Sonntag, 14. Januar 2024

Lily Halbmond (1) – Xavier Bonet


Ueberreuter Verlag (15. Januar 2024)
Hardcover, 80 Seiten
ISBN: ‎ 9783764152673
Preis: 14,00 €
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Maße: 17,4 x 1,3 x 24,2 cm  

Mehr Infos & Blick ins Buch

Worum geht's?

Eben noch ganz normal, plötzlich magisch – der Beginn einer außergewöhnlichen Comicbuch-Reihe!

Lily ist eigentlich ein ganz normales Mädchen. Bis ihr plötzlich merkwürdige Dinge geschehen: Gegenstände fliegen unkontrolliert umher, ihre Geburtstagstorte explodiert und es regnet mitten in ihrem Badezimmer! Ausgerechnet jetzt muss sie auch noch auf eine neue Schule wechseln. Und zu ihrer Überraschung ist dort in der Bibliothek eine geheimnisvolle Zauberschule versteckt. Doch Hexe sein ist gar nicht so einfach ... Bald muss Lily bereits das erste Mal ihre Kräfte einsetzen, denn ein seltsames Pflanzenwesen bedroht ihr neues Zuhause ...

Leseförderung, die Spaß macht: viel Bild, wenig Text!

 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

Beim Illustrationsstil von Xavier Bonet war es für mich Liebe auf den ersten Blick. Die Figuren, die Farbgebung, die Stimmung – einfach schön!
Als Kind habe ich gern „Hexe Lilli" gelesen, und dieses Comicbuch hat mich da ein bisschen nostalgisch gemacht.
Sicher hätte ich auch Lily Halbmond schon damals sehr gemocht und mich davon beim Spielen inspirieren lassen.

Das Einzige, womit ich nicht ganz warm geworden bin, ist die zum Teil recht sprunghafte Erzählweise. Aufgrund der geringen Textanteile werden zwangsläufig so einige Zwischenszenen und Fragen (wissen Lilys Eltern eigentlich über die Fähigkeiten ihrer Tochter Bescheid? Was wird aus dem normalen Unterricht vor Entdeckung der geheimen Zauberschule?, ...) ausgelassen. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass man diese Lücken als Kind noch intuitiver mit der eigenen Fantasie füllt.

Die Handlung wird an ein paar Stellen, an denen neue Elemente vorkommen, von Lexikonseiten unterbrochen,
z. B. um die sogenannten „Steine der Macht" näher vorzustellen oder das Rezept für einen Reinigungstrank zu zeigen. Das ist sehr cool gemacht, auch wenn es die Spannung ein wenig ausbremsen kann.

Der Showdown dieses Auftaktbuchs ist wunderbar gelungen: Altersgerecht gibt es eine durchaus ernst zu nehmende Bedrohung, die auf einer sehr süßen Idee bzw. Kreatur beruht, sodass es mitreißend, aber nicht zuuu gruselig wird. Mit vereinten Kräften und ganz besonders dank Heldin Lily kann die Lage natürlich gerettet werden. Doch am Ende erfährt man, dass eine den Charakteren noch unbekannte Gegnerin hinter der ganzen Sache steckt, die sicher guten Stoff für die nächsten Abenteuer liefern wird.

In einem Satz:

„Lily Halbmond" ist ein fantastisch illustriertes, hochwertiges Comicbuch für Kinder im Grundschulalter, das gut unterhält und genau das richtige Maß zwischen aufregend und niedlich findet.


Sonntag, 31. Dezember 2023

Jahresstatistik 2023

Mein Jahr in Büchern

 


Das Leseergebnis in Zahlen

 
Nachdem ich im ersten Halbjahr so wenig gelesen hatte, dass ich erstmals nicht mal eine Halbjahresstatistik aufgestellt habe, sind es, abgesehen von Lektoratsprojekten und Prüfmanuskripten, also rein in meiner Freizeit 2023 gerade mal 14 gelesene Bücher geworden 
(2022 waren es 19 Stück, 2021: 25), darunter zwei bebilderte mit wenig Text. 
Das muss wieder anders werden!
 
Ich habe
15 Rezensionen geschrieben (5 weniger als letztes Jahr, aber trotzdem nicht schlecht 😁; es ist eins mehr als bei den gelesenen Büchern, weil ich z. B. Aufsteller etc. oben nicht mitzähle).
Darunter waren Bücher aus 10 Leserunden (2022: 14 Leserunden).

