Sonntag, 7. November 2021

Die Mädchenbibel – Martina Steinkühler

Gütersloher Verlagshaus (27. September 2021)
Hardcover, 320 Seiten
ISBN: ‎ 9783579062150
Preis: 24,00 € / E-Book 17,99 €
mit Illustrationen von Angela Gstalter
ab 12 Jahren 
 

Worum geht's?

Die Bibel als Abenteuerbuch für Mädchen entdecken

Nur wenige Mädchen und Frauen kommen in der Bibel namentlich vor, oft sind sie nur die „Tochter von“, „Frau von“, „Magd von“ ohne eigenen Namen. Aber sie hatten alle Namen –
nur die Bibel schweigt davon. Die meisten Mädchen aber kommen gar nicht erst in den Blick, weder zu Wort noch zur Erwähnung. Und doch müssen sie dagewesen und dabei gewesen sein, immer und überall und mittendrin. Sie haben die Jungen und die Männer gekannt, von denen die Bibel erzählt. Sie haben sie geliebt und bewundert, gefürchtet und gehasst. Sie haben sich ihren Teil gedacht. Sie haben mitgemacht, beraten, getröstet, gestärkt. Recht und Unrecht getan, Recht und Unrecht verhindert. Schaden angerichtet und Schaden wiedergutgemacht. Herz und Seele gegeben, gezweifelt, geglaubt. An Götter, an das Gute, an Gott.

Es wird Zeit, die Bibel aus ihrer Sicht zu erzählen. Es werden die vertrauten Erzählungen sein, und doch anders. Mehr privat als öffentlich – so wie es der Rolle der Mädchen entsprach in biblischer Zeit; und immer wird es um Beziehungen gehen, zwischen den Menschen und zwischen Gott und Mensch. Denn so entspricht es uns, Mädchen und Frauen zu aller Zeit.

(Original-Klappentext)

Wie es mir gefallen hat:

Schon beim ersten Blick auf dieses Buch war meine Neugier geweckt. Was für eine schöne Idee, den Frauen und Mädchen der Bibel eine Bibel zur Bibel zu widmen, die sich ganz auf ihre Perspektiven fokussiert! 

Das Buch ist sehr wertig aufgemacht, erstrahlt in fröhlichem Gelb mit passendem Lesebändchen und enthält zumindest einige wenige farbige Innenillustrationen von Angela Gstalter (davon hätten es gern noch mehr sein dürfen, aber das war am Ende bestimmt auch eine Kosten- und Platzfrage).
Die Texte sind luftig gesetzt und von vielen Zwischenüberschriften geteilt, sodass das Lesen angenehm ist.

In 14 Kapiteln werden nach einer kleinen Einleitung verschiedene Bibelgeschichten aus Frauensicht erzählt. Einen Schwerpunkt bilden hierbei alttestamentliche Erzählungen, die gegen Ende durch vier Kapitel zu den Evangelien ergänzt werden.
Zu Wort kommen namentlich bekannte Frauenfiguren wie Mirjam und Michal; daneben gibt Martina Steinkühler vor allem Beobachterinnen wie z. B. Mägden eine Stimme. 
In einem gut lesbaren, ganz eigenen Stil berichten die jungen Frauen von Begebenheiten und Gesprächen, Begegnungen und ihren Gedanken.

Nicht ganz einfach ist für mich die Frage, wie viel Fiktion ist (und sein darf) und wie viel sich an konkreten Bibelstellen orientiert. Auch wenn grobe Angaben zum Fundort in der Männerversion" gemacht werden, fehlen die genauen Informationen darüber, was ich etwas schade finde. So verschwimmen Vorlage und Fantasie nicht immer klar nachvollziehbar.
Um die Inhalte voll und ganz einordnen zu können, braucht man meiner Einschätzung nach zudem recht gute Bibelkenntnisse. Während einzelne Fakten und Dinge am Rand erklärt werden (z. B. was Mägde und Knechte waren, und inhaltliche Verweise auf Geschichten und Personen), gibt es keine einleitenden oder abschließenden Worte; die Erzähltexte stehen für sich allein. 
Für Gruppen, Schülerinnen etc. kann man aus dieser Bibel tolles Material gewinnen – unsicher bin ich mir nur, ob Mädchen, die sie für sich selbst geschenkt bekommen oder kaufen, nicht vom Anspruch der Texte und der Art der Wissensvermittlung überfordert sein könnten, insbesondere, wenn sie sich in der Welt der Bibel noch nicht so gut auskennen.
Unabhängig davon ermöglicht das Buch auch Erwachsenen spannende neue Blickwinkel, die zum Nachdenken und Diskutieren einladen.

