Sonntag, 13. Mai 2018

Das Motel der vergessenen Träume - Katie Ganshert

Taschenbuch, 382 Seiten
Verlag: Francke (1. Februar 2018)
ISBN: 9783868277098
Preis: 14,95 €
Originaltitel: The Art of Losing Yourself

Worum geht's?


Carmen Hart ist perfekt: eine allseits beliebte Wetterfee aus dem TV, eine Frau in ihren besten Jahren und verheiratet mit Ben, dem umschwärmten Highschooltrainer. Doch in ihrem Inneren sieht es ganz anders aus. Carmens unerfüllter Kinderwunsch setzt ihr schwer zu, ihre Ehe hat alle Vertrautheit und Nähe eingebüßt, ihr Leben ist in eine Sackgasse gelaufen. Und nun muss sie sich auch noch mit der Sorge um das alte Motel herumschlagen, das für sie alles verkörpert, was sie verloren hat.
Außerdem ist da noch Gracie, ihre siebzehnjährige Halbschwester, die völlig unerwartet in ihr Leben platzt und für Schwierigkeiten sorgt. Auch für sie ist das Motel mit besonderen Erinnerungen verbunden.
Stück für Stück beginnen die beiden jungen Frauen, die Bruchteile wieder zusammenzusetzen - die des Motels und die ihrer vergessenen Träume ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Der christliche Romanmarkt wird hauptsächlich von bereits etablierten Namen bestimmt, die auch immer wieder tolle Bücher abliefern, darunter z.B. Julie Klassen, Denise Hunter oder Lisa Wingate (die inzwischen im säkularen Bereich Fuß fasst). Ab und zu wird dann aber auch die Übersetzung eines „Neulings" gewagt. So konnte mich 2016 bspw. Kate Breslin mit „Eine Feder für den Lord" absolut überzeugen. „Das Motel der vergessenen Träume" hat mich also aus dem Grund angesprochen, dass Katie Ganshert eine hier noch unbekannte Autorin ist, daneben aber auch wegen des verträumten Covers, den beiden Ich-Perspektiven (das hatte ich im christlichen Bereich bisher noch nie!) und der Tatsache, dass es ein Gegenwartsroman ist (es gibt ja in dieser Sparte sehr viel Historisches).
 

Wie es mir gefallen hat:


Als Leser ist man eigentlich ein Schatzsucher - und bei „Das Motel der vergessenen Träume" stößt man auf eine Truhe voller Gold.

Mit Carmen und Gracie wird die Geschichte von zwei starken Persönlichkeiten geschildert, die jeweils ihren ganz eigenen Erzählton haben.
Obwohl ich selbst mich in keiner der Lebenssituationen der beiden direkt wiederfinden konnte, hat es sich angefühlt, als wäre ich dabei, als wären ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen meine. Die Autorin versteht es, die Charaktere gerade durch ihre Schwächen für die Leser nahbar zu machen.

Auch die Nebenfiguren - wie z.B. Carmens Mann Ben oder ihre demente Tante Ingrid, deren Lebenswerk das Motel ist, sind liebevoll ausgestaltet und tragen zu einem runden Gesamtbild bei.
Katie Ganshert hat das Talent, viele kleine Details einzubinden, die einem das Gefühl geben, alle schon lange zu kennen, und auch an den Schauplätzen schon oft selbst gewesen zu sein.

Gut gefallen hat mir auch die Mischung aus dramatischen, gefühlvollen, verzweifelten und humorvollen bis tragikomischen Momenten. Die ganze Breite an Emotionen ist vertreten.
Die Geschichte geht nah, und das liegt nicht zuletzt daran, dass die Autorin ihren Charakteren nichts erspart. Die Dinge wenden sich nicht auf unglaubwürdige Weise plötzlich zum Guten, niemand wird durch ein Gebet plötzlich von allen Problemen befreit. Es ist ein langsamer, mitunter schmerzvoller Prozess, den Carmen und Gracie durchleben müssen, aber er macht sie stärker.
Das Einzige, was mir etwas zu konstruiert vorgekommen ist, ist der Spannungshöhepunkt gegen Ende, weil dort einige recht unwahrscheinliche Dinge zusammenkommen. Doch auch das kommt im echten Leben ja bisweilen vor.