 

Meine Top-10-Lesehighlights / Meine Buchtipps des Jahres
(zufällige Reihenfolge; per Klick geht's zur jeweiligen Rezension, wenn's eine gibt)

Lese-Flops

Bei so wenigen gelesenen Büchern war immerhin kein Flop oder Abbruch dabei, jedenfalls keiner, den ich in diesem Jahr angefangen habe. 🥳

Neuzugänge 2023

 
Mit 116 neuen Prints und 24 eBooks ist mein SuB, wenig überraschend, noch mal ein klein wenig gewachsen (Vergleich 2022: 120 Prints und 1 eBook, 2021: 78 Prints und 9 eBooks). So viele E-Books sind es wegen einer größeren Gratisaktion im März geworden. 😁
  
So sind die Quellen der gedruckten Neuzugänge aufgeschlüsselt:
  • 12 Rezensionsexemplare (inkl. Leserundenbücher) (2022: 22, 2021: 16, 2020: 15 & 2019: 32)
  • 1 Buchgewinn (2022: 6, 2021: 8, 2020: 5 & 2019: 41)
  • 4 ertauschte Bücher (2022: 3, 2021: 6, 2020: 17 & 2019: 5)
  • 82 Buchkäufe (teils auch Mängelexemplare und gebrauchte Bücher, inkl. ca. 16 Gutschein-Einlösungen) (2022: 85, 2021: 47, 2020: 28 & 2019: 22)
  • 17 Buchgeschenke / Prämien / Arbeit (2022: 4, 2021: 1, 2020: 3 & 2019: 7)
     

 Auf ein frohes Lesejahr 2024!

Mittwoch, 27. Dezember 2023

Blütenrausch – Die StadtSpionin

Botanik, Kunst und Lifestyle

 

Wundergarten Verlag (2. Oktober 2023)
broschiert,‎ 176 Seiten
ISBN: ‎ 9783903070233
Preis: 27,00 €
Maße: ‎ 21,7 x 1,2 x 27,9 cm 

Worum geht's?

In Blütenrausch" widmen wir uns dem Botanical Chic! Egal, ob es um Mode oder Wohnen, Design oder Essen, Kunst oder DIY geht, Florales steht derzeit hoch im Kurs.
Auf 176 großformatigen Seiten präsentieren wir – inhaltlich und optisch opulent – den blütenreichen Lifestyle. In Reportagen, Interviews und aufwendig gestalteten Fotostrecken stellt 
Blütenrausch" nationale und internationale Kreative vor, die sich der faszinierenden Welt der Pflanzen verschrieben habe.
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

Inspirierend, farbenprächtig, künstlerisch-opulent: Das sind die Begriffe, die mir zu diesem besonderen Buch als Erstes in den Sinn kommen. Wenn man hineinblättert, spürt man schnell, dass es nicht bloß ein Produkt ist, sondern ein Herzensprojekt der Beteiligten.

Die Inhalte fügen sich zu einer vielfältigen Gesamtkomposition an blumigen Entdeckungen zusammen:
Da ist Inés Aguilar, die Schöpferin der Modemarke La Casita de Wendy im Gespräch über ihre floralen Kreationen im Zusammenspiel von Handwerk und KI. Wir besuchen einen schwebenden Blumengarten, wo Pflanzen auf Technik treffen, und erfahren einiges über den Künstler Azuma Makoto mit seinen Blumenarrangements, die er ins Weltall schießt oder im Meer versenkt.
Es gibt einen interessanten Beitrag über Fräulein North, die im 19. Jh. entgegen der Konventionen mit Ölfarben botanische Bilder von schillernder Schönheit schuf. Zurück in der Gegenwart berichtet uns Naturfloristin und Bioblumenbäuerin Margrit de Colle von ihrem Herzensprojekt: einem Bio-Blumen-Betrieb in Österreich.
Wir erhalten Buchtipps zu Botanik- und Gartenthemen, staunen über die Rekonstruktion von The Lost Garden of Heligan in Cornwall und Kunstwerke aus zerbrochenen antiken Vasen und Bonsais des holländischen Künstlers Patrick Bergsma. Wir begeben uns auf Zeitreise mit der französischen Kosmetikmarke Officine Universelle Buly, besuchen blumige Restaurants mit den tollsten Dekorationen und herrlichem Ambiente, lernen Claire Hurleys „Wearable Art" kennen, die Horticouture, träumen uns in ein innovatives Tree Hotel in Nordschweden, möchten am liebsten von den Werken des Pralinenkünstlers Michael Diewald in Wien kosten und Duftproben von Julia Asenbaum Parfums nehmen, die nach ihren Lieblingslandschaften riechen. Es gibt stylische Blumentapeten zu bewundern, und wir lernen von Artur Cisar-Elrach viel über den Geschmack von Holz, probieren coole Rezepte aus, z. B. für Kiefernnadelpesto oder Fichtenwipfel in Schokolade.
Die verlorenen Wasserspiele von Schloss Greillenstein entführen uns ein weiteres Mal in frühere Zeiten; wir basteln täuschend echte Zimmerpflanzen aus Papier, statten der ländlichen Duftmanufaktur von Jungbauer Stefan Zwickl einen Besuch ab und der Blumenboutique We are Flowergirls in Wien.
Wir erfahren von der Britin Alice Fox, wie sie mit Materialien aus ihrem eigenen Schrebergarten Textilkunst schafft, sind gefesselt davon, wie die finnische Künstlerin Kreetta Järvenpää mit ihren Fotografien auf den Spuren der holländischen Meister und ihrer weltberühmten Blumenbilder des 17. Jh. wandelt. Wir werden erneut selbst kreativ, indem wir uns mit einer tollen Anleitung für Lampionblumen im Floral Sketching üben und bekommen als i-Tüpfelchen ganz zum Schluss noch blumige Papierbögen geschenkt.

Was für eine blütenreiche Reise durch die Welt und Zeit!

In einem Satz:

„Blütenrausch" wird seinem Titel sehr gerecht: Es ist ein fantastischer, horizonterweiternder Band über botanische Themen und Trends in Kunst, Kulinarik, Geschichte, Mode und Lifestyle mit vielen interessanten Interviews und Artikeln.


Mittwoch, 13. Dezember 2023

Club der Honks – Betsy Uhrig


Woow Books (12. Oktober 2023)

Hardcover, 300 Seiten  
ISBN: ‎ 9783039670109
Preis: 18,00 € / E-Book 13,99 € 
Altersempfehlung: ‎ Ab 10 Jahren
Originaltitel: ‎ Welcome to Dweeb Club

Worum geht's?

Stell dir vor, du wüsstest, wie du in fünf Jahren sein wirst ...
... und es würde dir überhaupt nicht gefallen.


In der zweiten Woche der 7. Klasse meldet sich Jason Sloan für den brandneuen H.A.A.R.-Club an.
Der Club aber entpuppt sich als äußerst seltsam: Die Kinder sollen mithilfe einer schicken neuen Ausrüstung, die von einem mysteriösen Wohltäter gespendet wurde, per Videoaufnahme die Schule überwachen. Ihr erster Auftrag: herausfinden, wer aus der Cafeteria stiehlt. Doch statt der erwarteten dunklen Cafeteria zeigen die Videos Jason und seinen Freunden etwas ganz anderes: Aufnahmen von ihnen selbst als Highschool-Abgänger, fünf Jahre in der Zukunft! Was um alles in der Welt könnte hier passiert sein? Während die Kinder versuchen, das Rätsel zu lösen, müssen sie etwas feststellen: Niemandem von ihnen gefällt, wie sie in fünf Jahren sein werden ... Gibt es eine Möglichkeit, die Zukunft zu ändern und das eigene Schicksal aufzuhalten?

(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

Betsy Uhrigs Debüt „Mehr Action, weniger Zucchini" hat mich damals so begeistert, dass ich mich auf „Club der Honks" sehr gefreut habe. Die Autorin schreibt unglaublich kurzweilig und augenzwinkernd. Diesmal zieht sie ihr Lesepublikum mitten hinein in Jasons Welt und die von ihm verfasste Chronik eines geheimnisvollen Schulclubs.

