Krise. Ein authentischer Bericht voller Hoffnung. Und eine entlarvende Zeitansage, die vielen aus der "Generation Y" aus der Seele spricht. 

    (offizieller Klappentext des Verlags)

    Videoquelle: adeo auf YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCb1fqhlHEKVf7y8lE5Y-83w

    Was mich neugierig gemacht hat:


    Dieses Buch wollte ich gern lesen, um (mal wieder) einen reflektierenden Blick auf unsere leistungs-, konsum- und perfektionsorientierte Gesellschaft und die Rolle jedes Einzelnen von uns darin zu werfen. Ich nehme in meiner Generation sehr viel von dem wahr, was der Klappentext andeutet, und habe mir einen lebensnahen Ratgeber mit Tipps dazu erhofft, wie man die Rollen, die man tagtäglich spielt, wieder mit sich selbst vereinen und so zu einer Lebensführung finden kann, die wirklich erfüllt.
     

    Wie es mir gefallen hat:


    Zunächst war ich etwas überrascht, dass die Autorin in vielen Kapiteln sehr tiefe Einblicke in ihre eigene Lebensgeschichte gibt und den Leser bis in ihre Kindheit mit zurücknimmt. Aufgrund des Klappentextes und des Buchtitels hatte ich dem Buch gedanklich eher einen Rat- bzw. Impulsgebercharakter zugeordnet. Jenifer Girke lässt aber auch viele eigene Erfahrungen in ihre Reflektionen einfließen und schreibt von einem gestörten Vater-Tochter-Verhältnis, einem Klinikaufenthalt bis hin zu Selbstmordgedanken - kurz: von den Höhen und Tiefen ihres eigenen Weges. 
    Insgesamt hätte ich mir vielleicht noch etwas mehr einen klaren roten Faden gewünscht. Das Persönliche, die Ratschläge und Gedankenanstöße sind irgendwie so ineinander über geflossen. Es fiel mir mitunter schwer, am Ende eines Kapitels den Kern noch einmal für mich zu fassen. 
     
    Gut gefallen haben mir besonders die konsequente Offenheit der Autorin, das immer wieder auftauchende Leitbild der Parallelwelten und der Maskenträger und ihr Ansatz, den christlichen Glauben aus ihrer Sicht als sinnstiftend zu zeigen, ihn aber ausdrücklich niemandem aufdrängen zu wollen.
    Einige ihrer Thesen, wie z.B. dass nicht alle Menschen ein gewisses "Mehr" in ihrem Leben brauchen bzw. dass jeder selbst beurteilen kann, ob sein Lebenspuzzle bereits komplett und stimmig ist, würde ich jedoch infrage stellen.

    Ein Punkt, der mich nicht ganz überzeugt hat, ist das von der Autorin recht häufig aufgegriffene Thema Yoga und Achtsamkeit. Beides mag vielen Menschen tatsächlich helfen, sich wieder auf sich selbst und das Wesentliche im Leben zu besinnen, ich persönlich nehme es gerade aber mehr als einen Trend wahr, den viele auch ohne Tiefe ausleben. Die Bezüge dazu haben durchaus ihre Berechtigung, da beides für die Autorin im Verlauf ihrer Krankheit sehr wichtig geworden ist, hätten aber sparsamer eingeflochten werden dürfen.

    In jedem Fall lädt das Buch dazu ein zu hinterfragen, sich eigener Standpunkte bewusst zu werden, einen offenen Blick dafür einzuüben, wo Tendenzen in unserer Gesellschaft der menschlichen Natur schaden, und darüber nachzudenken, welche Rollen es vielleicht an den Nagel zu hängen gilt.

    (Für wen) Lohnt es sich?


    Jenifers Girkes Buch eignet sich für jeden, der sich mit dem in unserer Zeit so hochgehaltenen Karriere- und Selbstverwirklichungsdenken und/oder dem Krankheitsbild Magersucht auseinandersetzen möchte. Wer gern Autobiographisches liest, wird hier an vielen Stellen fündig werden. Die Autorin berichtet in einem der letzten Kapitel von ihrem Glauben, jedoch in einer Weise, die auch Nichtgläubigen einen Zugang zu ihren Gedanken verschafft.

    In einem Satz:


    „Parallelwelten" ist ein Zeugnis unserer Zeit und unserer Gesellschaft, in der immer Menschen sich überfordert und verletzt hinter perfekten Masken verstecken, und zeigt Perspektiven auf, zu einem Leben und einem Selbstwert zu finden, in und mit dem man sich wohlfühlen kann und darf.

    Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an den Verlag!

    Mittwoch, 20. Juni 2018

    Wenn du mich küsst - Juliana Stone

    Taschenbuch, 320 Seiten
    Ravensburger Buchverlag (18. Mai 2016)
    ISBN: 9783473585014
    Preis: 9,99€
    Originaltitel: Boys like you
    Standalone

    Worum geht's?


    Monroes Leben ist dunkel und trostlos, seit sie einen schlimmen Verlust erleben musste, an dem sie sich selbst die Schuld gibt. Ihre Eltern wissen nicht mehr ein noch aus und schicken sie über den Sommer zu ihrer Großmutter nach Louisiana. Dort begegnet Monroe Nathan, der eine ebenso schwere Last zu tragen scheint wie sie. Können die beiden gemeinsam ihre Schatten überwinden?

    Was mich neugierig gemacht hat:


    „Wenn du mich küsst"  klang nach einem süßen Sommerroman mit Südstaatenflair, und ich war gespannt, welche Schicksalssschläge Monroe und Nathan getroffen haben und wie sie damit umgehen. Erwartet habe ich eine emotionale, gut geschriebene Liebesgeschichte für zwischendurch.

    Schade finde ich, dass beim Cover einfach irgendein Pärchen genommen wurde, das überhaupt nicht zur den Protagonisten passt (Monroe = blass und schwarzhaarig, Nate = schulterlange Haare). Die Mühe hätte man sich ruhig machen können, denn die Atmosphäre des Covers fängt den Roman sonst sehr gut ein.
     

    Wie es mir gefallen hat:


    Das Buch hat meine Erwartungen insgesamt erfüllt, allerdings nicht übertroffen. Es ist eine spritzig geschriebene Geschichte mit viel Drama und ernsten Momenten, in dem es um Schuldgefühle, Loslassen und die erste Liebe geht. 

    Besonders gefallen hat mir, dass abwechselnd aus Monroes und Nates Sicht erzählt wird. Die Autorin hat es geschafft, für beide Jugendliche einen authentischen Ton zu treffen. Gerade ihr Kennenlernen ist sehr humorvoll und schön umgesetzt worden.
    Da der offizielle Klappentext einen kleinen Spoiler enthält, war es etwas zäh, bis Monroe damit herausrückt, was geschehen ist. Ohnehin gab es keine Wendungen, mit denen man nicht hätte rechnen können - allerdings hat man doch mit Nate gehofft, dass sein „Fehler" gut ausgehen wird.

    Im Großen und Ganzen gab es also während des Lesens keine großen Überraschungen, aber Monroes und Nates Geschichte ist trotzdem etwas fürs Herz und sorgt für ein paar schöne Lesestunden.

    (Für wen) Lohnt es sich?


    Wer auf der Suche nach einen leichten Sommerroman mit ein paar düsteren Sturmwolken am Lebenshimmel hat, in dem zwei Jugendliche einander Halt zu geben lernen, kann mit diesem Buch nichts falsch machen. Die Kernzielgruppe sind Jugendliche von 14-17 Jahren.

    In einem Satz:


    „Wenn du mich küsst" ist eine schöne Sommerlektüre über großen Kummer und hoffnungsvolle Lichtblicke, die ihn durchbrechen können - nicht herausragend, aber schön zu lesen.

    Freitag, 1. Juni 2018

    I Knew U Were Trouble - Kami Garcia


    Klappenbroschur, 416 Seiten
    Ravensburger Buchverlag (21. Juni 2017)
    ISBN: 9783473584833
    Preis: 14,00 €
    Originaltitel: The Lovely Reckless
    Standalone

     

    Worum geht's?


    Zwischen den Downs und den Heights liegen Welten. Das wird Frankie Devereux erst so richtig bewusst, als ihre Mutter sie - nachdem Frankie betrunken am Steuer erwischt worden ist - zu ihrem Vater abschiebt, der in den armen und von hoher Kriminalität geprägten Bezirken als verdeckter Ermittler arbeitet.
    Frankie leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, seit sie mit ansehen musste, wie ihr Freund von einem Unbekannten zu Tode geprügelt wurde.  Neben den verzweifelten Versuchen, sich an jene Nacht zu erinnern, den Stress mit ihren Eltern und dem Neuanfang in einem völlig fremden Umfeld, kann sie mehr Ärger wirklich nicht gebrauchen. Doch als sie Marco Leone begegnet, ist der vorprogrammiert ...

    Was mich neugierig gemacht hat:

    Kami Garcia kannte ich bereits als Teil des Autorinnenduos von „Sixteen Moons" - da mir der Stil des Buches gut gefallen hatte, mir die Geschichte selbst aber nicht wirklich zusagen konnte, war ich gespannt, jetzt etwas in einem neuen Genre von ihr zu lesen. 
    Vom ersten Eindruck her fühlte ich mich an eine meiner ersten Lieblingsbuchreihen erinnert und habe mich auf eine actiongeladene Liebesgeschichte zwischen den Schichten gefreut.
     

    Wie es mir gefallen hat:


    Das Konzept des Buches ist eher altbewährt als besonders innovativ - dennoch vereinen sich die einzelnen Elemente zu einer eigenständigen, runden Story. Sie wird im Präsens aus der Ich-Perspektive von Frankie erzählt, sodass man ihre Entwicklung beim Lesen praktisch hautnah miterlebt. Es ist schön, ihr bei ihrem Neuanfang zu folgen und zu sehen, wie sie aus der Identitätskrise nach Noahs Tod langsam wieder herausfindet. Ihre inneren Konflikte - z.B. ihr Bedürfnis, auf Distanz zu Noahs und ihren gemeinsamen besten Freunden zu gehen, ihre Schuldgefühle oder das schwierige Verhältnis zu ihren geschiedenen Eltern - sind nachvollziehbar, und man wartet gespannt auf jeden ihrer Flashbacks.

    Auch Marco, der in seinem Leben schon oft falsche Entscheidungen mit ehrenhaften Motiven treffen musste, und Nebenfiguren wie seine Schwester Sofia, sein Freund Deacon, ein Mädchen aus den Downs, das alle nur Cruz nennen, und Frankies Freunde Lex und Abel sind alles andere als eindimensional. Durch sie gibt es ein paar abwechslungsreiche Nebenstränge in der Handlung. Nur bei Abels Geheimnis hätte ich etwas mehr erwartet und konnte nicht ganz verstehen, warum er Lex und Frankie nicht in das Problem einweihen wollte.

    Der Spannungsstrang rund um die illegalen Autorennen verleiht der Geschichte einen leicht verwegenen Touch und ist gut umgesetzt. Frankies Konflikt durch den Job ihres Vaters würzt das Ganze noch zusätzlich.
    Nur die Auflösung um den Mord an Frankies Freund ließ sich schon recht früh erahnen und ging dann ein bisschen unter. 

    Die Liebesgeschichte kann leider nicht ganz überzeugen. Obwohl Marco und Frankie sehr gut zusammenpassen und die Chemie zwischen ihnen stimmt, entwickeln die Dinge sich hier einfach zu schnell und zu sehr aus dem Nichts. Vor dem Hintergrund ist es auch etwas schade, dass Frankies letzte Beziehung zu einer „Wir-waren-beste-Freunde-aber-eigentlich-war-es-keine-Liebe"-Sache degradiert wird. Bei solchen Manövern bekommt man den Eindruck, es hätte eben eine Erklärung gebraucht, warum Frankie sich nun so bald wieder auf einen Jungen einlässt und der Verlust, den sie erlitten hat, nicht mehr so stark im Vordergrund stehen muss.

    Im Großen und Ganzen kann das Buch die Erwartungen, die es weckt, erfüllen. Die Gefühle zwischen Frankie und Marco und die große Enthüllung hätten noch etwas besser ausgearbeitet werden können. Davon abgesehen hat Kami Garcia hier ein schönes Jugendbuch geschrieben, das nicht nur an der Oberfläche kratzt.
    Ich freue mich schon auf ihr nächstes Werk, „Broken Beautiful Hearts", das im Februar 2019 auf Deutsch erscheinen wird.