Erfrischend finde ich auch, wie das Thema Glaube Eingang in die Geschichte findet. Carmen ist schon lange Christin, doch tiefe Zweifel haben ihr Herz erfüllt. Gracie kann nach einer schwierigen Vorgeschichte mit ihrer Mutter, einer Trinkerin, die mit ihrem Glauben alles andere als ein Vorbild für sie gewesen ist, nicht wirklich etwas mit diesem Jesus anfangen.
Keine von beiden wird plötzlich durch ein einschneidendes Erlebnis erleuchtet, für keine beantworten sich all die großen Fragen. Das Buch trifft keine aufzwingenden Aussagen, pachtet die Wahrheit nicht für sich. Und doch macht es Mut, sich damit auseinanderzusetzen, was Glaube bedeutet - auch denjenigen, die vielleicht denken, damit nichts anfangen zu können.

(Für wen) Lohnt es sich?


Wer gern  Gegenwartsliteratur liest, in der die Themen Familie, Selbstfindung und Lebensträume eine große Rolle spielen, ist bei diesem Buch genau richtig.
Dadurch, dass es zwei Protagonistinnen aus unterschiedlichen Generationen gibt (und auch darüber hinaus Nebenfiguren verschiedenen Alters) schafft das Buch einen Spagat zwischen den Zielgruppen und ist somit fast schon ein All-Age-Frauenroman.

In einem Satz:


Warmherzig, modern und ohne jeden moralischen Zeigefinger - „Das Motel der vergessenen Träume" ist ein Roman mitten aus dem Leben, der sich nicht nur an ein christliches Publikum wendet.

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an den Verlag!

Dienstag, 1. Mai 2018

Palace of Glass - C. E. Bernard

Rezension zu "Palace of Glass - Die Wächterin"
von C. E. Bernard

Broschiert, 416 Seiten
Penhaligon Verlag (19. März 2018)
ISBN: 9783764531959
Preis: 14,00 €
Originaltitel: Touch That Fire (Rea 1)
Band 1 von 3

Worum geht's?


„Ich habe ein Märchenschloss gefunden. Und in dem Märchenschloss wohnt sogar ein Prinz. Zu schade, dass er mich hinrichten lassen würde, wenn er wüsste, was ich bin." (S. 184)

Reas Leben war noch nie einfach, aber als sie aus ihrem Alltag als Schneiderin bei Tag und Straßenkämpferin bei Nacht geradewegs an den könglichen Hof von England geholt wird, steht es völlig Kopf. Das Leben des Kronprinzen ist in Gefahr, und sie soll ihn - inkognito in der Rolle seiner Geliebten - als Leibwächterin schützen.
Nie zuvor war Reas größtes Geheimnis so bedroht: Denn in einer Welt, in der Berührungen verboten sind, ist es fatal und endet schnell tödlich, zu sein, was sie ist: Eine Magdalena, abhängig davon, Haut und Geist anderer zu berühren ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Die Idee mit den verbotenen Berührungen hat mich im ersten Moment ein wenig an eine meiner Lieblingreihen erinnert („Shatter Me" bzw. „Ich fürchte mich nicht" von Tahereh Mafi). Ich war gespannt auf die Hintergrundwelt und vor allem auf die Verwicklungen rund um den Königshof und Reas neue Aufgabe. Man gebe mir ein cooles Setting, etwas Drama und eine Lovestory und ich bin glücklich!
 

Wie es mir gefallen hat:


Dieses Buch ist für mich ein absoluter "Bleibt im Regal"-Fall. Es hat mich ausgesprochen gut unterhalten und nahezu in sich hineingesogen. Ich freue mich schon darauf, dass es bald mit Band 2 weitergeht!

Mir gefällt das Setting und das Konzept rund um die Magdalenen sehr. Die Hintergrundwelt wird nicht zu ausschweifend erklärt, aber sehr atmosphärisch gestaltet. Die Stimmung ist tendenziell düster-bedrohlich, und gleichzeitig hat alles ein edles, extravagantes Flair.
Kampfszenen, romantische Szenen, dramatische Szenen - von allem ist etwas dabei, und die Mischung macht's.