Zuerst hatte ich ein paar Schwierigkeiten, alle Kinder richtig zuzuordnen, aber die schöne Coverillustration hat geholfen. Die Story legt den Fokus generell mehr auf die turbulent-chaotischen Geschehnisse als auf die Charaktere, die sie erleben.
Die Handlung wirft bis zum Ende viele Fragen auf, sodass man dranbleibt. Die Idee, dass die Clubmitglieder Aufnahmen von sich selbst in der Zukunft sehen können, ist toll und das Ganze hält eine witzige Auflösung bereit. Dennoch hätte ich mir bei dem großen Potenzial des Themas mehr Tiefe gewünscht; erst gegen Ende kommen dazu einige wertvolle Botschaften. Die Dinge, die den Kindern an ihren zukünftigen Ichs nicht gefallen, sind überwiegend oberflächlich, z. B. Outfit- und Frisurentscheidungen, mit denen ihre gegenwärtigen Ichs nicht einverstanden sind.

Die Geschichte lebt sehr davon, dass vieles überspitzt wird. Obwohl das ein Stück weit charmant ist, habe ich es hier zum Teil als zu extrem empfunden. Es sorgt für unwesentliche und oft sehr konstruierte Details und Gedankengänge, die das Tempo ausbremsen, und zum Beispiel Jasons jüngere Schwester wird durch die schräge Charakterisierung zu einer ziemlich unerträglichen Figur. Für ein Kinderbuch ist es doch sehr fragwürdig, dass sie ihrem Bruder gegenüber die ganze Zeit beleidigend und abschätzig sein darf und die Eltern ihr das fast schon stolz durchgehen lassen.

Der Aufhänger, dass der Club angeblich zur Videoüberwachung der Schule gedacht sein soll, hat so seine Tücken. Mich selbst hat das nicht besonders gestört, aber im Grunde wird hier ein sehr heikles Fass aufgemacht: Was, wenn die Clubmitglieder Lehrergespräche mithören oder Mitschüler mit Details aus den Aufnahmen mobben oder erpressen würden etc.? Aus meiner Sicht hätte die Autorin hier mit ein paar Sätzen Regeln aufstellen sollen, die das Ganze etwas absichern. So wirken die Lehrkräfte an dieser Schule schon ziemlich fahrlässig.

Meine Lieblingsfiguren waren übrigens Jasons Onkel Luke und die nerdig-coole Shannon sowie Lara, mit der die Autorin ganz woanders hinwill, als ich anfangs gedacht hatte.

In einem Satz:

„Club der Honks" ist unterhaltsam und witzig, hätte aber locker noch tiefer schürfen können und schafft es für ein rein für Kinder geschriebenes Buch nicht ganz aus dem Erwachsenen-Denken heraus, für eine All-Age-Lektüre aber nicht genug in ein kluges Gesamtkonzept hinein.


Dienstag, 31. Oktober 2023

Hinter den Sternen ganz nah – Petra Bartoli y Eckert


Südpol Verlag  (1. September 2023)  
Hardcover, 208 Seiten
ISBN: ‎ 9783965942301
Preis: 16,00 € / E-Book 13,99 € 

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Worum geht's?

Warmherziger Jugendroman über den Mut, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen 

Für die 15-jährige Feli bricht eine Welt zusammen, als ihre Schwester bei einem Autounfall ums Leben kommt. Sina – ihre geliebte große Schwester, Ratgeberin und beste Freundin – ist weg. Für immer. Was von Sina geblieben ist, ist der gemeinsame Chat, den Feli in ihrer Verzweiflung alleine weiterführt. Hier fühlt sie sich ihrer Schwester nahe und erzählt ihr alles. Auch dass sie jetzt wegen einer unnötigen Aktion Sozialstunden im Altenheim ableisten muss. Und dass sie hier auf Vito trifft, der eigentlich auch in dem Unfallauto gesessen hätte, hätte er nicht an jenem Abend Spätdienst gehabt …
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

Es kommt selten vor, dass ich nicht nur bei meinen Lieblingsautor*innen, sondern sogar bei einem Verlag praktisch zu jedem erscheinenden Buch greifen kann, ohne das Risiko einer Enttäuschung einzugehen. Beim Jugendbuchprogramm von Südpol ist das für mich der Fall, und auch „Hinter den Sternen ganz nah" hat sich da nicht als Ausnahme entpuppt.

Der Roman ist komplett in Handynachrichten verfasst. Zuerst war ich skeptisch, da diese Form ja doch eine eher zusammenfassende, oftmals rückblickende Erzählweise bedeutet, doch sie passt zur Geschichte und vermittelt mehr Emotionen, als man vermuten könnte. Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich sagen, dass ich auch das Aufbrechen von Felis Monolog im Chat mit ihrer verstorbenen Schwester sehr gelungen fand. 
Einzig sprachlich bin ich über einzelne Stellen gestolpert, die besser zur alten Clara als zur jugendlichen Feli gepasst hätten.

Das Thema Trauerverarbeitung und die generationsübergreifende Freundschaft, die sich im Buch entwickelt, sind feinfühlig und liebevoll umgesetzt, hinzu kommt eine dezente Lovestory.
Obwohl Feli lange viel Wut mit sich herumträgt und damit auch andere verletzt, verliert man beim Lesen nie den Draht zu ihr. Hoffnungsvoll beobachtet man, wie sie sich aus dem Schmerz herauskämpft, ohne ihn dafür verdrängen oder vollständig loslassen zu müssen.

In einem Satz:

„Hinter den Sternen ganz nah" ist ein Buch, das sich einem schweren Thema durch eine außergewöhnliche Erzählweise nähert, so wie seine Protagonistin wiederum durchs schriftliche Erzählen ihrer Trauer Raum gibt – eine schöne Geschichte, die trotz aller Schwermut die Schönheit des Lebens in den Mittelpunkt stellt.


Donnerstag, 12. Oktober 2023

Die graue Stadt – Torben Kuhlmann


NordSüd Verlag (12. Oktober 2023)
 
gebunden, 64 Seiten
ISBN: ‎ 9783314106521
Preis: 20,00 € 
 
22.2 x 28.6 x 1.2 cm
Altersempfehlung: ab 8 Jahren

Worum geht's?

Robin zieht mit ihren Eltern in die Stadt. Dort ist alles grau – Häuserfassaden, Menschen, selbst Blumen. Robin macht sich auf die Suche nach Farbe und kommt einem Komplott auf die Spur: Hinter all dem Grau steckt die gesichtslose Grau GmbH & Co. KG. Dank ihrer Kombinationsgabe und einigen Verbündeten gelangt Robin in die Schaltzentrale des Konzerns und stellt alle Farbregler auf bunt. Grau bleibt am Ende nur ihr Kater. 

Seit dem Erfolg seiner Mäuseabenteuer steht Torben Kuhlmann für große Bilderbuchkunst. Mit »Die graue Stadt« schwingt er sich zu neuen Höhenflügen auf und setzt ein Zeichen für Buntheit und Vielfalt.
 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

Dieses (Vor-)Lesebilderbuch ist wirklich rundum und innen drin richtig schön. Schon auf dem Cover macht die graue Stadt ihrem Namen alle Ehre, und Robins strahlend gelbe Regenjacke, die auch im Buch immer wieder mit ihrer Leuchtkraft für einen Blickfang in all dem Grau sorgt, passt sich fröhlich dem Verlagslogo an. Ein geniales und einfach durch und durch zur Geschichte passendes Detail ist außerdem der mit holografischer Folie veredelte Titel, bei dem, wenn man das Buch unters Licht hält und bewegt, alle Farben des Regenbogens zu entdecken sind.

Die Geschichte setzt das Graue und das Bunte nicht nur in den wunderbaren Bildern ausdrucksstark um (ich liebe diesen Illustrationsstil!), sondern nutzt die Gegensätze auch, um eine starke Message zu vermitteln: Wo Menschen zusammenleben, sollte es bunt sein und farbenfroh zugehen. Und in allem Grau verstecken sich immer auch Rot, Blau und Gelb in all ihren Nuancen. Wenn jemand den Anfang macht und danach sucht, um sie mutig in die Welt zu tragen, kann das in der Gesellschaft weite Kreise ziehen.

Kinder, die diese Geschichte hören oder selbst lesen, erfahren spielerisch nebenbei etwas über die Brechung des Lichts und Verfahren der Farbmischung. Ganz hinten gibt es dazu noch mal eine Info-Seite (die Robin im Kontrollraum der Grauwerke gefunden hat). Torben Kuhlmanns Vita ist witzigerweise als Personalie mit vermerktem Tadel gestaltet.

Robin findet nach dem Umzug einen neuen Freund und Erwachsene, die sich, wenn auch hinter verschlossenen Türen an farbigen Dingen wie Musik, Freundschaft und Büchern erfreuen. Richtig abenteuerlich wird es am Ende auch noch, denn Robin und ihr Freund Alani brechen doch tatsächlich in die Grauwerke ein, um die Farben zurück in die Stadt zu bringen. Ob es ihnen gelingt? Buch kaufen und nachlesen! ;)

In einem Satz:

„Die graue Stadt" besticht durch die simple und doch so wichtige zentrale Botschaft, begleitet von wunderschönen Illustrationen und Wissenswertem über Regenbögen, Licht und Farben.

Montag, 9. Oktober 2023

Forget me Someday – Chris Kaspar

 
Planet!/Thienemann (28. Juli 2023)  
Taschenbuch, ‎ 384 Seiten  
ISBN: ‎ 9783522507615
Preis: 15,00 € / E-Book 11,99 € 
  ‎ Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Worum geht's?

Ihre geheime Mission: Alles über ihn herausfinden. Was sie dabei nicht verlieren darf: ihr Herz.

Alena will einen Neuanfang wagen: weg von ihrer toxischen Mutter, endlich auf eigenen Beinen stehen. Um an ihrer Traum-Uni in Hamburg studieren zu können, muss sie für ein Stipendium einen Nachruf über den YouTuber Kill einreichen. Doch der arrogante Mädchenschwarm ist nicht nur unverschämt sexy, sondern auch alles andere als tot. Wobei das niemanden wundern würde, so waghalsig wie er in seinen YouTube-Challenges mit seinem Leben umgeht. Auf der Suche nach seinem dunkelsten Geheimnis, schleicht Alena sich kurzerhand in Kills Leben. Allerdings hat sie nicht mit der Anziehung gerechnet, die ab der ersten Minute zwischen Kill und ihr herrscht. Und je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto höher steigt der Preis für das Stipendium: Denn dass Alena sich in Kill verliebt, war nie Teil des Plans …

 
(Text des Verlags)

Wie es mir gefallen hat:

Schon die Ausgangslage dieser Geschichte hat es in sich: Dass Alena Kill (wie genial kann ein Charaktername bitte sein?) ausspioniert, um endlich ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, birgt eine Menge Konfliktpotenzial. Ihre Aufgabe, einen Nachruf für den Falle seines Todes zu erstellen, ist originell, ein bisschen morbide und macht auf jeden Fall neugierig.  

Die Dynamik zwischen Alena und Kill hat mir gut gefallen. Die zwei sind, genau wie auch sämtliche Nebenfiguren, mit so einigen witzigen und liebevollen Details (ich sag nur: Butter) sowie Ecken und Kanten ausgestaltet worden, was die Handlung lebendig werden lässt.

Die Spannung wird konstant gehalten, sowohl, was die Lovestory betrifft, die wegen besagter Ausgangslage früher oder später eine platzende Bombe aushalten muss, als auch durch die offenen Fragen, die sich beim Lesen ansammeln. Kills Verhalten während eines Großteils des Buchs mündet in einer Auflösung, die die meisten überraschen dürfte – bei mir hat das jedenfalls geklappt. Auch Alenas Vorgeschichte bringt interessante Aspekte und Wendungen mit ein.

Was ein bisschen stören kann, ist, dass Alena sich sehr in ihrem doppelten Spiel verstrickt und nie auch nur darüber nachdenkt, einfach ehrlich zu sein (klar, dann hätte der Plot so nicht funktioniert, aber etwas mehr Selbstreflexion hätte ich in dem Punkt begrüßt). Auch stellen sich die ganz großen Gefühle sehr schnell ein.
Daneben hat mich das Finale nicht bis ins Detail abholen können; besonders in einem entscheidenden Moment habe ich Alena ihre Begriffsstutzigkeit nicht abgekauft. Nichtsdestotrotz habe ich es gern gelesen.

Schade, dass der kleine Nebenstrang um Kat nicht aufgelöst wird – ihre Entscheidung hätte mich interessiert! (Es sei denn, über sie ist ein eigenes Buch geplant, dann nehme ich das zurück.)

In einem Satz:

„Forget me Someday" steckt voller wunderbar außergewöhnlicher Plotelemente, ist so romantisch wie spannend und sorgt trotz weniger kleiner Kritikpunkte für tolle Leseunterhaltung.