In einem Satz:

„Die Mädchenbibel" hat ein wirklich tolles Konzept, ist aber für Mädchen, die noch kein oder kaum fundiertes Vorwissen über die behandelten Bibelgeschichten haben, viel anspruchsvoller und schwieriger zu verstehen als erwartet.


Samstag, 6. November 2021

Stayonfire – Thaddäus Schindler

    Brunnen (5. Februar 2020)
Taschenbuch mit Flexcover,‎ 208 Seiten
ISBN: ‎ 9783765507366
Preis: 15 € / E-Book 12,99 €

Worum geht's?

Ein Feuer für Jesus zeigt sich weniger in einem Gefühl als vielmehr in der Entscheidung weiterzugehen, wenn die Euphorie einmal ausbleibt.

Thaddäus Schindler hat es selbst erfahren: Gott ist real. Und er liebt es, mit uns zusammen das Unmögliche zu tun. Wenn wir uns von seinem Feuer anstecken lassen, können wir echte Abenteuer mit ihm erleben. Nicht nur beim großen Event, sondern mitten in unserem Alltag.
Mit knackigen Wahrheiten und persönlichen Geschichten ermutigt der junge Blogger den Leser zu einem authentischen Leben im Glauben. Er weiß, wie man Durststrecken übersteht. Und dass Gottes Liebe alles verändern kann.
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:   

Zuerst war ich ein bisschen unsicher, in welche Richtung das Buch gehen würde, denn die Entstehung und Entwicklung von STAYONFIRE erschienen mir eher für diejenigen interessant, die die Plattform schon (länger) kennen. Dann aber hat mich die Art, wie Thaddäus Schindler Glaubensthemen damit und mit weiteren Erfahrungen aus seinem Leben verbindet, schnell gepackt. Der Autor redet neben all dem Positiven auch offen über seine persönlichen Baustellen, Ängste und Defizite, und das macht ihn glaubhaft und sympathisch.
 
Die Gestaltung ist außen wie innen sehr gelungen. Das Flexcover ist praktisch und nicht so empfindlich, die Zweifarbigkeit im Innenteil wurde für schöne Zitatseiten, Überschriften und Hervorhebungen genutzt, und es gibt tolle ganzseitige Bildmotive in Schwarzweiß.
 
Inhaltlich ist es ein Buch voller Ermutigung, das unter anderem thematisiert, wie Gott auch heute noch auf unerwartete Weise Menschen für sich gewinnt; warum er nicht nur ein Ergebnis, sondern vor allem den Weg dorthin liebt; inwiefern die richtige Richtung im Leben das Wichtigste ist und wie Gott uns Menschen in unserem Menschsein begegnet. Es geht um Gewohnheiten und Zugänge zum Glauben, ums Stärke-Zeigen durch Schwäche, ums beharrliche Dranbleiben im Gebet und an der Beziehung zu Gott überhaupt. Dabei bedient Thaddäus Schindler sich keiner Floskeln oder Wohlfühlsprüche, sondern geht den Dingen auf den Grund und hat mich mit der einen oder anderen Betrachtungsweise einiges ganz neu durchdenken lassen.
Am Ende jedes Kapitels werden die „Keypoints" auf einen Blick erfassbar in prägnanten Worten zusammengefasst, was sehr hilfreich ist, um sich die Erkenntnisse noch einmal gesammelt zu vergegenwärtigen. 
 

In einem Satz:

„STAYONFIRE" ist ein wirklich wertvolles, bewegendes und begeisterndes Buch zu Glaubensbasics, die einfach immer wieder zu schnell in Vergessenheit geraten.
 

Freitag, 5. November 2021

The Dating Game – Kathy Tailor


Moon Notes / Oetinger (8. Oktober 2021)

Broschiert,
336 Seiten

ISBN: ‎
9783969760086

Preis: 15 € / E-Book 9,99 €

Worum geht's?

Tilda hätte nie gedacht, dass sie mal in einer TV-Dating-Show landen würde – aber was tut man nicht alles für seine Zwillingsschwester? Und immerhin entlastet sie Maxime damit, sodass die sich endlich auf ihr Studium konzentriert. Außerdem klingt es alles andere als schlecht, ihrer WG für eine Weile zu entfliehen, denn seit Tilda und ihr Mitbewohner Nick sich näher gekommen sind, tut er so, als wäre nie etwas gewesen, und das zermürbt sie langsam ziemlich.
Also reist Tilda nach Portugal um Maxime abzulösen und Junggeselle Florian für sie zu erobern. Ob das gut gehen kann?

(eigene Zusammenfassung)

Wie es mir gefallen hat:

 
Dieses Buch war für mich die perfekte Lektüre, um mit ein paar Portugal-Sommer-Vibes den voranschreitenden Herbst zu genießen!
 
Obwohl man am Anfang (sofern man den Klappentext gelesen hat) bereits weiß, was auf Tilda zukommt, startet die Geschichte unterhaltsam, und die ersten tiefgründigeren Themen, insbesondere bezüglich der Schwesternbeziehung und Tildas Lebensplan, zeichnen sich ab. Generell, auch im weiteren Verlauf, ist es der Autorin sehr gut gelungen, ihren Text kurzweilig, humorvoll, romantisch und bei alldem absolut nicht seicht werden zu lassen.

Neben Tilda überzeugen besonders deren beste Freundin Sophie, Kandidatin Violetta-Constanze und Kameramann Ben als interessante Charaktere. Maxime kann man als etwas anstrengend empfinden, genau das passt aber super zur Prämisse des Buchs, und so viele direkte Auftritte hat sie am Ende gar nicht (etwas unklar ist mir auch nach dem Lesen noch, was sie gehofft/gedacht hatte, was passieren würde).
Florian blieb für mich etwas blass, was allerdings auch den Umständen geschuldet ist. Momente, ihn privat kennenzulernen, gibt es durch die Show eher wenige. 

Immer wieder ergeben sich neue Herausforderungen und potenzielle Fettnäpfchenmomente für Tilda und man fiebert konstakt mit ihr mit. Da sie so organisiert und vernünftig ist, hat es mich etwas irritiert, wie kopflos sie in die Show hineinstolpert, einiges nicht hinterfragt und wie wenig vorsichtig sie teilweise ist, doch das brauchte es auf der anderen Seite, damit alles unvorhersehbarer und turbulenter wird (und das wird es wirklich!). Auch, wie die Show ausgehen würde, war bis zum Schluss ungewiss.
Auch eine zentrale Liebesgeschichte bahnt sich an, übertüncht aber nicht den Fokus auf Tildas persönliche Entwicklung, sondern stützt diese sogar enorm.

Das Ende war für mich überraschend, glaubhaft und perfekt ausbalanciert zwischen Drama, Ernsthaftigkeit und Romantik.

In einem Satz:

„The Dating Game" ist ein Roman, der wirklich Spaß macht, und über den reinen Unterhaltungswert hinaus auch einige tiefgehendere Fragen und Themen mitbringt.

Samstag, 30. Oktober 2021

Generation Z – Valentina Vapaux

Zwischen Selbstverwirklichung, Insta-Einsamkeit
und der Hoffnung auf eine bessere Welt

GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH (5. Oktober 2021)
Taschenbuch, ‏ 192Seiten
ISBN: ‎ 9783833878763 
Preis: 14,99 € / E-Book 11,99 € 
 

Worum geht's?

Scrollen ist so einfach, leben viel zu schwer.
 
Von Glitzerpartys erzählen und einen Podcast über Politik machen Valentina Vapaux kann genau das: sich über ganz unterschiedliche Themen fundiert äußern. Sie kennt die Welt der Influencer. Und schreibt klug über den Generationenkonflikt und die Frage nach dem Sinn des Lebens. Zugleich fordert sie mit ihren gesellschaftspolitischen Analysen die Rechte ihrer Generation ein. Berührend sind ihre poetisch-melancholischen Texte über die Liebe und die Abgründe der Gefühle.
 
Ein Buch von verblüffender Vielfalt, mitreißend geschrieben, kenntnisreich und inspirierend.
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

Ein bisschen macht dieses Buch den Eindruck auf mich, als habe der Verlag es aus Pflichtgefühl veröffentlicht. Der U4-Text wirkt lobend-distanziert; unwillkürlich habe ich mich gefragt, ob die Autorin das Projekt auch ohne ihre Reichweite (die mir zunächst gar nicht bewusst war, da ich ihren Namen noch nie gehört hatte) hätte verwirklichen können.
Doch so oder so, in meinen Augen hat sie die Chance im Großen und Ganzen gut genutzt.
 
In fünf thematischen Oberkategorien (Internet, Influencer:innen, Sex und Liebe, Politik und Aktivismus, Freiheit und Sinn) hat Valentina Vapaux Verschiedenes zusammengetragen: Ketten in poetische Worte fasster Momentaufnahmen persönlicher Erfahrungen, Beobachtungen, wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie argumentiert meist nachvollziehbar, und ihre kluge, selbstkritische Art hat mir gefallen. Immer, wenn ich an einer Stelle dachte Ist das ihr Ernst?", hinterfragte sie genau das im nächsten Atemzug.
Dennoch merkt man, dass ihr hier und da eine gewisse Objektivität fehlt und sie die Texte doch als Podium der Selbstdarstellung mitnutzt. Während sie deutlich aufzeigt, wie sehr sie ein Kind ihrer Zeit ist, wird oft außen vor gelassen, dass nicht alle jungen Menschen gleich sind. Selbst, wenn sie einen Großteil mit ihren Beschreibungen treffen sollte, vermittelt sie gewissermaßen das Bild, Drogen wären im Leben eines jeden zentral und z. B. das Thema Glaube offiziell überholt.
Gerade das letzte Kapitel konzentriert sich sehr auf ihre persönliche Prägung und verschenkt das Potenzial, die Sinnsuche der Generation Z genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das Buch macht nachdenklich, es bündelt gut beobachtete Fakten mitsamt passender Belege und deckt trotz des geringeren Umfangs eine große Bandbreite an inhaltlichen Aspekten ab. Valentina Vapaux schreibt unterhaltsam, souverän, wortspielerisch und pointiert. Gefehlt hat mir der Blick für den „weiteren Horizont" und in dem Zusammenhang die wirkliche Diversität der Generation Z.
 

In einem Satz:

„Generation Z" ist ein Kaleidoskop aus Einblicken – in verschiedene Lebensbereiche, von Trends bis hin zu den existenziellen Fragen, in die Gedankenwelt der Autorin; es liefert viel Stoff zum Nachdenken, bleibt aber in manchen Punkten zu einseitig.

Samstag, 16. Oktober 2021

Leuchttage 2021 – Anne Weigel, Sophia Frey & Christina Brudereck


Adeo (11. Mai 2021)

Kalender mit Spiralbindung,
48 Seiten 

ISBN: ‎
9783863343026

Preis: 18,00 €

Blick ins Innere

Worum geht's?

Mit viel Liebe und Leidenschaft sammelt Illustratorin Anne Weigel rund ums Jahr Ideen für die Vorweihnachtszeit vom 1. Advent bis zum Dreikönigstag.
Jedes Kalenderblatt bietet eine Überraschung, eine Idee, einen Moment der Stille oder eine lustige Anekdote rund um das Thema Weihnachten in aller Welt. Bräuche aus anderen Ländern werden ebenso geschmackvoll verpackt wie internationale Weihnachtsleckereien oder besinnliche Impulse.
Ein Muss für Freunde einer nicht alltäglichen Vorweihnachtszeit.
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

Da man am Ende am Jahresende ja, zumindest außerhalb der Feier- und Urlaubstage, normalerweise nicht mehr Zeit zur Verfügung hat als sonst auch und ich mit zusätzlicher Adventskalenderlektüre bislang nie so weit gekommen bin, ist dieser Kalender ideal für mich.
Vom 1. Advent bis zum 6. Januar gibt es jeden Tag eine schön gestaltete Seite, ohne viel Drumherum, mit höchstens ein paar Zeilen Text und ohne Rückseite. Perfekt, um einen kurzen Moment lang innezuhalten und sich inspirieren zu lassen. Wer anregende Geschichten oder tiefgründige, ausführlichere Reflexionsimpulse sucht, sollte jedoch vielleicht lieber zu einem Kalender mit anderem Konzept greifen.
 
Der Stil (der ja, auch ohne dass man sich spoilern muss, schon durch das Deckblatt ersichtlich wird) ist natürlich Geschmackssache, mir persönlich gefällt er sehr gut. Er ist modern und stimmungsvoll. Im Innenteil wechselt er sich mit Fotomotiven ab.
Inhaltlich findet man hier eine bunte Mischung von Gedichten, Sinnsprüchen, Fragen, Fakten, was zum Ausmalen, kleinen Bastelideen, Rezepten und auch mal einem ganzseitigen Foto mit einzelnem Schlagwort. Man merkt, dass die Urheberinnen (die am Ende auch kurz mit Bild vorgestellt werden) sich bemüht haben, alles aufeinander abzustimmen sowie möglichst vielseitig und für jeden interessant zu gestalten. Auch wenn man sicher nicht jedes Rezept oder jede kleine Aktion umsetzen wird, ist es eine tolle Zusammenstellung. Ein bisschen schade ist höchstens, dass er teils wiederverwendbar wäre, einige Seiten aber nach der Bearbeitung eben doch nicht mehr fürs nächste Jahr taugen (aber dafür gibt es ihn ja auch bereits seit 2018 jährlich, wie ich gesehen habe).
 

In einem Satz:

„Leuchttage" ist ein liebevoll gestalteter Begleiter durch die Vorweihnachts- und Weihnachtszeit sowie den Jahreswechsel und schenkt jeden Tag eine kleine Portion Inspiration und Besinnlichkeit.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Das Tagebuch der Jenna Blue – Julia Adrian


Drachenmond Verlag GmbH (18. August 2021)

Taschenbuch, ‎ 280 Seiten
ISBN: ‎ 9783959913058 
Preis: 14,99 € / E-Book: 5,99 €

Worum geht's?

Ich denke darüber nach, meine Schwester zu töten. Ein gespanntes Nylonseil an der Treppe. Eine gelockerte Schindel. Es gibt so viele Arten, den Halt zu verlieren und gleichsam das Leben.

Jenna und Scarlett sind Schwestern – und Feinde bis aufs Blut. Zwischen ihnen entbrennt ein Kampf um Macht und die Wahrheit. Was geschah wirklich, damals vor zehn Jahren, als ihre Mutter am helllichten Tag und ohne eine Spur verschwand? Jenna kämpft gegen das Vergessen und das Schweigen in ihrem eigenen Haus. Doch wenn sie sich selbst schon nicht trauen kann, wem dann?
 
(Original-Klappentext)

Wie es mir gefallen hat:

Schon seit dem Lesen der „Dreizehnten Fee" wusste ich, dass Julia Adrian eine besondere Erzählerin ist und besondere Erzählstimmen erschafft. Und genau das sehe ich auch bei ihrem neusten Werk wieder bestätigt. Genauso einzigartig wie die detailverliebte, stimmungsvolle Innengestaltung ist auch die Geschichte, die bekannte Stoffe und Motive in ein viel weniger vertrautes Gewand hüllt. Die Tagebucheinträge und ebenfalls aus der Ich-Perspektive erzählten Kapitel ergeben ein schönes Zusammenspiel und man kann ausgiebig über die Verbindungen dazwischen rätseln.
 
„Das Tagebuch der Jenna Blue" konnte ich trotz und vielleicht auch mit wegen der konfliktgeladenen Handlung nicht so schnell weglesen, weil die Sprache, die Atmosphäre und die Plotentwicklungen so dicht sind und wie statisch aufgeladen. Die ganze Zeit habe ich zwischen den Zeilen alle möglichen mitschwingenden Nuancen gespürt und einzuordnen versucht. Der Sprachstil scheint seine ganz eigene Melodie zu haben und wird oft spielerisch. Es fällt mir schwer, das Besondere daran zu benennen, aber die Sprache fühlt sich irgendwie an wie das Aufziehen von Sommergewitterwolken.
 
Die Genre-Zuordnung als Jugendthriller finde ich ein wenig irreführend. Ich habe das Buch eher als düster-geheimnisvolles Drama empfunden, als Spannungsmärchen, aber nicht als atemlos machenden Pageturner, sondern vielmehr eine Geschichte, die ihren Sog eher untergründig, in dunkler Tiefe entfaltet. 
 
Dieser Roman ist alles andere als eine Feelgood-Lektüre, das Ende hinterlässt garantiert kein Glücksgefühl im Bauch, aber gerade das ist erfrischend. Man bekommt es mit einer äußerst raffinierten Twist zu tun, über den ich immer noch nicht ganz hinweg bin. Hut ab dafür! 
 

In einem Satz:

„Das Tagebuch der Jenna Blue" beschert ein intensives, am Schluss sehr ins Grübeln bringendes Leseerlebnis, ist düster, atmosphärisch und auf bedrohlich-ruhige Weise packend.
 

Sonntag, 29. August 2021

Dein Dreimaleins für die Seele – Andreas Grunau


verdeckte Spiralbindung mit Gummiband,
160 dreigeteilte Seiten
adeo (26. März 2021) 
ISBN: 9783863342746
Preis: 20,00 € 
Format: 17 x 3,2 x 21,7 cm

Worum geht's?

Ein täglicher Begleiter für mehr innere Ruhe und positive Ausrichtung mit dem ganz besonderen Flip: Beim „Dreimaleins für die Seele“ sind alle Buchseiten noch einmal in drei Teile unterteilt, die du jeweils unabhängig voneinander intuitiv aufschlagen kannst. So entstehen über 200.000 immer neue Zusammenstellungen aus einer Zusage, einer praktischen Übung zur Vertiefung und einer Inspiration für den Tag. Mit Themen wie Achtsamkeit, Dankbarkeit, Selbstannahme, Mut, Lebensfreude und Gelassenheit verhelfen sie zu einem guten Start in den Tag mit vielen positiven Gedanken – ein ganzheitlicher „Booster“ für dein Seelenleben, der alle Sinne anspricht! Und die praktische Anwendung hilft dabei, all das mit in den Tag zu nehmen und sich stärken und leiten zu lassen. Folge ganz einfach deiner Intuition und lass dich überraschen!
 
(Text des Verlags)

 

Wie es mir gefallen hat:

Wie der Autor selbst in seinem Vorwort schreibt, gibt es unzählige Bücher in diesem Bereich – doch dieses hat einen ganz besonderen Wow-Effekt: Durch die Dreiteilung der Seiten kommen immer wieder neue Kombinationen an Inhalten zusammen, die in die ganz individuelle Situation des Lesenden hineinsprechen können.
 
Im oberen Teil steht jeweils ein ermutigender Satz, eine Aussage, über die es sich näher nachzudenken lohnt und die man mitnehmen kann, um sich daran auszurichten.
In der Mitte wird es praktisch, in Form von Vorschlägen, wie etwas umgesetzt oder erprobt werden kann. Hier und da findet sich auch ein QR-Code, hinter dem sich ein Lied oder eine geführte Mediation verbirgt.
Unten folgt zu guter Letzt eine Art positiver Vorsatz, was man sich für heute vornimmt, in Erwartung einer neuen Erfahrung, die die jeweilige Inhaltskombination mit einer persönlichen Nuance abrunden soll.
 
Vor den Impulsen gibt es noch ein Stichwortverzeichnis sowie einen Mood-Finder – zwei Werkzeuge, mit denen man gezielt nach einem auf die aktuelle Situation und Gemütslage zugeschnittenen Dreiklang" suchen kann.
Die geteilten Seiten haben zudem eine Paginierung, sodass man die ursprünglich als Einheit verfassten Kombinationen rekonstruieren kann. Daneben ist aber natürlich gerade das Zufallsprinzip das Reizvolle an dem Konzept.

Das Buch ist wirklich praktisch zu handhaben. Als kleiner Ringordner mit Gummiband und stabilerem Papier macht es einen hochwertigen Eindruck und signalisiert, dass es sich um persönliches Arbeitsmaterial handelt, das für den langfristigen Gebrauch bestimmt ist. Die layouttechnische Gestaltung ist stimmig und unaufdringlich (auch wenn ich persönlich die Farbzusammenstellung nicht so sehr mag). 

Die Inhalte habe ich als durchwachsen empfunden. Mir gefallen das Überraschungsmoment und besonders die positiven Bestärkungssätze im oberen Seitenteil; wo es ans Praktische geht, erscheint mir manches zu vermixt und fast schon einheitsbreimeditativ bzw. trendachtsam. Auch erweist sich der Spagat, mit dem Buch ein christliches, zugleich aber auch allgemein irgendwie spirituell interessiertes Publikum anzusprechen, als schwierig und führt gewissermaßen zu einem Weder-Noch.

 

In einem Satz:

„Dein Dreimaleins für die Seele" ist ein im wahrsten Sinne des Wortes vielfältiger Impulsgeber, der auf einer tollen Grundidee basiert und viel Wertvolles enthält, manchmal aber auch in eine klischeehafte Wohlfühlmentalität und -spiritualität abrutscht.