Rea ist eine nicht ganz einfache Protagonistin, und in Bezug auf sie bin ich ein wenig zwiegespalten. Obwohl sie es nun wirklich nie leicht gehabt hat, hatte ich manchmal das Gefühl, dass ihr im Laufe der Geschichte etwas zu viel zufliegt. Dass sie bei den männlichen Charakteren so ausnehmend gut ankommt, war für mich nicht hundertprozentig glaubwürdig, und an manchen Stellen hätte sie vielleicht etwas mehr hinterfragen sollen/müssen.
Dafür haben es mir der Kronprinz und auch einige der Nebencharaktere wie Reas Bruder Liam angetan.

Zum Ende hin wird es teils etwas abstrakt, wenn es darum geht, in den Geist anderer einzutauchen, aber diese Passagen sind überzeugend umgesetzt worden. Auch kommt es zu einer unerwarteten Auflösung, die es in sich hat. Der allerletzte Abschnitt des Buches war mir persönlich dann etwas zu pathetisch, aber das ist wohl Geschmacksache.

Insgesamt ist „Palace of Glass" eines dieser Bücher, bei denen ich dankbar bin, dass die Autorin die Geschichte mit der Welt teilen wollte. Mir wäre sonst etwas entgangen.

(Für wen) Lohnt es sich?


Romantasy-Fans aufgepasst - dieses Buch ist auf jeden Fall was für euch!
Im Großen und Ganzen könnte man es durchaus auch in die YA-Sparte einordnen, sodass ich es ab 14 Jahren empfehlen würde.

In einem Satz:


„Palace of Glass" ist schillernd, actionreich, romantisch und macht definitiv Lust auf mehr.

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag!

Freitag, 20. April 2018

Leipziger Buchmesse 2018

Diesmal ungefähr einen Monat verspätet kommen hier ein paar Eindrücke von unseren diesjährigen Messetagen in Leipzig.
Es war wie immer sehr sehr schön und es gab viel zu sehen und zu erleben. Ich denke, die Bilder sprechen da für sich :)
Nur unsere Unterkunft ließ ein bisschen zu wünschen übrig - und der Schnee hätte jetzt wirklich auch nicht unbedingt sein müssen, aber man kann eben nicht alles haben.


Donnerstag, 15.03.18


Lesung mit Ella Blix (Antje Wagner & Tanja Witte) zu "Der Schein"


Bekanntgabe der DELIA-Shortlist: Meine liebe Autorenkollegin Angela Kirchner
hat es mit "Viel näher als zu nah" unter die Top 5 im Jugendbuch geschafft! :)
Am späten Nachmittag waren noch drei interessante Fachveranstaltungen: zum Berufseinstieg in die Buchbranche, zum Schriftstellersein und zur Zukunft des Kinder- und Jugendbuchmarktes in Deutschland.
Miri hatte sich an diesem Nachmittag übrigens für einen Museumsbesuch abgesetzt.





Freitag, 16.03.18


Am Freitag war Zeit für ausgiebiges Stöbern, unter anderem in den Messebuchhandlungen. Es gab eine Veranstaltung zu Berufsbildern in der Verlagsbranche und abends noch eine zu Volontariaten.
Davon abgesehen standen vor allem Lesungen auf dem Programm - hier drei davon:

Lesung zu "Wie die Sonne in der Nacht" mit Antje Babendererde
Lesung zu "Dreamkeeper" mit Joyce Winter

Lesung zu "Unicorn Rise - Kristallflame" mit Claudia Romes

Samstag, 17.03.18


 
Am Samstag war es wie gewohnt extrem schwierig, mit dem Nahverkehr zur Messe zu kommen, aber
wir haben es noch rechtzeitig zum wieder atemberaubend toll organisierten Bloggerempfang von Carlsen und Thienemann geschafft.
Highlights waren die Kurzinterviews mit den Autoren (Clara Benedict, die sogar für uns gesungen hat!, Laura Kneidl, Rainer Wekwerth & Thariot sowie Tamara Bach), Überraschungsgast Emily Bold und die Vorstellungen des kommenden Programms.
Ein großes Dankeschön an die Verlage!




Weitere gelungene Programmpunkte des Tages:

Meet & Greet von Vorablesen mit Catharina Junk und Lesung zu ihrem Buch "Bis zum Himmel und zurück"

Lesung zu "Ein Bild von Lydia" mit Lukas Hartmann
Siegerehrung des digi:talents Schreibwettbewerbs Romantasy
Siegerin: Tamara Schmid mit ihrer Dystopie "Zentolia - Glasglanz"

Sonntag sind wir dann mit einem überraschend pünktlichen Fernbus gut wieder nach Hause gekommen, viele schöne Erinnerungen im Gepäck :)
Die FBM kann kommen!

Donnerstag, 12. April 2018

Kampf um Demora 1 - Erin Beaty

Rezension zu „Vertrauen und Verrat" von Erin Beaty

Hardcover, 496 Seiten
Carlsen (21. März 2018)
ISBN: 9783551583833
Preis: 19,99 €
Originaltitel: The Traitor's Kiss
Band 1 von 3

Worum geht's?


Seit dem Tod ihres Vaters ist Sage das Mündel eines Lords, der ganz andere Pläne für ihr Leben hat als sie selbst. Als ihr Darnessa, die Kupplerin, die ihr in seinem Auftrag einen reichen Mann beschaffen soll, einen Ausweg bietet, ergreift Sage die Chance.
Schon bald findet sie sich auf einer abenteuerlichen Reise durch das Königreich wieder, während der sie die zukünftigen Bräute auf dem Weg zum Concordium, einer großen Verkupplungsveranstaltung, im Auge behalten soll. Doch die Aufgabe erweist sich als gar nicht so einfach - ganz besonders wegen der Soldaten, die die Gruppe begleiten und durch die Sage mehr und mehr in die Wirren einer großen Verschwörung hineingerät. Unter ihnen ist einer, der Sages Herz schneller schlagen lässt - doch kann sie ihm trauen?

Was mich neugierig gemacht hat:


Kupplerinnen, die die Söhne und Töchter des Königreiches zueinanderbringen, ein atemberaubend pompöser Ball, viele Konflikte und eine großzügige Prise Romantik - das habe ich mir von „Vertrauen und Verrat" versprochen, als ich zum ersten Mal auf das Buch aufmerksam geworden bin. Es passte hundertprozentig in mein Beuteschema und stand ganz oben auf meiner Wunschliste.
 

Wie es mir gefallen hat:


Dieses Buch war absolut anders als erwartet. Das beginnt schon bei den wechselnden Perspektiven in der dritten Person, wobei das Hauptaugenmerk auf Sage und Hauptmann Quinn liegt.
Im Prinzip mag ich verschiedene Blickwinkel immer sehr; hier hatte ich aber dadurch gerade am Anfang Schwierigkeiten, Sage richtig kennenzulernen, da ihre Kapitel immer wieder von Vorgängen in der Armee unterbrochen werden. Als Protagonistin bleibt Sage ohnehin insgesamt ein wenig eindimensional: ein toughes Anti-Mädchen, dem irgendwie alles leicht von der Hand geht und die sich rettungslos verliebt.
Ein weiterer großer Nachteil an der Wahl der Perspektiven ist, dass sie sich gegenseitig die Spannung ausbremsen. Kaum taucht ein Cliffhanger oder eine offene Frage auf, wird sie durch die Augen des Feindes oder einens anderen Charakters schon wieder aufgelöst, sodass die Neugier sehr schnell wieder verpufft. Vom Aufbau her hätte hier ein wenig geschickter geplottet werden können.

Was ich sehr schade finde, ist, dass die ganze Verkupplungsthematik mit dem Potenzial für viel Tratsch, Neid und Liebeskummer sowie das Concordium selbst, auf dem die Hochzeiten in die Wege geleitet werden sollen, wenn überhaupt nur sehr am Rande behandelt wird.
Von den Bräuten, die Sage begleitet, erfährt man nicht einmal die Namen. Sie werden auf eine typische Zicke (Jaqueline) und eine Verbündete für Sage (Clare) reduziert; der Rest bleibt leider gesichtslos. Darüber bin ich insgesamt doch sehr enttäuscht.
Die Handlung, die stattdessen geboten wird, hat dennoch durchaus ihren Reiz. Die Autorin hat alle Stränge gut verwoben und führt sie zu einem zufriedenstellenden Ende. Es geht um die stetig wachsende Bedrohung für die reisende Gruppe und das gesamte Königreich und um die Pläne, die Sage und die Soldaten entwickeln, um ihren Gegnern die Stirn bieten zu können.
Die Entwicklungen um Ash, mit dem Sage immer mehr Zeit verbringt, sind sehr gut gestrickt, aber auch ein bisschen verwirrend.

Trotz Verlusten entsteht bei manchen Dingen der Eindruck, dass die Autorin es ihren Figuren zu leicht macht. Abgesehen von Sage, der immer alles gelingt, verlaufen auch im Allgemeinen viele Vorhaben etwas zu reibungslos, um glaubwürdig zu sein.
Das Ende kommt dann schnell und mit Zuckerguss, dreht sich aber etwas zu sehr um die Aussichten in Sages Liebesleben und vernachlässigt dabei die anderen Charaktere. Ein Ausblick auf die folgenden Bände der Reihe fehlt gänzlich - genauso gut könnte die Geschichte bereits auserzählt sein.

Auch wenn also einige Schwächen zu verzeichnen sind, ist das Buch sehr gut und unterhaltsam geschrieben. Man fliegt nur so durch die kurzen Kapitel. In einigen Punkten hätte noch deutlich mehr herausgeholt werden können, aber trotzdem habe ich diesen Auftakt gern gelesen.

(Für wen) Lohnt es sich?


Man sollte hier  weder eine detailliert ausgearbeitete Welt noch Romantasy im Stil von „Selection" oder ähnlichen Reihen erwarten. Es ist eine kurzweilige Geschichte mit Fokus auf die sich anbahnenden kriegerischen Verwicklungen, in der die Lovestory zunehmend Raum einnimmt.
Für LeserInnen ab 14, denen diese Richtung gefällt, ist es auf jeden Fall zu empfehlen.

In einem Satz:


„Vertrauen und Verrat" vermittelt einen etwas täuschenden ersten Eindruck: Statt Verkupplungen, Konflikten zwischen den Bräuten und einem rauschenden Ball werden kriegerische Strategien, Spionage und Verschwörungen in den Vordergrund gerückt, garniert von einer Liebesgeschichte - ein unterhaltsamer Auftakt mit etwas Luft nach oben.

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar und die Leserunde
an Was liest du? und den Verlag!

Mittwoch, 11. April 2018

Psalmen der Schöpfung - Francine Rivers

Rezension zu "Psalmen der Schöpfung - Wie Gott durch die Natur zu uns spricht. 52 Andachten" von Francine Rivers


gebunden, 224 Seiten
Gerth Medien (15. Januar 2018)
ISBN: 9783957344526
Preis: 17,00 €

Worum geht's?


Die erfolgreiche Romanautorin Francine Rivers legt mit „Psalmen der Schöpfung" ein Andachtsbuch vor, das den Leser von einem beliebigen Zeitpunkt aus für ein Jahr begleitet. Die Texte sind jeweils für eine Woche ausgelegt. Darin verbindet die Autorin Beobachtungen aus der Schöpfung mit Bibelstellen, Impulsen und Anregungen, Zitaten sowie farbigen Natur- und Tierfotografien.

Was mich neugierig gemacht hat:


Ich halte immer Ausschau nach Andachtsbüchern mit Gedanken, die man so nicht schon hundertfach gehört hat und deren „Portionen" sich auch im manchmal hektischen Alltag gut einplanen lassen. Von den Romanen der Autorin kenne ich noch keinen, doch ihr Name war mir ein Begriff, und ich war gespannt auf ihre Gedanken darüber, wo und wie Gott sich in der Natur zeigt.
 

Wie es mir gefallen hat:


Nach einem übersichtlichen Inhaltsverzeichnis, in dem man sich gleich zu Beginn einen Überblick über die thematischen Facetten verschaffen kann, folgt zum Einstieg ein Vorwort der Autorin.
Die Gestaltung und Aufteilung der einzelnen Andachten ist sehr gelungen. In klarer, bildhafter Sprache formuliert Francine Rivers ihre Gedanken, oft verbunden mit persönlichen Erinnerungen von Reisen, Beobachtungen in ihrem Garten etc.

Am Ende jedes Abschnitts befinden sich drei Bausteine, die jeweils wenige Zeilen füllen: Nachdenken, Anwenden und Mit meinem Schöpfer reden. Diese sind immer für die ganze Woche gedacht.
Abgerundet werden die Andachten von Zitaten, Bibelversen und manchmal auch einigen Liedauszügen. Letztere wären vielleicht besser weggelassen oder im Original abgedruckt worden, da es sich um im deutschsprachigen Raum eher unbekannte Lieder handelt und die Übersetzungen sehr geschwollen daherkommen. 
Außerdem doppeln sich ab und zu Bibelstellen, weil sie in einem der Fotos noch einmal ganz oder teilweise eingebaut wurden; auch darauf hätte ich verzichtet.
Schön ist, dass man zusätzlich zu den geistlichen Denkanstößen auch immer wieder interessante Informationen über die angesprochenen Tiere, Pflanzen und Naturphänomene findet, wobei man noch das eine oder andere Neue lernen kann.

Insgesamt sind sehr schöne und treffende Beispiele für die Themen gewählt worden, die größtenteils außergewöhnlich sind - doch auch bei in den eher klassischen Beispielen wie Schafen oder Baumwurzeln schlägt Francine Rivers bei ihren Interpretationen noch einmal neue Richtungen ein.
Was teilweise auffällt, ist die etwas passive Glaubenshaltung der Autorin. Sie scheint der Meinung zu sein, dass Gott vom Menschen absoluten Gehorsam und keinen eigenen Willen erwartet (bspw. soll man im Glauben wie ein Hund sein, nicht wie eine Katze). Hier wird sich nicht jeder Christ anschließen können.

„Die Leidenschaft des Künstlerherzens wird durchsein Werk offenbart" - dieser Grundgedanke steckt in den Beobachtungen der Autorin und ist ein Anlass, sich auch selbst bewusster in der Schöpfung umzusehen.

(Für wen) Lohnt es sich?


Für alle, die auf der Suche nach einem wöchentlichen Andachtsbuch mit kurzen Texten und schönen Bildern sind und die die Kombination aus Bibel- und Naturthemen neugierig macht, ist dieses Buch eine gute Kauf- und/oder Geschenkidee.

In einem Satz:


„Psalmen der Schöpfung" ist ein Andachtsbuch, das mit erfrischenden Impulsen und wunderbaren Naturaufnahmen aufwarten kann, und auch, wenn jeden das eine Thema mehr und das andere weniger ansprechen wird, lohnt es sich, hier auf Entdeckungsreise  zu gehen.

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag!

Mittwoch, 4. April 2018

Neal Shusterman

"Neal Shusterman", 21 x 29, 7 cm, Polychromos auf Bristolboard, 2018

Hallo Welt da draußen,

man könnte meinen, ich hätte das Bloggen eingestellt. Aber da bin ich wieder - mit einer recht aktuellen Zeichnung.

Wer sich des Öfteren in Buchhandlungen herumtreibt, wird vielleicht auf die auf Tischchen drapierten Stapel von Scythe - Die Hüter des Todes und seit neustem auch vom Folgeband Scythe - Der Zorn der Gerechten aufmerksam geworden sein.
Der Autor Neal Shusterman hat mich bereits vor einigen Jahren mit seiner (leider nicht fertig übersetzten!) Vollendet-Reihe absolut fasziniert. Als im letzten Jahr dann Scythe erschien, war mir sehr schnell klar, dass ich es unbedingt lesen muss. Tatsächlich hat es etwas gedauert, bis ich es geschafft habe. Vor kurzem habe ich dann den ersten Band beendet und was soll ich sagen? Ich weiß schon, warum ich nicht diejenige bin, die auf diesem Blog Rezensionen veröffentlicht ;) Mir würde es wahnsinnig schwer fallen, meine Meinung über dieses absolut grandiose, düstere, schockierende Buch in Worte zu packen. Da bleibt nur zu sagen: Lest es selbst! Ich glaube kaum, dass ihr es bereuen werdet ;) Möglicherweise muss man sich etwas an die Erzählweise gewöhnen und man darf nichts gegen Zeitsprünge haben, aber das sind nur Kleinigkeiten - nahezu nichts, gemessen an dem phänomenalen Rest :)

Ich hatte das Glück, Neal Shusterman live bei einem Gespräch am 14. März im Hugendubel Frankfurt zu erleben und mir meine Zeichnung von ihm signieren zu lassen. So eine Ehre!

Kennt ihr Band 1 (und 2) von Scythe? Seid ihr in letzter Zeit einem Autoren oder eine Autorin begegnet? Vielleicht auch auf der LBM?

Lasst mir gern einen Kommentar da,
Miriam


Sonntag, 1. April 2018

Schatten der Magie - Kat Howard

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Gebundene Ausgabe, 320 Seiten 
Arctis Verlag (9. März 2018)
ISBN: 978-3038800118
Preis: 18,00 €
Standalone

Worum geht's?


In der Ungesehenen Welt von New York City geht es um Ansehen und das Beherrschen der Magie, um Familienbande, Intrigen und Bündnisse - ganz besonders während des Umschwungs, in dessen Zuge alle magischen Häuser einen Champion stellen, der ihre Position innerhalb des Machtgefüges verteidigen oder sie dessen Spitze näher bringen soll.
Seit Langem galt das Haus Merlin als ungeschlagen. Doch diesmal ist etwas anders: Immer wieder scheint die Magie zu versagen. Und jemand ist im Rennen, mit dem niemand gerechnet hat:
Sydney, eine junge Frau, die dem düsteren Haus der Schatten entkommen ist und seit Jahren auf Rache sinnt ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Das magischschöne Cover hat meine Lust auf Urban Fantasy geweckt. Obwohl New York ein häufig gewählter Schauplatz ist, hatte ich den Eindruck, dass hier eine besondere Geschichte zwischen den Buchdeckeln lauert, die man so noch nicht gelesen hat.
 

Wie es mir gefallen hat:


Magische Häuser, die ihr Wesen ihrem Besitzer anpassen können, eine metaphorisch-moralische Thematik über Opfer zum Wohle anderer, Verbrechen, Fehden, Rache, aber auch Freundschaft und innere Stärke vereinen sich in „Schatten der Magie" zu einer facettenreichen, unvorhersehbaren Geschichte. Hat man sich einmal in die luxuriöse Welt der Magier in New York City hineingefunden, gibt es kein Halten mehr.

Erzählt wird in der dritten Person; die Szenen wechseln zwischen vielen verschiedenen Figuren, wobei die im Klappentext hervorgehobene Sydney die zentralste Rolle spielt. Neben ihr sind Helden wie auch Schurken vertreten, und es macht sehr viel Spaß, nach und nach die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Strängen, Hinweisen und Familienmitgliedern zu ergründen. Immer wieder enthüllen sich neue Verbindungen, und die Puzzleteile fügen sich langsam zusammen.

Eine Liebesgeschichte muss nicht immer zwingend dazugehören, doch wenn schon eine eingeflochten wird, wie es hier ganz am Rande der Fall ist, sollte sie auch gefühlvoll sein. Das wird bei diesem Buch leider ein wenig vernachlässigt. Es hätte ruhig ein dezentes bisschen mehr sein dürfen.
Genauso lassen auch große, oft tragische Enthüllungen Emotionalität vermissen (sowohl bei der sie offenlegenden Person als auch bei den Reaktionen der anderen Beteiligten), sodass nicht der größtmöglichste Schock erzeugt wird und das eigene Mitgefühl teils ein wenig auf der Strecke bleibt.
Das stellt aber auch schon den, aus meiner Sicht, einzigen größeren Kritikpunkt dar.

Durch die Regeln und Duelle des Umschwungs bleibt eine stetige Dynamik in der Geschichte, in die das Geheimnis um die schwindende Magie sowie Sydneys Lebensgeschichte und ihre Ziele sowie die Vorgänge im Haus der Schatten als zusätzliche Spannungsfaktoren mit einfließen.
Am Ende löst sich einiges vielleicht einen Tick zu schnell auf, dafür aber sehr rund und stimmig, sodass man das Buch zufrieden zuschlagen kann.

(Für wen) Lohnt es sich?


Alle Freunde von magischen Parallelwelten und Zauberduellen, die eine Geschichte gern aus vielen verschiedenen Blickwinkeln lesen, werden mit dem Buch sehr glücklich werden.
Stellenweise wird es ein wenig brutal, sodass ich es ab ca. 16 Jahren empfehlen würde.

In einem Satz:


„Schatten der Magie" ist  sehr schön komponierte, originelle Urban Fantasy mit vielen Strängen und Geheimnissen, die ein rundes Ganzes voller Spannung und Magie ergeben.

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag!