Montag, 31. August 2026

Kunst und Glaube: Eine Theologie des kreativen Schaffens – Makoto Fujimura

Verlag: Fontis‎ (1. April 2026)
Hardcover mit Lesebändchen,‎ 240 Seiten
ISBN: ‎ 9783038483106
Preis: 24,90 €, eBook 21,99 €
Originaltitel: ‎ Art and Faith: A Theology of Making  

Worum geht's?

Ein Brückenschlag zwischen Theologie und Kunst – von einem renommierten Künstler mit spiritueller Strahlkraft! Poetisch tief – für Glaubende, Denkende und Kunstliebende

Makoto Fujimura, weltbekannter Maler und Denker, verbindet in diesem außergewöhnlichen Buch Kunst, Theologie und Spiritualität zu einer tief bewegenden Einheit. Über dreißig Jahre künstlerischen Schaffens münden hier in eine Betrachtung darüber, wie Gottes schöpferisches Wesen in jedem Akt des «Machens» erfahrbar wird.
Fujimura zeigt, dass wahre Theologie die Kunst braucht: Wer Gottes Tiefe und Gnade wirklich erkennen will, muss sich auf den schöpferischen Prozess einlassen – auf das Werden, Warten, Zerbrechen und Wiederherstellen. Inspiriert von der biblischen Schöpfungserzählung, von T. S. Eliot, Mark Rothko und der japanischen Kintsugi-Tradition entfaltet er ein faszinierendes Verständnis von Kunst als geistlicher Übung.
So wird Kreativität zur Einladung, an Gottes schöpferischem Handeln teilzunehmen – in Barmherzigkeit, Mitgefühl und Hoffnung für eine zerbrochene Welt.

Ein Buch für alle, die spüren: Glauben ist mehr als Denken – er will gestaltet werden. 
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

 
Ich muss zugeben, ich kannte Makoto Fujimura und seine Werke nicht, bis ich dieses Buch in der Hand hielt. So war auch nicht er oder die von ihm bekannte Kunst der Grund für mein Interesse, sondern die Thematik rund ums Schöpferische / den Schaffensprozess bei der Arbeit an und mit kreativen Werken. 
Eigentlich schade, wenn auch angesichts der ohnehin schon sehr hochwertigen Gestaltung absolut verständlich, dass es keinen Bildteil gibt, der Fujimuras Gedanken gut begleitet hätte. Aber zum Glück kann man online einiges von ihm und über ihn finden.
 
Dieses Buch gibt seinen Lesern definitiv viel mit auf den Weg, was in Ruhe durchdrungen werden will. Es ist sehr dicht und anspruchsvoll geschrieben und kann daher nicht mal eben nebenbei „runtergelesen" werden. Ich hätte es mir manchmal weniger schwer erfassbar und getragen gewünscht, mit weniger großen und dafür unmittelbareren Worten, aber gleichzeitig macht die Art, wie der Inhalt transportiert wird, natürlich den Autor als Person auch aus – und es ist ja ein Stück weit eben auch ein wissenschaftliches Buch.
Es geht um das Kennenlernen Gottes Wesens über den Zugang der Kunst, indem man alle Schritte des kreativen Schaffens betrachtet, durchlebt und aushält, die im Klappentext genannt sind: das Werden, Warten, Zerbrechen und Wiederherstellen. 
 
Nach den beiden Vorworten (von Johannes Hartl und N. T. Wright) widmet sich das Buch in zehn Kapiteln seinem Thema. Es geht um das Schaffen als heilige Kunst, um Kreativität als Wesensmerkmal Gottes, um Schönheit, Barmherzigkeit und die neue Schöpfung, um die Übertragbarkeit von Kintsugi (=  traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik, bei der die Scherben mit goldfarbenem Lack wieder aneinandergefügt werden) auf den Umgang mit Zerbrochenem im Leben, um Fürsorge und Liebe, um eine Zukunftsperspektive mit den Augen des Herzens, um Fantasie und Glaube, um die Tränen Christi, die den Weg zu Neuem bahnen und um die, wie Fujimura sie nennt, damit verbundene „Lazarus-Kultur". 

In einem Satz:

„Kunst und Glaube: Eine Theologie des kreativen Schaffens" ist ein Tauchgang hinein in die Tiefen kreativen Schaffens und der Kreativität des Schöpfers höchstpersönlich, der fordert und, wenn man sich darauf einlässt, faszinierende Aussichten eröffnen kann.

 

Mittwoch, 1. April 2026

Wunder erwarten: Texte, Bilder und Gebete, die das Schöne suchen – Sarah Schindler, Mira Weiss & Sheila Serrer

‎adeo (12. Dezember 2025)
Hardcover, 112 Seiten
ISBN: ‎ 9783863344085
Preis: 20,00 € 
Maße: ‎ 20 x 0,8 x 26 cm 

Blick ins Buch 

Worum geht's?

»Schönheit tut der Seele so gut! Und so haben wir sie gesucht und gesammelt: Worte, Bilder, Gebete, die der Seele guttun, und manchmal bedeutet das, gerade im Schweren das Schöne aufzuspüren.«

Dieses Buch lädt dich ein, sie zu suchen – die leisen Wunder, die trösten, ermutigen und deinen Blick weiten. Worte, Bilder und Gebete, die mitten im Alltäglichen aufleuchten wollen. Mit »Wunder erwarten« haben Pfarrerin Sarah Schindler und Designerin Mira Weiss ein außergewöhnliches Coffee Table Book geschaffen: zwölf besonders gestaltete Kapitel, inspiriert vom Jahreslauf und doch zeitlos gültig. Gedichte, Gedanken und Gebete treffen auf berührende Fotografien von Sheila Serrer.

Ob zur Meditation, als Impuls zur Stillen Zeit oder einfach als Lichtblick im Alltag – dieses Buch möchte dich staunen lassen über das stille Schöne, das mitten im Leben neue Hoffnung und Halt gibt.
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

 
Der Untertitel gibt bereits eine gute Vorstellung davon, was einen an Wunderschönem im Buch erwartet: Gemeinsam haben Sarah Schindler mit ihren Texten, Mira Weiss mit Design und Gesamtkonzeption und Sheila Serrer mit ihren Fotos (sowie Franka Röhm mit der Umschlag- und Satzgestaltung) etwas für Geist und Seele und fürs Auge gestaltet.
Unter zwölf Überschriften nehmen sie uns mit in Themenbereiche wie „Neue Wege", „Sich zärtlich zeigen", „Bleiben und Gehen", erzählen von „Nebeltagen" und „Liebesmut". Angelehnt sind sie an die zwölf Kalendermonate und ihre Jahreszeiten, aber auch völlig losgelöst davon erkundbar.
 
Jeder Abschnitt beginnt mit in poetische Form gefassten Gedanken zum Innehalten, Nachdenken und Fühlen und endet mit einem Gebets- und einem Segenstext. Die Gestaltung unterstützt die Inhalte durch ästhetisch aufeinander abgestimmte, sanfte Farben (eine Leitfarbe für jedes Kapitel), die künstlerischen Fotos (Menschen, Orte, Blumen, ...) in gedeckten Tönen und viel Weißraum. Alles zusammen transportiert viel Stimmung und strahlt etwas so Natürliches wie Friedvolles aus, manchmal vermischt mit einem Hauch Nostalgie oder Sehnsucht.
 
Das Buch ist das Richtige (und auch eine sehr schöne Geschenkidee) für alle, die Gedankenvolles, Lyrisches und Zartes mögen und deren Geschmack der Stil – aufs Zarte fokussiert, in erdigen Naturfarben und dezentem Blau gehalten, ein bisschen Vintage – trifft. Wer schon beim Cover denkt „Warum um alles in der Welt sollte ich meine Tasse so dahin stellen?" wird sich vermutlich weniger in der Art dieses Werks wiederfinden. 
 

In einem Satz:

„Wunder erwarten" ist ein gelungenes Coffee Table Book, das zum Zur-Ruhe-Kommen, Sich-Besinnen und inneren Verweilen bei den Worten und Bildern einlädt. 

 

Mittwoch, 26. November 2025

Taylor Swift: Alle Songs. Die 248 Storys hinter den Liedern – Damien Somville und Marine Benoit

 
Delius Klasing Verlag ‎ (2. Oktober 2025) 
Bildband, 496 Seiten
ISBN: ‎ 9783667131416
Preis: 69,90 € 

Worum geht's?

Taylor Swift: Die vielschichtige Künstlerin hinter der Musik

Taylor Swift hat im Laufe ihrer Karriere sowohl musikalisch als auch politisch Maßstäbe gesetzt. Mit Anfangserfolgen in der Country-Szene und dem lateralen Erfolg als Pop-Ikone setzt sie neue Maßstäbe in der Musikbranche.

Die Musik und die Botschaften dahinter

Dieses Buch gewährt detaillierte Einblicke in die Entstehung und Inhalte von Swifts Songs. Damien Somville und Marine Benoit, Kenner der Musikszene, analysieren jeden Hit, beleuchten die Texte und die Entwicklung hinter der Kultfigur Taylor Swift.

• Intensive Reflexion über den musikalischen und kulturellen Einfluss von Taylor Swift
• Enthält detaillierte Geschichten und Analysen zu ihren bekanntesten Songs
• Einblick in die feministischen und politischen Botschaften, die ihre Musik begleiten

Ein unvergessliches Porträt einer Ikone

Nicht nur eine Chronik ihrer Hits und Karriere, sondern auch eine Auseinandersetzung mit ihren kulturellen und feministischen Einflüssen: Dieses Buch ist eine Würdigung ihrer Erfolge und Vielseitigkeit. Perfekt für jeden Fan, der mehr über Taylor Swifts musikalische und persönliche Highlights erfahren möchte.

 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

 
 
Ein Cover mit holografischem Titel-Look und sanft rosafarbenes Vorsatzpapier begrüßen uns zu diesem umfangreichen Bildband, der es sich im Gegensatz zu den vielen anderen Büchern über Taylor Swift zur Aufgabe gemacht hat, ihr bisheriges musikalisches Werk vollständig (d. h. alle Original-Studioaufnahmen) Song für Song vorzustellen.
Er ist kapitelweise in die fünfzehn bis dato veröffentlichten Alben untergliedert, auf die dann noch ein Anhang folgt, der unter anderem die gesamte Diskografie sowie ein Glossar enthält. 
 
Es macht wirklich Freude, in diesem Wälzer zu blättern. Das Layout ist modern und abwechslungsreich. Es gibt viele vierfarbige Fotos, mal magazinartig die Infotexte begleitend, mal ganz- und immer wieder mal sogar doppelseitig.
 
Man erfährt viel über Taylors Biografie und Karriere, aber eben mit der Besonderheit, dass die Fakten rund um ihre Songs sowie deren Inhalte im Fokus stehen und ihre Lebens- und Erfolgsgeschichte darin eingebettet wird. 
 
Zu jedem Song sind steckbriefartig die Angaben zu den Musikern, der Aufnahme und Chartplatzierungen sowie Single-Auskopplungen festgehalten.  
Es gibt darüber hinaus jeweils einen Abschnitt über die jeweilige Vorgeschichte und zur Aufnahme. Bei einigen Titeln kommen „versteckte Botschaften“ aus den Lyrics hinzu, in Kästen abgesetzte Bonusinfos, Fun Facts, Insights für Hardcore-Swifties oder Hinweise auf manche Besonderheiten.
 
Das Konzept überzeugt, die Gestaltung auch, und besonders der Detailreichtum hat es mir angetan, sowohl inhaltlich als auch im Design (wie cool ist z. B. der Jahreszahlenzähler am Seitenrand?). 
Große Empfehlung für Fans und alle, die das musikalische Weltphänomen spannend finden!
 

In einem Satz:

Das Vorhaben für diesen Bildband war sehr ambitioniert und wurde mit Bravour gemeistert: Enstanden ist ein umfangreiches Werk über Taylor Swift als Person, Starsängerin, vor allem aber als begnadete Songwriterin. 

 

Dienstag, 11. November 2025

SegensRegen: 365 ermutigende Andachten – Nelli Bangert

  

Gerth Medien ( 18. August 2025)
Hardcover mit Lesebändchen, 400 Seiten
 ISBN: ‎ 9783986951337
Preis: 23,00 € / E-Book: 17,99 € 
 

Worum geht's?

Lass dich einladen zu einer täglichen Begegnung mit deinem himmlischen Vater, der dich kennt, liebt und versorgt. „SegenRegen“ ist eine Quelle der Ermutigung, der Freude und des Trostes. Nelli Bangert erinnert daran, dass unser Schöpfer ein Gott der Fülle ist und dass bei ihm jeder Mangel gestillt wird. 365 Andachten, die das Herz berühren und den Glauben stärken. Perfekt für alle, die sich nach einer tieferen Beziehung zu Gott sehnen und sich täglich neu inspirieren lassen möchten. 
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

 
Ich strecke meine Hände nach dir aus. Ich sehne mich nach dir, wie dürres Land nach Regen dürstet – unter dieses Psalmwort stellt Nelli Bangert ihr Andachtsbuch für jeden Tag des Jahres. Vom 1. Januar, dessen Text den Buchtitel aufgreift, bis hin zum 31.12., in dem es um die Treue Gottes geht, führt sie ihre Leser durch die Wochen. 
 
Obwohl es ein immerwährendes Andachtsbuch ist, gibt es die kleine Besonderheit, dass jeder siebte Tagestext grau unterlegt ist und eine Einladung enthält, über eine Frage nachzudenken oder etwas in die Tat umzusetzen, und oft auch Zeilen, um etwas dazu zu notieren. Diese Andachten treffen nur dann tatsächlich die Sonntage, wenn man das Buch im Jahr 2026 liest. 
 
Neben der Seitenzahl ist jeweils die Themenkategorie der jeweiligen Andacht angegeben. So lässt sich jede von ihnen einem der folgenden fünf Bereiche zuordnen: Zuhause bei Gott, Unterwegs mit Jesus, Loslassen befreit, Geliebt & berufen oder Sabbat.
Vom 1.-24. Dezember lässt sich das Buch außerdem als Adventskalender nutzen, und hinter jedem Türchen gibt es als Bonus eine kleine Challenge. 
 
Nelli Bangert gelingt es, mit einem kurzen Impuls pro Tag (nie länger als eine Seite, meist eher eine halbe bis eine Dreiviertelseite) Alltag und Glauben zu verknüpfen. Sie berichtet von kleinen Begebenheiten, die ihr etwas über Gott neu verdeutlicht haben, teilt Anregungen für die persönliche Beziehung zu Jesus und erinnert an wichtige Werte und Wahrheiten, die man kennt, doch viel zu oft aus dem Blick verliert und deshalb immer wieder verinnerlichen sollte.
 

In einem Satz:

„SegensRegen" ist ein Jahresbegleiter, den man ganz dem Titel nach wie einen täglichen Erfrischer nutzen kann; auch wenn viele der Kurzandachten Dinge aufgreifen, die nichts großartig Neues beinhalten, sind es gute Denkanstöße und Reminder, die den Fokus auch inmitten von Routinen und Stress aufs Wesentliche zurücklenken wollen.

 

Sonntag, 29. Juni 2025

Was wirklich zählt – 18 mal Hoffnung in Krisenzeiten – C. Juliane Vieregge (Hrsg.)

 Schüren Verlag GmbH (27. April 2025)  
Softcover, ‎ 256 Seiten
 ISBN: ‎ 9783741002953
Preis: 28,00 € / eBook 19,99 € 
 

Worum geht's?

Was gibt uns in Zeiten der Herausforderungen Hoffnung? Was treibt uns an? Worauf können wir uns verlassen? Was zählt wirklich? Bekannte und relevante Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit einschneidenden Erfahrungen erzählen, was ihnen Hoffnung und Zuversicht gibt, was ihr Leben lebenswert macht, worauf sie setzen, was für sie zählt! Was wirklich zählt sind Geschichten, die Hoffnung machen. 

Gespräche mit Betty BBQ (Dragqueen), Grit Seymour (Modedesignerin), Najem Wali (irakisch-deutscher Schriftsteller), Mojib Latif (Klimaforscher), Katja Wolf (Politikerin), Ulf Merbold (Astronaut), Wolfgang Schmidbauer (Psychonanalytiker, Buchautor), Sebastian Krumbiegel (Musiker, Die Prinzen), Elena Uhlig (Schauspielerin), Maria Groß (Sterneköchin), Markus Bell (Opfer der Ahrtal-Flut), Inge Auerbacher (Holocaust-Überlebende), Maximilian Hillmann (Unternehmer, der auf veganes Leder setzt), Marie Theres Relin (Schauspielerin), Lutz Trabalski (Lotto-Gewinnberater), Gerburg Jahnke (Kabarettistin) und Serkan Eren (STELP).
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

 
Ich mag diese Art Bücher, in denen ganz verschiedene Menschen zu einem Thema zu Wort kommen. So eine Perspektivenvielfalt vermag oft den Blick auf die Dinge zu weiten, kann inspirieren, vielleicht auch mal herausfordern und man kann sie sich in kleinen Lektürehäppchen zu Gemüte führen.
 
Wie der Titel schon verrät, sind es in diesem Fall achtzehn Persönlichkeiten (die vollständige Auflistung findet sich im Inhaltstext des Verlags), deren biografisch geprägte Gedanken C. Juliane Vieregge gesammelt hat. Berichten sollten sie vom Wesentlichen in ihrem Leben, von dem, was sie trägt und ihnen Hoffnung gibt.
Das Buch ist in fünf mit einem Statement betitelten Kapitel unterteilt, die jeweils von Frau Vieregge mit einer persönlichen Einleitung eröffnet werden, auf die wiederum jeweils die Vorstellungen von drei bis fünf der Persönlichkeiten folgen. Von allen gibt es kleine Porträtfotos in Graustufen, sodass man auch Gesichter zu den Lebensgeschichten hat.  
 
Die Stärke eines solchen Konzepts kann zugleich eine kleine Schwäche sein, da es in der Natur der Sache liegt, dass einen manche Beiträge mehr ansprechen als andere. Bei dem einen oder anderen Text hatte ich den Eindruck, dass er am Kern des eigentlichen Themas vorbeischrammt, weil es dann doch mehr um die eigenen Hintergründe und Standpunkte an sich geht als um das, was sich daraus an Hoffnung schöpfen lässt bzw. was sich in Krisenzeiten bewährt und die Resilienz gestärkt hat. Zudem hätte ich mir an manchen Stellen prägnantere Headlines gewünscht, die mehr Neugier wecken, statt sich ein wenig wie Plattitüden zu lesen (vielleicht ist es damit allerdings leichter, eine breitere Masse anzusprechen?). Nichtsdestotrotz dürfte sich wirklich jede und jeder aus diesem Buch etwas mitnehmen können, sei es an Einblicken in die ganz verschiedenen Felder oder Bereicherndes für die persönliche Haltung, das sich aus dem jeweiligen Erfahrungsschatz ableiten lässt.
 
Auch wenn sich der Inhalt sowieso nicht in einem Preis ermessen lässt, würde ich bei 28 € von der Ausstattung her und vom Korrektorat etwas mehr erwarten und finde es schade, dass viele, denen das Buch Gutes mitgeben könnte, vor diesem Preis sicher zurückschrecken. 
 

In einem Satz:

„Was wirklich zählt" ist eine gut konzipierte Zusammenstellung von Beiträgen, die einem Eindrücke von ganz verschiedenen Lebenswelten vermitteln – und von dem, was sie an Hoffnungspotenzial verbindet.

Freitag, 20. Juni 2025

Ganz aus Splittern – Danae Lake


Thienemann (27. März 2025)
Taschenbuch ,‎ 320 Seiten
ISBN: ‎ 9783522203067
Preis: 16,00 € / eBook 12,99 €
Altersempfehlung: ‎ ab 14 Jahren 

Worum geht's?

Die 16-jährige Chrissy lebt mit ihrer Mutter und ihrem gewalttätigen Stiefvater Marcel im Problemkiez” und träumt von einem besseren Leben. Mehr noch, sie tut etwas dafür, indem sie sich in der Schule anstrengt, um ein gutes Abitur zu machen. Eines Tages bietet ihr die Direktorin des Heinrich-Heine-Gymnasiums die Teilnahme an einer Studie an, die den Wechsel von Schülern aus Problemvierteln an Elitegymnasien untersucht. Chrissy lehnt zunächst ab, will kein "Sozialexperiment" sein. Doch dann eskaliert die Lage zu Hause und sie nimmt das Angebot an. Während sie sich am Elitegymnasium einlebt, Freundschaften schließt und sich verliebt, hinterfragt sie die mysteriöse Studie. Als Marcel das Geheimnis um den Schulwechsel enthüllt, nimmt das Unheil seinen Lauf ...
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

 
Eine Jugendliche, die durch ihr Umfeld keine guten Startvoraussetzungen hat und statt Geborgenheit und Gefördert-Werden Vernachlässigung und sogar häusliche Gewalt (durch ihren Stiefvater) erlebt, sich aber durch Bildung daraus zu befreien versucht, erhält die Möglichkeit, an eine „Reichenschule” zu wechseln. Sie soll – und hier kommt der Unterschied zu Geschichten, in denen sich Stipendiaten in der High Society zurechtfinden müssen, ins Spiel – Teil einer sozialen Studie werden. Mehr als diesen Aufhänger brauchte es nicht, um mich neugierig zu machen.

Ich bin kein großer Fan davon, wenn Bücher am Alter ihrer Autor*innen gemessen werden, denn „Ganz aus Splittern” ist ein gutes Beispiel, dass ein Debüt nicht „für eine erst Achtzehnjährige sehr gut” ist, sondern ganz generell ein geniales Jugendbuch. Danae Lake schreibt so eindringlich wie unterhaltsam und hat ein Gespür dafür, wie man facettenreiche Charaktere und ihre Entwicklungen zeichnet. Die Geschichte lebt dabei besonders von den Kontrasten, um die es auch im Kern geht. Die Atmosphäre des Viertels, in dem sich Chrissy wenig Chancen bieten, ist eine völlig andere als die Welt des Heinrich-Heine-Gymnasiums, und die Kluft wird deutlich vermittelt, ohne dass die Autorin mit dem Finger ständig darauf zeigt.
Jede Menge Gefühlschaos ist bei der ganzen Sache natürlich auch vorprogrammiert. 
Die Triggerwarnung ist hier ernst zu nehmen, da einem das Gelesene nahgeht, vielleicht ZU nah, wenn man damit eigene Erfahrungen hat.

Es hat mich überrascht, dass es fast ein Drittel des Buches dauert, bis Chrissy den Schulwechsel antritt, was der Klappentext ja schon verraten hat. Dennoch habe ich mich auf dem Weg dahin keine Seite lang gelangweilt. Man erfährt eben zuerst, woher sie kommt, bevor man sie dorthin begleitet, wohin sie geht. Sie, genau wie ihr bester Freund Tjard und seine Mutter und einige andere, wachsen einem ans Herz, und man hofft mit ihnen auf positive Veränderungen und Perspektiven.
 

In einem Satz:

„Ganz aus Splittern" ist ein authentisch erzähltes Jugendbuch über die so schwer erreichbare Chancengleichheit, über das Aufwachsen unter schwierigen familiären Bedingungen, über die Schlüsselrolle von Bildung und darüber, wie viel es ausmacht, Menschen zu haben, die bedingungslos zu einem stehen.

 

Donnerstag, 19. Juni 2025

Geht so – Beatriz Serrano


Eichborn (28. März 2025)
Hardcover, ‎ 240 Seiten
ISBN: ‎ 9783847902126
Preis: 22,00 € / eBook 19,99 €
Originaltitel: ‎ El descontento
übersetzt von Christiane Quandt

Worum geht's?

Marisa ist mit den Nerven am Ende. Ihr Bullshit-Job in einer Madrider Werbeagentur, in dem sie nur durch Zufall gelandet ist, langweilt sie zu Tode, und das tägliche Hamsterrad des Angestelltendaseins erträgt sie nur noch, indem sie ihre Sinne mit einer Mischung aus bizarren YouTube- Videos und Beruhigungsmitteln betäubt. Als ein Teambuilding-Wochenende ansteht, gerät Marisas Angststörung völlig außer Kontrolle. Allmählich zeigen sich Risse in ihrer sorgsam aufrechterhaltenen Fassade - und die Idee, auf den Firmenausflug diverse Drogen mitzunehmen, trägt vielleicht nicht unbedingt dazu bei, ihr Leben wieder in geordnetere Bahnen zu lenken ...
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

 
Ein bisschen hat mich dieses Buch in seiner Art an „Yellowface” erinnert, denn genau wie Rebecca F. Kuang setzt Beatriz Serrano vor allem auf schneidenden Humor und Gesellschaftskritik, die sich in ihren Beobachtungen einer Branche niederschlägt (genauer gesagt der Werbebranche, wobei Serrano aber mehr auf die Arbeitswelt als solche hinauswill, während Kuang sich mit der Literaturszene und ihren Fallstricken beschäftigt).
Dabei steht der Büroalltag der Ich-Erzählerin Marisa im Vordergrund; es gibt relativ wenig Handlung, dafür viel inneres Erleben mit sarkastischen Gedanken, ungeschönten Beobachtungen und Schilderungen ihres Umfelds. Es geht um das Maß an Ersetzbarkeit des Einzelnen in der Arbeitswelt und vielleicht überhaupt in der Welt, ums Sich-Gefangen-Fühlen und ums Versinken im immer und überall verfügbaren Content irgendwelcher Fremden, so wenig er einen auch weiterbringen mag.
Dem lobenden Zitat Elena Medels, dass der Roman „klug und urkomisch„ sei, „auch – oder gerade – weil man sich selbst darin wiedererkennt", wird er tatsächlich sehr gerecht, obwohl ich mich weniger darin wiedererkannt habe als befürchtet; dafür ist der Ton einfach zu resigniert.

Die Protagonistin hat bei mir oft wenig Sympathie ausgelöst, meist eher so etwas wie Mitgefühl oder teilweise Leidensgenossinnenschaft. Sie ist ein interessanter Charakter, weil sie in der Lebenswelt, in der sie sich bewegt, aus dem Rahmen zu fallen scheint und sich doch nicht sicher ist, ob sie das wirklich tut oder vielmehr mit allen anderen zu einer gleichförmigen Masse verschwimmt (so hat sie etwa das U-Bahn-Fahren eingestellt, weil sie Angst hatte, sich selbst mit den anderen Mitreisenden zu verwechseln, vgl. S. 71).

Marisas Tablettenkonsum, der schlussendlich auch den Betriebsausflug etwas anders verlaufen lässt als von der Chefetage geplant, hat etwas Tragikomisches an sich, das ideal zum Charakter der Geschichte passt. Der Teambuildingtrip, den ich durch den Klappentext als Hauptschauplatz vermutet hatte, nimmt dabei allerdings nur einen vergleichsweise kleinen Part im letzten Drittel des Buches ein. Gewissermaßen wird er zum Höhepunkt einer Klimax, zum Ort einer Eskalation.
Das Ende ist ... wild. Aber auch das passt hunderprozentig zur Geschichte.
 

In einem Satz:

Das Buch legt den Finger auf wunde Punkte, lässt einen schmunzeln, aber mit bedrücktem Blick. Kein Pageturner, aber thematisch sehr gut umgesetzt!