    (Für wen) Lohnt es sich?


    Diese Geschichte kann ich  Fans von Simone Elkeles und ähnlichen Autorinnen sehr empfehlen. Wie bei der „Du oder"-Reihe geht es um eine Liebe zwischen zwei jungen Menschen mit Hintergründen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und die Hindernisse, die sie überwinden müssen.
    Es ist ein kurzweiliger, wenn auch nicht ganz unvorhersehbarer Jugendroman ab 14. 

    In einem Satz:


    „I Knew U Were Trouble" ist ein unterhaltsames, romantisch-spannendes Buch, das zwar nicht mit großen Überraschungen um die Ecke kommt, aber insgesamt gelungen von dem Weg eines toughen Mädchens zurück zu sich selbst erzählt.

    Freitag, 25. Mai 2018

    Immerwelt - Gena Showalter

      Rezension zu „Immerwelt - Der Anfang"
    von Gena Showalter

    Hardcover, 496 Seiten
    HarperCollins (2. Mai 2018)
    ISBN: 9783959672092
    Preis: 16,99€, eBook 13,99€
    Originaltitel: Firstlife
    Band 1 von 3

    Worum geht's?


    In Tenleys Welt hat jeder zwei Leben, und im ersten sollte man sich gut überlegen, wo man das zweite verbringen möchte. Troika oder Myriad - das ist die große Frage. Die beiden Sphären sind auf Erbittertste verfeindet, und ihre Agenten umwerben die Menschen unermüdlich. So liegt auch auf Ten ein großer Entscheidungsdruck. Denn wer stirbt, bevor er seine Wahl getroffen hat, landet in Viele-Enden, einer Welt des Grauens und der Dunkelheit.
    Doch warum scheint ausgerechnet Ten für die Sphären so wichtig zu sein? Was bedeutet sie Archer und Killian, den beiden jungen Männern, die sie jeweils auf ihre Seite ziehen wollen, wirklich?
    Und wie viel wird Ten ertragen, um sich selbst treu zu bleiben?

    Was mich neugierig gemacht hat:


    Ich hatte das Buch schon länger im Auge und habe eine gefühlte Ewigkeit auf eine Übersetzung gehofft. Zum einen zieht das Cover, das vom amerikanischen Original übernommen wurde, natürlich sofort Aufmerksamkeit auf sich und man möchte wissen, welche Geschichte sich dahinter verbirgt. Außerdem war ich gespannt auf die Gestaltung der beiden verfeindeten Reiche und die Liebesgeschichte.
     

    Wie es mir gefallen hat:


    Es beginnt vielversprechend: ein Nachrichtenwechsel zum Einstieg sorgt dafür, dass man auf amüsante Weise in die Geschichte eingeführt wird.
    Tenley und ihr sehr würdeloses, hartes Leben in einer Anstalt, in der man sie im Auftrag ihrer Eltern mit Druck und Gewalt zu einer Entscheidung zwingen will, sind zunächst sehr spannend und machen sie als Figur interessant. Dass sie recht abgestumpft und unemotional wirkt, ist da bis zu einem gewissen Grad verständlich.
    Leider ist Tenleys Entwicklung im weiteren Verlauf jedoch nicht gut umgesetzt: Obwohl sie angeblich so eine harte Nuss ist, verfällt sie sehr schnell einer teeniemäßigen Verknalltheit (und mal ehrlich, was ist daran romantisch, wenn Killian sie "Mädchen" nennt wie ein kleines Kind?), zeigt sich immer wieder seltsam gleichgültig und scheint ihre Entscheidung nur deshalb vor sich herzuschieben, damit der erste Band überhaupt funktioniert und die Enthüllung bis zur letzten Seite aufgespart werden kann (wobei der Klappentext in dieser Hinsicht einen fetten Spoiler beinhaltet).
    Aus ihrer Vergangenheit geht zudem nicht hervor, warum sie sich so sehr gegen den Willen ihrer Eltern sträubt. 

    Die männlichen Protagonisten Killian und Archer sind interessant angelegt; doch da der Leser sie nur aus Tens Ich-Perspektive zu sehen bekommt, werden sie nicht so lebendig, wie sie hätten werden können. Daneben ist Sloan, eine „Mitinsassin" aus der Anstalt, ein abwechslungsreicher Charakter.

    Troika und Myriad werden einem zwar durch Zitate, die den Kapiteln vorangestellt sind, nähergebracht, sind im Gesamtbild aber nicht wirklich scharf gezeichnet. Es entsteht auch kein richtiger Eindruck von der Welt, in die sie eingebettet sind. Soll es unsere Welt der Zukunft sein? Ein reines Fantasy-Setting? Hier kommt irritierend hinzu, dass Tenley häufig Dinge unserer Zeit (wie z.B. Disney-Prinzessinnen) erwähnt.
    Problematisch ist auch der Umgang mit dem Thema Tod - auch wenn es in der Welt des Buches ein Zweitleben gibt. Ten muss mehrmals wiederbelebt werden, was eine störende Wiederholung darstellt und zudem nicht glaubwürdig ist.

    Dass die Geschichte außergewöhnlich und - ich kann es nicht anders sagen - irgendwie schräg ist, hat sein Gutes, doch es fehlt einfach viel auf der emotionalen Ebene, und es gibt einige Unstimmigkeiten und wirre Wendungen.

    (Für wen) Lohnt es sich?


    Ich denke, das Buch eignet sich nicht unbedingt für Jugendliche unter 14 oder sogar eher 16 Jahren, da es stellenweise doch recht brutal zugeht.
    Anspruchsvolle Leser, die Wert auf ausgestaltete Hintergründe, komplexere Charaktere und einen gut konzipierten Handlungsverlauf legen, wird dieser Reihenauftakt wohl nicht überzeugen.

    In einem Satz:

    „Immerwelt - Der Anfang" hat hinsichtlich der Grundideen viel Potenzial, verliert sich aber leider in wirren Handlungssträngen, einer wenig mitreißenden Liebesgeschichte und einer insgesamt eher oberflächlichen Figurenentwicklung.

    Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an den Verlag!

    Sonntag, 13. Mai 2018

    Das Motel der vergessenen Träume - Katie Ganshert

    Taschenbuch, 382 Seiten
    Verlag: Francke (1. Februar 2018)
    ISBN: 9783868277098
    Preis: 14,95 €
    Originaltitel: The Art of Losing Yourself

    Worum geht's?


    Carmen Hart ist perfekt: eine allseits beliebte Wetterfee aus dem TV, eine Frau in ihren besten Jahren und verheiratet mit Ben, dem umschwärmten Highschooltrainer. Doch in ihrem Inneren sieht es ganz anders aus. Carmens unerfüllter Kinderwunsch setzt ihr schwer zu, ihre Ehe hat alle Vertrautheit und Nähe eingebüßt, ihr Leben ist in eine Sackgasse gelaufen. Und nun muss sie sich auch noch mit der Sorge um das alte Motel herumschlagen, das für sie alles verkörpert, was sie verloren hat.
    Außerdem ist da noch Gracie, ihre siebzehnjährige Halbschwester, die völlig unerwartet in ihr Leben platzt und für Schwierigkeiten sorgt. Auch für sie ist das Motel mit besonderen Erinnerungen verbunden.
    Stück für Stück beginnen die beiden jungen Frauen, die Bruchteile wieder zusammenzusetzen - die des Motels und die ihrer vergessenen Träume ...

    Was mich neugierig gemacht hat:


    Der christliche Romanmarkt wird hauptsächlich von bereits etablierten Namen bestimmt, die auch immer wieder tolle Bücher abliefern, darunter z.B. Julie Klassen, Denise Hunter oder Lisa Wingate (die inzwischen im säkularen Bereich Fuß fasst). Ab und zu wird dann aber auch die Übersetzung eines „Neulings" gewagt. So konnte mich 2016 bspw. Kate Breslin mit „Eine Feder für den Lord" absolut überzeugen. „Das Motel der vergessenen Träume" hat mich also aus dem Grund angesprochen, dass Katie Ganshert eine hier noch unbekannte Autorin ist, daneben aber auch wegen des verträumten Covers, den beiden Ich-Perspektiven (das hatte ich im christlichen Bereich bisher noch nie!) und der Tatsache, dass es ein Gegenwartsroman ist (es gibt ja in dieser Sparte sehr viel Historisches).
     

    Wie es mir gefallen hat:


    Als Leser ist man eigentlich ein Schatzsucher - und bei „Das Motel der vergessenen Träume" stößt man auf eine Truhe voller Gold.

    Mit Carmen und Gracie wird die Geschichte von zwei starken Persönlichkeiten geschildert, die jeweils ihren ganz eigenen Erzählton haben.
    Obwohl ich selbst mich in keiner der Lebenssituationen der beiden direkt wiederfinden konnte, hat es sich angefühlt, als wäre ich dabei, als wären ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen meine. Die Autorin versteht es, die Charaktere gerade durch ihre Schwächen für die Leser nahbar zu machen.

    Auch die Nebenfiguren - wie z.B. Carmens Mann Ben oder ihre demente Tante Ingrid, deren Lebenswerk das Motel ist, sind liebevoll ausgestaltet und tragen zu einem runden Gesamtbild bei.
    Katie Ganshert hat das Talent, viele kleine Details einzubinden, die einem das Gefühl geben, alle schon lange zu kennen, und auch an den Schauplätzen schon oft selbst gewesen zu sein.

    Gut gefallen hat mir auch die Mischung aus dramatischen, gefühlvollen, verzweifelten und humorvollen bis tragikomischen Momenten. Die ganze Breite an Emotionen ist vertreten.
    Die Geschichte geht nah, und das liegt nicht zuletzt daran, dass die Autorin ihren Charakteren nichts erspart. Die Dinge wenden sich nicht auf unglaubwürdige Weise plötzlich zum Guten, niemand wird durch ein Gebet plötzlich von allen Problemen befreit. Es ist ein langsamer, mitunter schmerzvoller Prozess, den Carmen und Gracie durchleben müssen, aber er macht sie stärker.
    Das Einzige, was mir etwas zu konstruiert vorgekommen ist, ist der Spannungshöhepunkt gegen Ende, weil dort einige recht unwahrscheinliche Dinge zusammenkommen. Doch auch das kommt im echten Leben ja bisweilen vor.

    Erfrischend finde ich auch, wie das Thema Glaube Eingang in die Geschichte findet. Carmen ist schon lange Christin, doch tiefe Zweifel haben ihr Herz erfüllt. Gracie kann nach einer schwierigen Vorgeschichte mit ihrer Mutter, einer Trinkerin, die mit ihrem Glauben alles andere als ein Vorbild für sie gewesen ist, nicht wirklich etwas mit diesem Jesus anfangen.
    Keine von beiden wird plötzlich durch ein einschneidendes Erlebnis erleuchtet, für keine beantworten sich all die großen Fragen. Das Buch trifft keine aufzwingenden Aussagen, pachtet die Wahrheit nicht für sich. Und doch macht es Mut, sich damit auseinanderzusetzen, was Glaube bedeutet - auch denjenigen, die vielleicht denken, damit nichts anfangen zu können.

    (Für wen) Lohnt es sich?


    Wer gern  Gegenwartsliteratur liest, in der die Themen Familie, Selbstfindung und Lebensträume eine große Rolle spielen, ist bei diesem Buch genau richtig.
    Dadurch, dass es zwei Protagonistinnen aus unterschiedlichen Generationen gibt (und auch darüber hinaus Nebenfiguren verschiedenen Alters) schafft das Buch einen Spagat zwischen den Zielgruppen und ist somit fast schon ein All-Age-Frauenroman.

    In einem Satz:


    Warmherzig, modern und ohne jeden moralischen Zeigefinger - „Das Motel der vergessenen Träume" ist ein Roman mitten aus dem Leben, der sich nicht nur an ein christliches Publikum wendet.

    Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an den Verlag!

    Dienstag, 1. Mai 2018

    Palace of Glass - C. E. Bernard

    Rezension zu "Palace of Glass - Die Wächterin"
    von C. E. Bernard

    Broschiert, 416 Seiten
    Penhaligon Verlag (19. März 2018)
    ISBN: 9783764531959
    Preis: 14,00 €
    Originaltitel: Touch That Fire (Rea 1)
    Band 1 von 3

    Worum geht's?


    „Ich habe ein Märchenschloss gefunden. Und in dem Märchenschloss wohnt sogar ein Prinz. Zu schade, dass er mich hinrichten lassen würde, wenn er wüsste, was ich bin." (S. 184)

    Reas Leben war noch nie einfach, aber als sie aus ihrem Alltag als Schneiderin bei Tag und Straßenkämpferin bei Nacht geradewegs an den könglichen Hof von England geholt wird, steht es völlig Kopf. Das Leben des Kronprinzen ist in Gefahr, und sie soll ihn - inkognito in der Rolle seiner Geliebten - als Leibwächterin schützen.
    Nie zuvor war Reas größtes Geheimnis so bedroht: Denn in einer Welt, in der Berührungen verboten sind, ist es fatal und endet schnell tödlich, zu sein, was sie ist: Eine Magdalena, abhängig davon, Haut und Geist anderer zu berühren ...

    Was mich neugierig gemacht hat:


    Die Idee mit den verbotenen Berührungen hat mich im ersten Moment ein wenig an eine meiner Lieblingreihen erinnert („Shatter Me" bzw. „Ich fürchte mich nicht" von Tahereh Mafi). Ich war gespannt auf die Hintergrundwelt und vor allem auf die Verwicklungen rund um den Königshof und Reas neue Aufgabe. Man gebe mir ein cooles Setting, etwas Drama und eine Lovestory und ich bin glücklich!
     

    Wie es mir gefallen hat:


    Dieses Buch ist für mich ein absoluter "Bleibt im Regal"-Fall. Es hat mich ausgesprochen gut unterhalten und nahezu in sich hineingesogen. Ich freue mich schon darauf, dass es bald mit Band 2 weitergeht!

    Mir gefällt das Setting und das Konzept rund um die Magdalenen sehr. Die Hintergrundwelt wird nicht zu ausschweifend erklärt, aber sehr atmosphärisch gestaltet. Die Stimmung ist tendenziell düster-bedrohlich, und gleichzeitig hat alles ein edles, extravagantes Flair.
    Kampfszenen, romantische Szenen, dramatische Szenen - von allem ist etwas dabei, und die Mischung macht's.

    Rea ist eine nicht ganz einfache Protagonistin, und in Bezug auf sie bin ich ein wenig zwiegespalten. Obwohl sie es nun wirklich nie leicht gehabt hat, hatte ich manchmal das Gefühl, dass ihr im Laufe der Geschichte etwas zu viel zufliegt. Dass sie bei den männlichen Charakteren so ausnehmend gut ankommt, war für mich nicht hundertprozentig glaubwürdig, und an manchen Stellen hätte sie vielleicht etwas mehr hinterfragen sollen/müssen.
    Dafür haben es mir der Kronprinz und auch einige der Nebencharaktere wie Reas Bruder Liam angetan.

    Zum Ende hin wird es teils etwas abstrakt, wenn es darum geht, in den Geist anderer einzutauchen, aber diese Passagen sind überzeugend umgesetzt worden. Auch kommt es zu einer unerwarteten Auflösung, die es in sich hat. Der allerletzte Abschnitt des Buches war mir persönlich dann etwas zu pathetisch, aber das ist wohl Geschmacksache.

    Insgesamt ist „Palace of Glass" eines dieser Bücher, bei denen ich dankbar bin, dass die Autorin die Geschichte mit der Welt teilen wollte. Mir wäre sonst etwas entgangen.

    (Für wen) Lohnt es sich?


    Romantasy-Fans aufgepasst - dieses Buch ist auf jeden Fall was für euch!
    Im Großen und Ganzen könnte man es durchaus auch in die YA-Sparte einordnen, sodass ich es ab 14 Jahren empfehlen würde.

    In einem Satz:


    „Palace of Glass" ist schillernd, actionreich, romantisch und macht definitiv Lust auf mehr.

    Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag!