Freitag, 18. August 2017

Ein Kuss aus Sternenstaub - Jessica Khoury

  Rezension zu "Ein Kuss aus Sternenstaub"
von Jessica Khoury

Taschenbuch, 448 Seiten
cbj (10. Juli 2017)
ISBN-13: 978-3570403532
Originaltitel: The Forbidden Wish
Standalone

Worum geht's?


Sie ist eine uralte Dschinny, die seit Ewigkeiten in ihrer Flasche gefangen in einem lange vergessenenen Juwelengarten wartet.
Er ist ein junger Dieb mit Namen Aladdin, den ein magischer Ring zu ihr führt. 
Er wird ihr Gebieter und sie versucht, seine Wünsche zu nutzen, um einen Auftrag des mächtigsten Dschinn zu erfüllen und sich damit ihre Freiheit zu erkaufen. Dass ihr Gefühle für diesen jungen Mann dazwischen kommen, hätte sie nie für möglich gehalten - und doch passiert genau das ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Das Buch hatte ich schon lange auf meiner Hoffentlich-wird-es-übersetzt-Liste. Orientalisch angehauchte 1001-Nacht-Geschichten sind ja gerade wieder im Trend, und so hat dann auch "The Forbidden Wish" endlich seinen Platz im deutschen Buchmarkt gefunden.
Da der Klappentext inhaltlich nicht viel verrät, war ich sehr gespannt, welches Abenteuer die Dschinny und Aladdin gemeinsam zu bestehen haben würden.

Wie es mir gefallen hat:

Das Besondere an diesem Buch ist die Erzählstimme der Dschinny - Zahra, wie sie sich von Aladdin nennen lässt, obwohl ihr wahrer Name in der Sprache der Dschinn Krümmung-des-Tigerschwanzes, Rauch-im-Wind, Mädchen-das-die-Sterne-verschenkt bedeutet.
Sie hat schon viele Zeitalter erlebt, und nach und nach erfährt man, wie es dazu kam, dass ihr eigenes Volk sie in ihre Flasche verbannte. Wer sie war, bevor sie zur Dschinny wurde, bleibt lange ein Geheimnis. Diese Elemente um die Vorgeschichte der Protagonistin sind wunderbar umgesetzt, ihr Drang nach Freiheit wird sehr greifbar. Der Autorin ist es gelungen, sich wirklich konsequent in das Wesen ihrer Figur einzufühlen und dasselbe auch ihren Lesern zu ermöglichen.
Zusätzlich zur Ich-Erzählerin gibt es im Buch drei Ausschnitte aus einem Lied, das nach und nach mehr über Zahras Vergangenheit und ihre letzte Gebieterin enthüllt.

Das Buch ist unglaublich fantasievoll geschrieben und man verfolgt mit Spannung mit, wie Zahra Aladdins Wünsche zu erfüllen versucht und die beiden sich bei Hofe immer mehr in Schwierigkeiten bringen.
Mit Zahra kann Aladdin als Charakter allerdings nicht ganz mithalten und bleibt im Vergleich ein wenig austauschbar. Dafür gibt es mit der Prinzessin Caspida und ihren loyalen Gesellschafterinnen noch einige starke Nebenfiguren.

Die Liebesgeschichte hat mich nicht vollkommen überzeugen können; da die Geschichte aber nicht nur davon lebt, ist das nicht so tragisch. Grund dafür, dass ich hier nicht richtig mitfiebern konnte, war neben dem schon erwähnten eher oberflächlich gezeichneten Charakter Aladdins, dass die Gefühle sich über einen Zeitraum entwickeln, der gestrafft erzählt wird, sodass man als Leser nicht viele Szenen miterlebt, die die beiden als passendes Paar zeigen.

Schön ist die Abgeschlossenheit der Geschichte. Nach dem etwas chaotischen, halsbrecherischen Showdown klingt das Buch sehr rund und stimmig mit einem Wohlfühlende ab.

(Für wen) Lohnt es sich?


Wer schon Bücher wie "Zorn & Morgenröte" für ihre Stimmung geliebt hat oder allgemein die Atmospähre aus 1001-Nacht mit einer Prise Romantik und einem Hauch Action reizvoll findet, sollte "Ein Kuss aus Sternenstaub" lesen.
Für Mädchen ab 14 ist es ideal, auch mit Anfang 20 kann man noch wunderbar in der Welt des Buches versinken.

In einem Satz:


"Ein Kuss aus Sternenstaub" erzählt eine märchenhafte Geschichte voll Tragik, Magie und Liebe und lässt die faszinierende Welt einer Dschinny lebendig werden, die trotz jeglicher Verbote ein Herz für Menschen hat.


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an den Verlag!

Mittwoch, 9. August 2017

Among the Stars - Samantha Joyce

Rezension zu "Among the Stars - Liebe wie im Film"
von Samantha Joyce

Broschiert, 352 Seiten 
Goldmann Verlag (19. Juni 2017)
ISBN-13: 978-3442486236
Originaltitel: Flirting with Fame

Worum geht's?


"(...) Die Welt war für immer still, und ich konnte es kaum ertragen. Aber wenn ich schrieb, hörte ich all diese Stimmen in meinem Kopf, die mir Geschichten erzählten. Ich habe das Gefühl, ich bin nur dann in der Lage, die Welt deutlich zu hören, wenn ich eine neue erschaffe." (S. 165)
Elise Jameson ist Bestsellerautorin - doch das weiß niemand außer ihren Eltern und ihrem besten Freund. Seit Elise durch einen schlimmen Unfall taub geworden ist und eine Narbe im Gesicht trägt, versteckt sie sich vor der Welt, und hat das Bild einer fremden Frau als Autorenfoto benutzt. 
Als ihre Bücher verfilmt werden sollen - sogar mit ihrem absoluten Lieblingsschauspieler Gavin Hartley -, taucht plötzlich die Frau von dem Bild auf und nimmt Elises Rolle ein.
Elise ist schockiert, doch dann wittert sie ihre Chance: Denn sie hat eine Einladung, beim Dreh dabei zu sein, und als vermeintliche Assistentin könnte sie sich das gleich viel besser vorstellen ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Titel und Cover schreien hier eigentlich schon so sehr nach einer typischen Liebesschnulze, dass ich unter Umständen die Finger von dem Buch gelassen hätte - wäre da nicht der originelle Grundkonflikt gewesen: eine junge Autorin, die ihre Identität verbirgt und ein tragisches Geheimnis mit sich herumschleppt, soll plötzlich im Rampenlicht stehen, und engagiert eine andere Frau, sie zu sein. Damit hat das Buch mich dann doch gewinnen können und mir bewiesen, dass seine Gestaltung ihm in gewisser Weise unrecht tut.

Wie es mir gefallen hat:


Kurzweilig, witzig, romantisch, lebensklug - das wären einige Schlagworte, die ich in Bezug auf "Among the Stars" in jedem Fall nennen würde. 

Die Protagonistin Elise ist stark (viel stärker, als sie denkt), und auch wenn sie an der einen oder anderen Stelle ein wenig naiv agiert, kann sie den Leser ingesamt erfolgreich an ihre Geschichte fesseln. Ihre Taubheit ist sehr gut in die Handlung eingebunden, und es gelingt, sich in ihre Situation einzufühlen. Ihre Entwicklung und das Ende sind authentisch und mit viel Gefühl gestaltet. 

Gavin Hartley, der berühmte Schauspieler, der es Elise so angetan hat, konnte mich nicht zu hundert Prozent überzeugen. Sein tragisches Geheimnis, und dass er in Wahrheit überhaupt nicht abgehoben, eingebildet und außerdem praktischerweise nicht in einer Beziehung ist, waren für mich ein bisschen viel des Guten. Doch da das Genre solche Figuren ja eigentlich schon voraussetzt, darf dieses Buch sich das durchaus erlauben.

Die Nebencharaktere haben zwar mitunter große Bedeutung für Elise, sind aber teils nicht wirklich originell (z.B. Elises schwuler bester Freund Jin) oder werden in nicht unbedingt notwendige Handlungsstränge verwickelt (z.B. Clint, ein Typ, den Elise an der Uni kennenlernt). Da man als Leser aber ohnehin am meisten an dem Verlauf von Elises Misere interessiert ist, tut das dem Lesevergnügen nicht viel Abbruch.
Veronica, die Frau, die Elises Rolle einnimmt, finde ich interessant - im Englischen gibt es noch ein Companion, das ihre Geschichte behandelt, und ich bin gespannt, ob dieses es vielleicht auch auf den deutschen Markt schaffen wird. Da sie sich Elise gegenüber eher verschlossen zeigt, gäbe es noch viel über ihre Hinter- und Beweggründe zu erfahren. 

Was noch etwas besser hätte umgesetzt werden können, ist das Geheimnis um Elises Unfall. Lange Zeit ist man gespannt, was denn nun wirklich passiert ist, und dann kommt die Wahrheit durch einen recht konstruierten Zufall ans Licht und wird dann etwas zu schnell abgehandelt.

(Für wen) Lohnt es sich?


Jeder, den ein paar unvermeidliche Klischees - wie der perfekte, einfühlsame Star, der in Wahrheit nur missverstanden wird - am Rande nicht abschrecken, und der grundsätzlich für romantische Geschichten zu haben ist, kann bei diesem Buch auf seine Kosten kommen.
"Among the Stars" kann auf jeden Fall aus dem Einheitsbrei hervorstechen und bringt ein paar unverbrauchte Themen und Ideen mit.

In einem Satz:


"Among the Stars" ist eine erfrischende, humorvolle und doch tiefergehende Liebesgeschichte mit dem großen Thema, was es bedeutet, zu sich selbst zu stehen. 

Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an den Verlag!

Donnerstag, 3. August 2017

Lass dich von der Schönheit der Natur finden

 


Hallo alle zusammen :)

Ich melde mich dann auch noch mal nach etlicher Zeit :'D
Hier seht ihr das Geburtstagsgeschenk für meine Mutter. Falls euch irgendwann mal die Ideen ausgehen und ihr gern kreativ tätig werden wollt - diese Holzkisten/-truhen bekommt man in jedem Bastelladen oder auch über den Online-Versand von Gerstaecker oder Boesner.


Trotz vorlesungsfreier Zeit bin ich noch ziemlich in Uniarbeiten eingespannt, daher gibt es wohl wieder länger nicht so viel von mir zu sehen.
 
Natürlich zeichne und male ich nebenbei fleißig, aber momentan habe ich das Gefühl, dass nicht viel dabei rumkommt. Aber wer weiß, vielleicht habe ich ja demnächst wieder einen richtigen Motivationsschub und finde meine Sachen plötzlich wieder wahnsinnig originell (haha).

Wie verbringt ihr euren Sommer?
Lasst ihr euch in die Natur locken oder ist Dauerregen angesagt?
Irgendwelche spannenden Bücher gelesen in der letzten Zeit?


Ich grüße euch herzlichst & wünsche wie immer Alles Liebe,

Miriam

Freitag, 28. Juli 2017

Die Fabelmacht-Chroniken 1 - Kathrin Lange

  Rezension zu
"Die Fabelmacht-Chroniken - Flammende Zeichen"
von Kathrin Lange


Hardcover, 416 Seiten
Arena (19. Juni 2017)
ISBN-13: 978-3401603391
Band 1 der "Fabelmacht-Chroniken"

Worum geht's?


"All diese Welten können wir erreichen, indem wir ein Buch aufschlagen, aber diese eine, in der wir selbst nur eine Geschichte sind, nicht."
"Ja", sagte er leise. "Ja, vielleicht." (S. 304)
Mila ist siebzehn und hat genug davon, bemuttert zu werden. Sie weiß ja nicht einmal, was damals geschehen ist, als ihr Vater und ihr Bruder ums Leben kamen, und ihre Mutter Helena spricht nicht darüber. Um Abstand zu gewinnen, flieht sie zu einer Freundin nach Paris. Doch kaum hat ihr Zug den Bahnhof erreicht, setzen sich Dinge in Bewegung, von denen sie nichts geahnt hat: Die Geschichten, die sie schreibt, beginnen Wirklichkeit zu werden. Plötzlich steht ihr Nicholas gegenüber, den sie schon seit Jahren von den Abenteuern in ihrem Notizbuch kennt. Und wie es scheint, ist Mila nicht die Einzige, die über ihn und sich geschrieben hat ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Hier war es vor allem das Thema, das mich gleich in seinen Bann gezogen hat. Wenn man selbst Geschichten schreibt, stellt man sich natürlich gern mal vor, wie es wäre, wenn Dinge und Figuren aus der fiktiven auf einmal in die reale Welt, mitten ins eigene Leben gelangen würden. 
Die Idee, dass es Fabelmächtige gibt, die die Gabe besitzen, Geschichten wahr werden zu lassen, hat mir gut gefallen. Dazu eine Liebesgeschichte und viele Geheimnisse - sehr vielversprechend!
Das Cover ist sehr liebevoll auf die Geschichte abgestimmt. Man merkt, dass es bei der Gestaltung wirklich darum ging, dem Inhalt gerecht zu werden.

Dieses Gefühl, von dem er sprach, hatte sie oft. Die Wirklichkeit, ihr echtes Leben, kam ihr neben den Dingen, die sie schrieb, fast immer blass und seltsam flach vor. Manchmal fragte sie sich sogar, ob es nicht vielleicht die Geschichten waren, die die wahre Wirklichkeit darstellten. Ob sie in Wahrheit schlief, wenn sie nicht schrieb. (S. 216)

Wie es mir gefallen hat:


Von der ersten Seite an ist man mittendrin: Man begleitet Mila auf dem Weg nach Paris und ist schon dort angekommen. Man muss aufmerksam lesen und erst mal viele Personen und Hinweise einordnen. Was dabei ein bisschen zu kurz kommt, ist Milas bisheriges Leben. Ich hätte mir gewünscht, sie ein bisschen besser kennenzulernen, um dann mitzuerleben, was die Geschehnisse für sie bedeuten und wie das Ganze sie beeinflusst.

Mit Nicholas ist es mir ähnlich ergangen. Ich finde es toll, dass die Perspektive sich manchmal auf ihn richtet (und ihm übrigen auch auf einige weitere Charaktere), weil das noch mehr Abwechslung und Spannung in die Geschichte bringt. Doch er bleibt etwas zu sehr auf den perfekten Jungen mit dem tragischen Hintergrund beschränkt, der Mila schützen will, indem er ihr nicht sagt, wo sie da eigentlich reingeraten ist. Die Liebesgeschichte konnte so noch nicht ganz überzeugen, zumal beide Figuren mir zu fremd geblieben sind und die gemeinsame Basis nicht deutlich genug vermittelt werden konnte.
Gut ist aber, dass Mila sich nicht so ohne weiteres beschützen lassen will - davon hat sie dank ihrer Mutter definitiv genug.

Ein besonderes Händchen hat die Autorin für Nebencharaktere - der wagemutige und irgendwie doch sensible Eric, die kreative, lebenssprühende Isabelle oder der hilfsbereite Buchhändler Maréchal haben es mir besonders angetan und für viele wunderbare Szenen gesorgt. Oft habe ich hier weniger Distanz zu den Figuren gespürt als bei den eigentlichen Protagonisten.

Was mich immer mal wieder ein wenig aufgeregt bis verärgert hat, sind Milas Reaktionen. Sie wirkt häufig sehr gefasst angesichts des Chaos' um sie herum, hinterfragt kaum etwas und stellt selten die richtigen Fragen (oder es kommen Ausreden wie "Jetzt war nicht der richtige Moment" oder "Sie war gerade zu müde, um weiter darüber nachzudenken"). So werden Dinge, die den Leser brennend interessieren, aufgeschoben, ohne dass ein wirklicher Grund dafür besteht.

Eine Stadt wie Paris für ein Jugendbuch in Szene zu setzen, ist nicht ganz einfach - es ist einfach ein sehr beliebter Schauplatz, mit dem auch viele Klischees verbunden sind.
Kathrin Lange gelingt es hier aber, die Stadt wirklich lebendig werden zu lassen.
Zusammen mit der sich dort entfaltenden Fabelmacht und ihren ganz eigenen Gesetzen ergibt sich ein schillerndes Gesamtbild, das sich sehen lassen kann.

Das Ende ist großartig und einfühlsam geschrieben und macht Lust auf mehr. Obwohl eine Geschichte (scheinbar?!) endet, bleiben noch viele Rätsel zu lösen.

(Für wen) Lohnt es sich?


"Die Fabelmacht-Chroniken - Flammende Zeichen" ist ein unterhaltsames, fantasievolles Jugendbuch für die Kernzielgruppe ab 14. Auch die älteren Leser des Genres kommen auf ihre Kosten.
Wer Geschichten liebt, sollte sich das Buch nicht entgehen lassen, denn die Liebe zum geschriebenen Wort sprüht hier förmlich aus den Zeilen.

In einem Satz:


Der Auftakt der "Fabelmacht-Chroniken" punktet mit einer zauberhaften, gut entfalteten Grundidee, liebevoll beschriebenen Schauplätzen und sympathischen Nebenfiguren - nur was die Gestaltung der Protagonisten und der Liebesgeschichte angeht, erscheint einiges noch steigerbar.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an den Verlag!

Montag, 10. Juli 2017

Des Nachts

"Des Nachts", 50 x 70 cm, Acryl auf Leinwand, 2017
Des Nachts kommt es zuweilen vor, dass der Schlaf auf sich warten lässt, die Dunkelheit mich zu ersticken versucht und der Lärm in meinem Kopf sich sturmartig Raum verschafft.

Des Nachts kommt es zuweilen vor, dass klamme Finger nach mir greifen, Stimmen meinen Namen rufen, mich rastlose Motten gleich unbeantworteten Fragen umschwirren und ich mir selbst beim Tappen durch die Finsternis zusehe.

Des Nachts kommt es zuweilen vor, dass mich die Schlaflosigkeit für schuldig erklärt, ohne dass ich ahnen kann wofür, ohne dass mir die Möglichkeit eingeräumt wird, mich zu rechtfertigen, und der Mond bleibt nichts weiter als ein unparteiisches, ausdrucksloses Gesicht, obwohl er mehr weiß als ich.

Des Nachts kommt es zuweilen vor, dass ich mich mit mir selbst allein gelassen fühle, mich dem Strudel meiner Furcht überlasse, den Orkan nicht zu bezwingen weiß und mich damit in eigene Ketten lege.

Samstag, 8. Juli 2017

Nothing Like Us - Kim Nina Ocker

eBook, 530 Seiten
Lyx (6. Juli 2017)
ISBN: 978-3-7363-0565-6
Preis: 6,99 €
Upper-East-Side-Reihe, Band 1

 

Worum geht's?


Lena (20) hofft sich ihrem großen Berufstraum einen Schritt näher: Ihr Praktikum in der Küche des WEST Hotel & Residences in New York soll ihr die ersten Türen öffnen.
Dass sie dann erst mal gar nicht in der Küche eingesetzt wird, sondern fegen und Wäschekammern aufräumen soll, passt ihr gar nicht. Kein Wunder, dass sie keinen Nerv für den allem Anschein nach ziemlich faulen, wenn auch attraktiven Praktikanten hat, mit dem sie zusammenarbeiten soll.
Was sie nicht weiß: In Wahrheit ist es niemand anderes als Sander Nicolas West, der Sohn des Hotelbesitzers, den sie da herumkommandiert. Und der findet das so amüsant und erfrischend, dass er sie nicht über die Verwechslung aufklärt. Schon bald kommen die beiden sich näher. Doch wird sie ihm jemals verzeihen können, wenn sie es herausfindet? Und wie könnten ihre Träume jemals zu seiner Zukunft passen?

Was mich neugierig gemacht hat:


Meine Neugier hat hier zuerst das Setting mit dem Luxushotel geweckt, zu dem auch das Cover mit dem edlen Türschild sehr gut passt. Obwohl es eigentlich sehr schlicht und thematisch naheliegend ist, fand ich es gleich sehr ansprechend und wollte wissen, worum es hier wohl gehen würde.
Der Titel lässt zwar darauf schließen, dass es sich um eine Liebesgeschichte handelt, hebt sich aber davon abgesehen nicht wirklich von der breiten Masse ab und kommt damit ein bisschen willkürlich und fast schon nichtssagend daher. Über den Hinweis auf das Genre hinaus vermittelt er nicht das Besondere an der Geschichte.

Wie es mir gefallen hat:


"Nothing Like Us" lässt mich ein wenig zwiespältig zurück. In einigen Punkten ist es sehr gut umgesetzt, in anderen dagegen ausbaufähig. Die positiven und negativen Aspekte halten sich die Waage und führen insgesamt zu einem Gesamtbild aus verschiedenen, einander entgegenstehenden Eindrücken.

Würde ich mein Gefühl beim Lesen in einem Kurvendiagramm darstellen, würde die Linie weit oben starten, dann mit einer leichten Abwärtstendenz verlaufen, im letzten Drittel ihren Tiefpunkt erreichen und zum Ende hin wieder stark ansteigen.
Der Anfangsteil mit dem Praktikumsbeginn und Lenas und Sanders Kennenlernen ist besonders gut gelungen und das zuckersüß arrangierte Ende hat mich wieder ein wenig mit den kleinen Schwächen und Längen auf dem Weg dahin versöhnen können.

In gewisser Weise ist die Grundsituation, dass Lena nicht über Sanders Identität Bescheid weiß, der Leser sich aber darüber im Klaren ist, ein Problem der Geschichte.
Zwar besteht ein bestimmtes Maß an Spannung darin, mitzuverfolgen, wie Sander die Enthüllung hinauszögert und man doch weiß, dass Lena irgendwann dahinterkommen wird. Doch dies wird zu sehr ausgereizt. Es dauert lang, bis es endlich zur Konfrontation kommt. Im Verhältnis verdaut Lena das Ganze dann unerwartet schnell.
Auch weitere Konflikte im Verlauf ziehen sich etwas zu sehr in die Länge, sodass der doch recht große Umfang des Buches ruhig ein bisschen hätte gestrafft werden dürfen.

Der Perspektivwechsel zwischen Ich-Erzählerin Lena und Ich-Erzähler Sander ist gut umgesetzt, wobei der Part Letzterens gerne noch ein bisschen stärker hätte ausfallen können.
Die Art des Erzählens ist sehr nah an den Figuren und selbst in dramatischen Situationen noch humorvoll und selbstironisch.
Besonders über Lena hätte ich gerne noch das eine oder andere aus ihrem Leben vor New York erfahren - es kommt schon fast so rüber, als hätte sie alle Zelte abgebrochen und bis auf Pflichttelefonate mit ihrer Mutter keinen Kontakt mehr nach Deutschland. 

Die Liebesgeschichte entwickelt sich im Großen und Ganzen gut; nur einzelne Elemente haben mich gestört (wie z.B. Sätze à la "Ich glaube, ich verliebe mich gerade", nachdem die beiden schon zusammen waren - sollte das nicht passieren, bevor man etwas miteinander anfängt?)
Was auch ein bisschen auffällig war, ist, dass Sander ständig überall zufällig auftaucht, obwohl das in einer Stadt wie New York ja doch eher unwahrscheinlich ist. 

Manchmal entstehen kleine Irritationen durch die Sprache - zumal die Dialoge natürlich Deutsch sind, in Wirklichkeit aber auf Englisch stattfinden. So habe ich mich z.B. darüber gewundert, dass manchmal von der "Sie"-Anrede die Rede war, die es im Amerikanischen ja gar nicht gibt.
Was mir sprachlich wiederholt aufgefallen ist, ist außerdem, dass Verben falsch kombiniert worden sind (z.B. "in mein Zimmer gestürmt und mich (...) gezwungen hatte", "meine Taschen abgestellt und verschwunden war", "an dem Sander im Club aufgetaucht und mich ins Hotel gebracht hatte") - das aber nur am Rande.

Insgesamt gab es also sowohl Momente, in denen ich das Buch toll fand, als auch solche, in denen ich ein wenig genervt war.
Ich bin jedenfalls gespannt, worum es wohl in der Fortsetzung gehen wird, und werde die Upper-East-Side-Reihe mal im Auge behalten.

(Für wen) Lohnt es sich?


Wer Liebesgeschichten mit viel Gefühlswirrwarr und Hin und her mag und die altbewährte Problematik von Schichtunterschieden, bekommt hier eine kurzweilige Geschichte geboten.
Man sollte aber auf viel Hin und Her vorbereitet sein und auch ein bisschen Geduld dafür aufbringen können, wenn Konflikte nicht unbedingt begründet ein wenig in die Länge gezogen werden.

In einem Satz:


"Nothing Like Us" ist gut geschrieben, sehr unterhaltsam und trotz ein paar Klischees und Längen ein empfehlenswerter Liebesroman.


Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag und an Vorablesen!

Samstag, 1. Juli 2017

Nemesis - Anna Banks

  Rezension zu "Nemesis - Geliebter Feind"
von Anna Banks

Softcover, 432 Seiten
cbt (13. Juni 2017)
ISBN-13: 978-3570311424
Preis: 12,99 €
Band 1 von 2

Worum geht's?


Sepora hat ihren Tod vorgetäuscht und ist geflohen. Als einzige Schmiedin des wertvollen Elementes Spektorium in ihrem Reich ist sie für ihren Vater, den König, zu einer mächtigen Waffe geworden, die sie ihm nur nehmen kann, indem sie verschwindet.
Ihr Plan, im benachbarten Theoria im Geheimen unter den Niedriggeborenen zu leben, scheitert, als sie gefangen genommen und von einem Prinzen an niemand geringeren verschenkt wird als an dessen Bruder Tarik - den Pharao von Theoria. Der junge Herrscher ist ganz anders als erwartet, doch kann sie ihm vertrauen? Oder ist sie nur von einer Falle in die nächste gestolpert?

Was mich neugierig gemacht hat:


Auch wenn ich noch nicht die ganze Reihe gelesen habe, ist mir der Auftakt zu der "Blue Secrets"-Reihe von Anna Banks positiv als unterhaltsam und humorvoll in Erinnerung geblieben, sodass ich bei ihrem Namen auf dieser Neuerscheinung gleich aufmerksam geworden bin.

Das deutsche Cover finde ich sehr gelungen, zumal es sich vorbildlich wirklich mal an die Beschreibungen der Protagonistin im Buch hält - bis hin zu ihrer Kleidung!

Auch die Geschichte bringt vieles mit, was sie für mich sofort zu einem Must-Read gemacht hat: fantastische Reiche, Königsfamilien und ihre Konflikte, eine Prinzessin, die ihre wahre Identität verbirgt und am Hof ihres Feindes landet, um sich gegen ihren Willen in ihn zu verlieben - eine vielversprechende Ausgangslage für ein geniales Buch!

Wie es mir gefallen hat:


Verschiedene Königreiche mit Eigenheiten und Hintergrundgeschichte, Flugschlangen, Wasserwesen, die menschenähnlich sind und doch eine ganz eigene Lebensweise haben, Pyramiden, fremde Elemente mit besonderen Kräften, eine mysteriöse Seuche und eine Heilerschule - das sind nur einige der besonderen Bestandteile von "Nemesis".
Je weiter ich gelesen habe, desto mehr konnten mich die vielen detailliert ausgearbeiteten Ideen der Autorin faszinieren, auch wenn ich zu Beginn ein wenig Zeit gebraucht habe, um den vielen Informationen folgen und in ihre Welt einordnen zu können. 

Natürlich ist das Ganze garniert mit einer Liebesgeschichte, die ja schon in Titel und Klappentext stark als Aufhänger dient. 
Ich habe es als sehr angenehm empfunden, dass dieser romantische Aspekt hier durchaus gleichberechtigt mit den politischen und persönlichen Konflikten behandelt wird. Dennoch sind die Gefühle zwischen Sepora und Tarik für meinen Geschmack einen Hauch zu nüchtern dargestellt - immer wenn es zu entscheidenden Szenen zwischen den beiden kommt, werden kaum emotionale Reaktionen aufgegriffen. 

Der Wechsel zwischen Sepora als Ich-Erzählerin und Tarik (3. Person Präsens) hat mir gut gefallen, auch wenn besonders die letzteres Erzählweise ein wenig ungewohnt ist. Wenn über Dinge in der Vergangenheit gesprochen wird, wird fälschlicherweise Präteritum oder Plusquamperfekt verwendet statt dem eigentlich korrekten Perfekt, was mich hin und wieder ein bisschen gestört hat.
Sepora und Tarik sind sehr interessante Figuren, und dass beide einander aufgrund ihrer Rollen immer wieder Wahrheiten vorenthalten müssen, hält die Spannung. Tariks Gabe, Lügen zu erkennen, steigert diese nur noch und ist ein weiteres gelungenes Puzzleteil im Gesamtbild.

Bis auf ein paar kleinere Fragen, die offen bleiben oder auf logische Lücken hindeuten (z.B warum das so fortschrittliche Theoria auf seinem Basar noch Menschenhandel duldet oder warum Sepora noch nicht enttarnt wird, als man sie mit Spektorium auffindet), verläuft die Handlung geradlinig und überzeugend. 

(Für wen) Lohnt es sich?


Zu diesem Buch sollte man greifen, wenn man gern in fremde, exotische Fantasyreiche eintaucht und sich dort vor allem in der Oberschicht herumtreiben möchte.
Wer sich eine reine Romanze erhofft, wird enttäuscht werden, zumal die Hintergründe und die Konflikte zwischen den Reichen hier viel Raum einnehmen und mit Liebe zum Detail erzählt werden.

In einem Satz:


"Nemesis - Geliebter Feind" ist ein gut durchdachter, handlungsstarker und fantasievoller YA-Roman mit wenig Luft nach oben für den zweiten Band.


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an den Verlag!

Freitag, 30. Juni 2017

Halbjahresstatistik 2017

Ist das wirklich wahr? Schon ist der Juni auch wieder zuende.
Gerade noch rechtzeitig habe ich bemerkt, dass es somit Zeit für meine Halbjahresstatistik wird, nun schon die fünfte in der Geschichte von "Dreaming till Midnight" (!)

Seit Januar habe ich 19 Bücher gelesen; was sehr nah an meine Zahl von 2015 herankommt - letztes Jahr waren es mit 25 zu diesem Zeitpunkt schon eine Handvoll mehr. 
Mit dem Rezensieren war ich dieses Jahr bisher nicht ganz so fleißig wie sonst:  
14 Rezensionen haben das Licht der Blogwelt erblickt.

Diese Bücher sind für 2017 bisher meine Top 5 (die Reihenfolge ist jetzt nicht in Stein gemeißelt - die Bücher sind einfach diesmal auch unglaublich unterschiedlich und kaum vergleichbar!):

Platz 5: Wenn ich dich nicht erfunden hätte, Julia Dibbern

Keine süße Geschichte, sondern eine mit Kanten, eine, die nichts beschönigt, einem nichts schenkt und gerade dadurch so überzeugend wird. Zur Rezension

 Platz 4: Caraval, Stephanie Garber

In jeder Hinsicht ein magisch einfallsreiches Buch, in dessen Welt man wunderbar abtauchen kann und aufpassen muss, sich nicht zu verirren - Wunderland reloaded, live und in Farbe! Zur Rezension

Platz 3: Was es ist, Julia Willmann
 
Kein leichtes Buch für nebenbei, sondern eine kunstvoll erzählte, tiefgehende, zeitweise bedrückende Geschichte, die einen drängt, sich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen, um ihre Lebensweisheit für sich entdecken zu können. Zur Rezension

Platz 2: Jolas Briefe, Lisa Wingate 

"Jolas Briefe" berührt, es inspiriert und thematisiert die Themen Gottvertrauen, Nächstenliebe und Selbstfindung auf unaufdringliche, authentische Weise. Zur Rezension

Platz 1: The School for Good and Evil - Es kann nur eine geben, Soman Chainani

Ehrlich, Leute, dieses Buch ist der HAMMER! Ich war mir erst ein bisschen unsicher, was da wohl auf mich zukommen würde, da es ja eher ein Kinderbuch ist, aber es hat mich auch mit meinen 23 Jahren total begeistern können. 

Super viel Witz, Einfallsreichtum und Genialität; gefühlt jedes Märchenklischee wird auf die Schippe genommen, und noch dazu ist die Story wunderschön :)
Die Rezi dazu kommt noch.


Besonders gut gefallen haben mir außerdem:

Der größte Flop, den ich in diesem Halbjahr dabei hatte, war für mich "Infernale - Rhapsodie in Schwarz" (Band 2) von Sophie Jordan.
Die faszinierenden Hintergründe werden zugunsten einer klischeehaften Liebesgeschichte und einer negativen Entwicklung der Protagonistin hin zu einer sich selbst bemitleidenden, unsympathischen Nörglerin verdrängt und bis auf den Schreibstil bleibt an dem Buch kaum etwas Gutes.

Daneben hat mich leider auch das Dilogiefinale "Rache und Rosenblüte" ein wenig enttäuscht, aber nicht halb so sehr.



Dieses Jahr waren es 7 Leserunden, bei denen ich mitgemacht habe (und damit drei mehr als letztes Jahr) - neben bereits erwähnten Büchern habe ich besonders die zu "Liebe ist wie Drachensteigen" von Ashley Herring Blake genossen.
Blogtourbeiträge hat es bei uns dieses Jahr noch nicht gegeben.

Mein SuB hat natürlich neues Futter bekommen, wobei ich es tatsächlich geschafft habe, unter dem Vorjahr (mit unglaublichen 56 Prints) zu bleiben.
In den ersten sechs Monaten von 2017 gab es für mich 47 Print- und 10 eBook-Neuzugänge.

Die Print-Bücher verteilen sich so:


  •  7 Buchgewinne
  • 15 ertauschte Bücher
  • 13 Rezensionsexemplare (inkl. Leserundenbüchern)
  • 5 Buchkäufe 
  • 7 Geschenke
Mit dabei sind ganz viele Titel, auf die ich mich schon unglaublich freue, z.B. "Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" von Ulla Scheler, "Das Juwel - die weiße Rose" von Amy Ewing, "Das Reich der sieben Höfe" von Sarah J. Maas, "Wie Treibholz am Strand" von Gina Holmes, "Pearl" von Julie Heiland und und und ...

 
Wie war euer erstes Lesehalbjahr 2017? Und auf welche Neuerscheinungen dieses Jahr freut ihr euch besonders?

Donnerstag, 15. Juni 2017

Uni-Skizzen


































Zeichnen hilft, den Tag zu überstehen. Aber manchmal frustiert es auch.

Ein schönen Feiertag!
- Miriam

Montag, 12. Juni 2017

Keep me safe - Sarah Alderson


Softcover, 384 Seiten 
Ravensburger Buchverlag (24. August 2016)
ISBN-13: 978-3473584932
Preis: 9,99 €

Originaltitel: Conspiracy Girl
Standalone

Worum geht's?


Nic Preston hat in den letzten Jahren viel durchgemacht. Seit dem Mord an ihrer Mutter und ihrer Stiefschwester trainiert sie Kampfsport, hat ihre Wohnung durch eine der besten Sicherheitsfirmen ausstatten lassen und vertraut niemandem mehr. Als sie trotz all ihrer Vorkehrungen aufgespürt wird, muss sie ausgerechnet bei dem Jungen Schutz suchen, der damals im Prozess für die Gegenseite ausgesagt hat.

Finn Carter ist ein Hackergenie, und auch wenn aus seiner Karriere beim FBI nichts geworden ist, schlägt er sich gut durchs Leben - bis eine Freundin und frühere Kollegin ihm die Verantwortung für Nic aufs Auge drückt und Finn alle Hände voll zu tun hat, sein Herz nicht zu verlieren. Denn er weiß aus Erfahrung, dass das  niemals gut ausgehen kann ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Auch wenn ich persönlich nicht unbedingt ein Fan von englischen Titel für deutsche Ausgaben bin und auch nicht von sehnsüchtigen Pärchengesichtern auf dem Cover, hat mich "Keep me safe" auf den zweiten Blick ganz schön neugierig gemacht. Zwei Ich-Perspektiven, Action und Thrill mit einer Liebesgeschichte und ein paar große Geheimnissen? Das klingt doch nach einer guten Mischung, oder?

Wie es mir gefallen hat:


Auch wenn ich ein paar kleinere Kritikpunkte haben, aufgrund derer mich "Keep me safe" nicht restlos überzeugen konnte, hat mir das Buch insgesamt gut gefallen.
Besonders begeistert bin ich von dem Perspektivwechsel der Ich-Erzähler Nic und Finn, der wirklich gut gelungen ist. Beide haben eine sehr eigene Stimme; es wird bisweilen emotional, aber es gibt auch immer wieder etwas zum Schmunzeln.

Die Hintergrundhandlung bleibt spannend, da Nic und Finn lange im Dunkeln tappen, wer da hinter Nic her ist - und warum. Die Auflösung war interessant und es ging um ein Thema, das mir so bisher im Jugendbuch noch nicht begegnet ist (mehr möchte ich hier aber nicht verraten).
Zusätzlich gibt es ein paar Geheimnisse aus Finns Vergangenheit, die zwar eher nebenbei aufgelöst werden, aber durch die vielen Andeutungen bis dahin doch neugierig machen.

Die Liebesgeschichte nimmt für meinen Geschmack etwas zu sehr überhand und hinter Nics Konflikt, dass sie niemandem mehr trauen kann, und Finns Konflikt, dass er Nic nicht zu nah an sich heranlassen darf, geht die eigentliche Handlung zeitweise ein bisschen verloren. Es ergeben sich auch ein paar Augenrollmomente, wie z.B. eine Kussszene, nachdem Nic angeschossen worden ist.
Stellenweise war ich ein wenig verwirrt, weil ich mal den Eindruck hatte, ein Buch für junge Erwachsene in Händen zu halten, dann wieder für Jüngere - für beide Zielgruppen sind Elemente dabei, was in gewisser Weise aber auch einen Vorteil darstellt.

(Für wen) Lohnt es sich?


Dieses Jugendbuch richtet sich auch an alle "älteren Jugendlichen" mit einer Vorliebe für kurzweilige Liebesgeschichten mit einer Spannungshandlung, die zwar nicht immer unvorhersehbar ist, aber ein interessantes Grundthema hat.

In einem Satz:


"Keep me safe" punktet durch einen tollen Perspektivwechsel und eine rasante Hintergrundgeschichte und bietet trotz kleinerer Klischees und der einen oder anderen absehbaren Wendung sehr gute Unterhaltung.

Samstag, 27. Mai 2017

Jolas Briefe - Lisa Wingate

Taschenbuch, 336 Seiten
Verlag der Francke-Buchhandlung (1. Januar 2017)
ISBN-13: 978-3868276299
Preis: 14,95 €
Originaltitel: The Prayer Box

Worum geht's?


Ich betrachtete die Kompassrose und wartete, während die Bibliothekarin weiter die Glastür putzte. Wenn nur im wahren Leben die Richtung auch so leicht zu finden wäre. Ich brauchte jemanden, der mir zweigte, in welche Richtung ich gehen sollte, was ich jetzt tun sollte. (S. 138 f.)
Tandi ist mit ihren beiden Kindern aus ihrem alten Leben geflohen. Hier auf Hatteras Island will sie nun, nach all den Enttäuschungen der Vergangenheit, endlich Fuß fassen. Dabei bekommt sie unerwartet Hilfe: Schon, dass sie im Haus ihrer verstorbenen Nachbarin im Auftrag der Kirche für Ordnung sorgen soll, ist ein Glücksfall, doch dann stößt sie dabei auf etwas ganz Besonderes. In den verschiedensten Gebetskästen hat Jola Anne Poole ihr Leben in Briefen an ihren himmlischen Vater dokumentiert. Mit zunehmender Neugier liest Tandi sich ein - und spürt bald schon, dass Jolas Geschichte die Kraft hat, sie zu verändern.

Was mich neugierig gemacht hat:


Seit "Die Hüterin der Geschichten" bin ich ein Lisa-Wingate-Fan und habe mich bei "Jolas Briefe" auf ein weiteres ihrer ruhigen, tiefgehenden und emotionalen Bücher gefreut.

Wie es mir gefallen hat:


Ein Liebesbrief an das Leben und den Schöpfer aller Dinge ist es, den Lisa Wingate hier geschrieben hat, in Form der Geschichte einer jungen Mutter, die mit sich selbst und ihrer Vergangenheit ringt und nach und nach erkennt, wohin sie gehört und dass sie dort nicht allein ist. 
Lisa Wingate hat ein echtes Händchen für Charakterentwicklungen. Auch mit Tandi hat sie wieder eine facettenreiche Hauptfigur geschaffen, bei der man den Eindruck gewinnt, die Autorin kenne sie wirklich schon ihr Leben lang. 
Zu Beginn ist Tandi keine Heldin. Sie hat Fehler gemacht, flieht vor deren Folgen und vor sich selbst. Als Mutter macht sie sich nicht besonders gut und immer braucht sie einen Mann an ihrer Seite, an den sie sich klammern kann. Trotzdem schleicht sie sich schnell ins Herz des Lesers, und man beobachet staunend, wie das Leben einer verstorbenen Frau sie Schritt für Schritt aus ihrem Schneckenhaus lockt. 
Es ist schön zu beobachten, wie Tandi sich durch ihre Zeit in Jolas Haus und ihrer Vergangenheit mehr und mehr mit sich selbst auseinandersetzt, merkt, dass sie eigentlich eine Konstante in ihrem Leben braucht und sich ihren Kindern wieder neu zuwenden muss.
Auch die anderen Charaktere sind liebevoll gezeichnet: Da haben wir bspw. Tandis Kinder Zoey und JT, der etwas schräge Vogel Paul, der das Leben so wunderbar gelassen angeht, die Muschelladen-Schwestern und natürlich Jola, die posthum neben Tandi die Hauptrolle spielt.
Selbst die Figuren, die nicht gerade als Sympathieträger auftreten, wie Tandis Freund Ross oder ihre Schwester Gina, werden überzeugend dargestellt. Über den Verlauf der Beziehung von Tandi und Gina war ich ein bisschen traurig.

Jolas Briefe sind wunderschön geschrieben, passagenweise nahezu poetisch und offenbaren immer mehr von einer beeindruckenden Lebensgeschichte. Es gibt einen guten Ausgleichen zwischen direkt eingefügten Briefen und Passagen, die die Erzählerin für den Leser zusammenfasst. Lediglich am Ende hätte ich mir noch ein paar zusätzliche Einblicke in ein paar Punkte von Jolas Geschichte gewünscht.
Die Grundidee, durch die Briefe in den Gebetskästen eine zweite Erzählebene zu eröffnen und so die Leben zweier Frauen miteinander zu verweben, finde ich wunderschön und sehr gelungen umgesetzt.

(Für wen) Lohnt es sich?


"Jolas Briefe" lohnt sich sehr, vor allem für diejenigen, die Geschichten mögen, die in aller Stille ihre Kraft entfalten und in denen man die Protagonistin auf dem Weg zu sich selbst begleitet.
Der christliche Hintergrund ist sehr einfühlsam eingebunden.

In einem Satz:


"Jolas Briefe" berührt, es inspiriert und thematisiert die Themen Gottvertrauen, Nächstenliebe und Selbstfindung auf unaufdringliche, authentische Weise.

 

Samstag, 20. Mai 2017

Was es ist - Julia Willmann


Gebundene Ausgabe: 230 Seiten
Fontis - Brunnen Basel (7. Februar 2017)
ISBN: 9783038481065
Preis: 16,00 € 

Worum geht's?


Violas Erfolg im Beruf fühlt sich an wie eine kugelsichere Weste. In ihrem gläsernen Büro entwickelt sie Marketingstrategien für Stofftiere und sieht ihrem Assistenten dabei zu, wie er für sie das Telefon abnimmt. Die Feierabende bieten ein anderes Bild. Da steht Viola am Fenster ihrer Loft-Wohnung und bügelt sich ins gedankliche Nichts. Weg von den Jahren zuhause. Weg von der Zeit mit Yannick, den sie geliebt hat, so mutig sie konnte. Als ihre Mutter erkrankt und ins Koma fällt, verliert Viola die Waffe, die sie geschützt hat: Kontrolle. Die Zugreisen zwischen Elternhaus und Wohnort, zwischen damals und heute, führen sie an unerwartete Orte. Zurück in ein Leben, mit dem sie nicht mehr gerechnet hat.
                                                                                                                          (offizieller Klappentext)


Was mich neugierig gemacht hat:


Zum einen war es der erste Eindruck von dem prägnanten Titel und dem so schlichten und sich gerade dadurch so ausdrucksstark entfaltenden Cover, zum anderen vor allem das Grundthema, das mich angezogen hat. Eine innere Entwicklung, die Suche nach sich selbst und dem Leben, das man führen will, das Verhältnis zu den älter werdenden Eltern und die Bewältigung von einer schweren Lebensphase - all das hat mich sehr neugierig auf die Umsetzung von "Was es ist" gemacht.

Wie es mir gefallen hat:


Literatur ist Kunst - das hat mir "Was es ist" noch einmal neu bewusst gemacht.
Es gibt so viele Spielarten, Geschichten zu erzählen. Dieses Buch hat eine ganz besondere.

Als Leser begleitet man Viola durch viele Szenen ihres Lebens - oft nur kurze Begebenheiten, die sich aneinanderreihen und insgesamt ein Puzzlebild ergeben, das der Leser zusammensetzen kann, um in Violas Situation und Stück für Stück auch ihre Vergangenheit hineinzufinden.
Durch die Kürze der Abschnitte und den Schreibstil, der ohne Ausschmückungen und in knappen Beschreibungen funktioniert, wird die kühle, oft bedrückende Atmosphäre der Geschichte noch verstärkt. Violas Seelenzustand wird praktisch in der Art des Erzählens widergespiegelt.

"Was es ist" ist keine leichte Kost, sondern sehr anspruchsvoll zu lesen, da es gilt, auf Details zu achten und viel zu interpretieren und sich selbst zu erschließen. Selbst kleine nebensächlich scheinende Dinge kann man als Metaphern oder Stimmungsfänger auffassen, wenn man sie eingehender betrachtet.
Obwohl man das Verhalten der Figuren (besonders natürlich der Protagonistin) beobachten kann, erhält man keinen direkten Zugang zu ihrem Wesen, sondern muss selbst deuten und zu verstehen versuchen.
Die Autorin erzählt zwischen den Zeilen noch weit mehr als die 230 Seiten selbst fassen könnten. Ein Stück weit lässt sie den Leser damit allein, und das mag nicht jedermanns Sache sein. Ich persönlich fand das Leseerlebnis sehr faszinierend, auch wenn ich an einigen Stellen ein bisschen ratlos war oder gern noch Konkretes über Viola erfahren hätte. Über das eine oder andere werde ich sicher noch nachzudenken haben
Man muss sich bei diesem Buch damit abfinden, dass man nicht so viele Erklärungen bekommt, wie man sich das vielleicht manchmal wünschen würde - wenn man das erkannt hat, entspinnt sich die ganz eigene Wirkung des Textes.

Für ein Buch wie dieses eine Bewertung zu finden, die sich in Sternen oder einer Note ausdrückt, ist fast unmöglich. Es ist ein Meisterwerk, aber es setzt beim Leser vieles voraus - vor allem die Bereitschaft, sich auf die vielen Zwischentöne einzulassen. Daher wird es vielleicht nicht den Geschmack einer breiten Masse treffen, aber ich denke, genau das will und muss es auch gar nicht.
Ich vergebe gern die volle Punktzahl für dieses Buch, aber mit der kleinen Einschränkung, dass es den Zugang nicht für jeden leicht macht. Außerdem ist für mich ein kleiner Minuspunkt, dass das Thema Glaube sich nur hinter der Geschichte erahnen lässt. Wie Viola selbst oder z.B. auch ihre Eltern dazu stehen, wird nie explizit thematisiert. Ich hatte bei der "inneren Wende" durchaus damit gerechnet, dass Gott hier eine unmittelbare Rolle spielen würde, und aufgrund des Erscheinens in einem christlichen Verlag hätte ich selbst mir noch einen stärkeren Bezug in diese Richtung gewünscht.

(Für wen) Lohnt es sich?


"Was es ist" kann sich sehr lohnen und bereichernde Gedankenimpulse zu Themen wie Identität, Lebenskrisen, Familie, Selbsttäuschung und Davonlaufen, Sinnsuche, ... geben, wenn man vor der recht außergewöhnlichen Umsetzung und einer Tendenz zur Melancholie nicht zurückschreckt. Der Text fordert von einem, dass man sich auch über das, was schwarz auf weiß zu lesen ist, hinaus damit auseinandersetzt und in Eigenleistung Fäden weiterspinnt.

In einem Satz:


"Was es ist" ist kein leichtes Buch für nebenbei, sondern eine kunstvoll erzählte, tiefgehende, zeitweise bedrückende Geschichte, die einen drängt, sich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen, um ihre Lebensweisheit für sich entdecken zu können.

 
 


Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag!  



Sonntag, 14. Mai 2017

Lass uns rausgehen und schauen, was die Welt uns zu bieten hat

Stromkasten, Acryl- und Dispersionsfarbe, 2017
 Hallo ihr Lieben :)

Ist schon ein Weilchen her, dass ich diesen Stromkasten bemalt habe, ich hinke der Zeit mal wieder ziemlich hinterher...

Die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, hatte Hobbykünstler/-innen dazu aufgefordert, dass Stadtbild etwas aufzuhübschen, auf Wunsch meiner Mutter habe ich mich dann freiwillig gemeldet und - voilà: hier das Ergebnis.
Entstanden zwischen dem 8. und 10. April.

Gibt es ähnliche Aktionen bei euch in der Region? Wie bewertet ihr sie?
Ich bin ja mal gespannt, wie lange der Kasten in seinem jetzigen Zustand bleibt...

Eine gute Woche!
- Miriam
 

Samstag, 6. Mai 2017

Rache und Rosenblüte - Renée Ahdieh

Rezension zu "Rache und Rosenblüte"
von Renée Ahdieh



Gebundene Ausgabe, 432 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (one by Lübbe), 16. März 2017
ISBN: 978-3846600405
Preis: 17,00 €
Originaltitel: The Rose and the Dagger
Band 2 von 2


Worum geht's?


Shahrzad musste den Krieg beenden, den sie angezettelt hatte. Es war nicht nur eine Frage der Liebe. Es war eine Frage des Lebens. Und sie wollte diese Frage richtigstellen, ein für alle Mal. (S. 200)
Shahrzad hat schweren Herzens den Palast verlassen. Verzweifelt sucht sie nach einem Weg, Chalid von dem Fluch zu befreien, der ihrer gemeinsamen Zukunft im Weg steht. Doch während sie noch darum kämpft, die Fähigkeiten, die in ihr erwacht sind, unter Kontrolle zu bringen, rüsten sich Chalids Feinde für einen Krieg ...

Was mich neugierig gemacht hat:


"Zorn und Morgenröte" war ein zauberhaftes Buch, das mich ganz in seinen Bann ziehen konnte, und so habe ich mich auf "Rache und Rosenblüte" sehr gefreut und wollte unbedingt wissen, wie es für Shahrzad und Chalid und auch die anderen Figuren weitergehen würde.

Wie es mir gefallen hat:


 Nach dem "Zorn und Morgenröte" die Messlatte meiner Erwartungen so hoch gesetzt hatte, hat "Rache und Rosenblüte" es vielleicht ein bisschen schwer gehabt, an diese heranzureichen. Auf jeden Fall war das Buch insgesamt leider nicht ganz so stark wie erhofft.

Auf ein Glossar wurde dieses Mal verzichtet, genau wie auf Erinnerungshilfen zum bisherigen Geschehen. Es fiel mir bis zum letzten Drittel des Buches recht schwer, mich wieder an Einzelheiten der Vorgeschichte zu erinnern. Hier noch mal in Nebensätzen wichtige Infos aufzugreifen, hätte sicher geholfen. 

Während in Band 1 noch die Geschichte um Chalids und Shahrzads Kennenlernen, Shahrzads Trauer um ihre beste Freundin Shiva und die Enthüllung des Fluches mit seinen Konsequenzen im Vordergrund standen, fokussiert sich der zweite Band mehr auf Kriegspläne und die magischen Elemente. Diese Schwerpunkte haben mich nicht vollkommen überzeugen können und sogar für kleinere Längen gesorgt.

Weiterhin wechselt die personale Perspektive zwischen verschiedenen Figuren.  Dabei bekommt besonders Irsa, Shahrzads Schwester, zunehmend Raum. Diese Kapitel waren nicht schlecht, haben aber wenig zur eigentlichen Handlung beigetragen.

Gegen Ende gibt es ein paar sehr plötzliche Wendungen, die nicht ganz glaubhaft umgesetzt worden sind, sondern beim Lesen eher Stirnrunzeln hervorrufen. Der Plot überschlägt sich fast und dreht dann noch ein paar kleine Extraschleifen, um die Dramatik zu steigern, wobei er beinahe ins Übertriebene abrutscht.
Ein Punkt, der zwar nicht die Geschichte selbst betrifft, aber trotzdem erwähnt werden muss: Leider hat nicht derselbe Übersetzer von "Zorn und Morgenröte" übersetzt, und das merkt man. Es sind viele Patzer zu finden, die schöne Sprache der Geschichte geht unter holprigen Formulierungen fast unter.
Teils scheinen idiomatische Ausdrücke des Englischen einfach ins Deutsche gepresst worden zu sein.
Dass Shahrzads Fuß bisweilen in mehreren Pantöffelchen steckt (vgl. S. 380) oder Sätze wie "Wieder entging Chalid kein Pulsschlag" (S. 208) oder "Tarik würde diesen Umriss überall erkennen. Er hatte den größeren Teil seines Lebens damit verbracht, ihn zu speichern." (S. 243) sind nur kleine Beispiele.

Trotz einiger Schwächen bin ich froh, das Buch gelesen zu haben, und werde immer wieder gern an Shahrzads und Chalids Geschichte zurückdenken.

(Für wen) Lohnt es sich?


Wer Band 1 gemocht hat, wird sicher auch das Ende der Dilogie wissen wollen und weiterlesen. "Rache und Rosenblüte" ist keinesfalls eine Enttäuschung, aber leider dennoch nicht so mitreißend und begeisternd wie "Zorn und Morgenröte.
Die Vorgeschichte sollte man unbedingt kennen, da man sonst der Handlung nicht folgen kann.

Insgesamt ist die Reihe perfekt für alle, die die Atmosphäre aus 1001 Nacht  und romantische, geheimnisumwobene Liebesgeschichten mögen.
 

In einem Satz:   

 

Leider vermag "Rache und Rosenblüte" nicht ganz das Niveau des ersten Bandes zu halten: In einem nach wie vor wundervollen Setting mit einer beeindruckenden Protagonistin wird der Fluch plötzlich zur Nebensache und der Plot nach kleineren Längen zum Ende hin sprunghaft und fast ein bisschen melodramatisch bis kitschig. 

 

Mein Dank geht an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Montag, 24. April 2017

Caraval - Stephanie Garber

  Rezension zu "Caraval - Es ist nur ein Spiel ..."
von Stephanie Garber

Broschiert, 400 Seiten 
 ivi Verlag (20. März 2017)
ISBN-13: 978-3492704168
Preis: 14,99 €
Band 1 von 2

Worum geht's?


"Dieses Spiel ist fast wie ein Mensch. Wenn du es wirklich richtig spielen willst, dann musst du mehr über seine Vergangenheit lernen."
"Ich kenne seine Vergangenheit", sagte Scarlett. "Meine Großmutter hat mir Geschichten darüber erzählt, seit ich ein kleines Mädchen war." (S. 196)
Scarlett Dragna träumt schon lange davon, einmal Caraval besuchen zu dürfen - ein magisches Spiel in einer Welt, in der die Schausteller alles daran setzen, den Spielern jede Unterscheidungsfähigkeit von Realität und Illusion zu rauben. Doch ausgerechnet kurz vor ihrer Hochzeit mit einem fremden Grafen erhält Scarlett endlich die Möglichkeit. Für sie ist es ausgeschlossen, der Einladung zu folgen, doch ihre Schwester Donatella und der junge Seemann Julian entführen sie und bringen sie auf die geheimnisvolle Insel Master Legends, dem Herrn von Caraval.
Das Spiel beginnt - und Scarlett erkennt schnell, dass es längst nicht so zauberhaft ist, wie sie es sich erträumt hat ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Ich mag sehr gern Fantasy, die nicht mit den üblichen verdächtigen Welten und Wesen gefüllt ist, sondern ganz eigene Ideen entwickelt. Bei "Caraval" hatte ich da sofort ein gutes Gefühl.
Es mag im Moment auf dem Markt nicht nur ein Buch über ein bedrohliches Spiel geben, aber hier besteht der Reiz vor allem darin, dass man nie wissen kann, was echt ist und wo man selbst dem Zauber von Caraval erliegt und getäuscht wird. Das Magische, Skurrile an dieser Geschichte hat mich dazu gebracht, sie unbedingt lesen zu wollen. Außerdem fand ich es vielversprechend, dass es hier im Kern um zwei Schwestern geht.

Bei diesem Buch hätte ich mir auch sehr gut ein wunderschön gestaltetes Hardcover vorstellen können. Das hätte besser gepasst und außerdem wäre der Rücken nicht so empfindlich gewesen.

Wie es mir gefallen hat:


Fantasievoll, orginell, atmosphärisch - drei Schlagworte, die "Caraval" sehr gut beschreiben.
Eine Protagonistin, die Gefühle in Farben wahrnimmt, und eine magische Welt, in der es fiel zu entdecken und zu enträtseln gibt, sorgen für ein Leseerlebnis mit vielen Sinneseindrücken.
Schon der Einstieg, der über eine Reihe von Briefen erfolgt, ist mal etwas anderes und hat mein Interesse sofort geweckt.

"Caraval" lebt von seiner Kulisse. Es hat etwas von der Verrücktheit und dem Zauber von "Alice im Wunderland" - und auch von dessen eher düsteren Stimmung. Das hat meinen Geschmack auf jeden Fall getroffen und wird sicher auch andere Leser, die diese Art von Geschichten mögen, begeistern.
Die vielen verschiedenen Stränge und Hinweise üben einen Sog aus, und je weiter man liest, desto weniger kann man das Buch für eine Pause beiseitelegen.

Einen kleinen Abzug gebe ich dem Buch für die Charaktergestaltung. Obwohl man Scarlett aus personaler Perspektive begleitet, bleibt sie ein bisschen hölzern und oft zu naiv. Ihre Gedanken werden nicht unmittelbar "gezeigt", sondern oft nur beschrieben, was eine gewisse Distanz zu ihr aufbaut. Obwohl sie weiß, dass sie in Caraval ihren eigenen Augen nicht trauen darf, verlässt sie sich oft auf das, was ihr im ersten Moment als echt erscheint.
Auch bei anderen Figuren wie Julian oder Donatella hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe gewünscht.
Die Liebesgeschichte hätte es in meinen Augen tatsächlich nicht unbedingt gebraucht - so läuft sie eher nebenher und konnte mich nicht so richtig mitreißen.

Das Buch hält viele Überraschungsmomente bereit. Da jedoch manche wieder zurückgenommen werden, weil sich Auflösungen als Trugschlüsse erweisen, war ich allerdings irgendwann an dem Punkt, wo ich erst mal gar nichts mehr geglaubt habe, was mir enthüllt wurde. Dieses Misstrauen hat dann dafür gesorgt, dass auch wahre Dinge mir letzten Endes ein wenig unwirklich erschienen sind. In manchen Fällen war die Wahrheit zudem viel weniger bedrohlich als die Illusion, sodass die Spannung ein bisschen abgenommen hat - wenn etwas Schlimmes passiert ist, konnte man immer erahnen, dass die Lage vielleicht doch nicht so ernst ist, wie es aussieht.

Der Epilog stimmt auf eine Fortsetzung ein und wirft neue Fragen auf, aber davon abgesehen kann man "Caraval - Es ist nur ein Spiel ..." auch gut für sich lesen, da Scarletts Geschichte abgeschlossen wird. 

(Für wen) Lohnt es sich?


"Caraval" ist ein Buch für alle, die auf der Suche nach außergewöhnliche Fantasy mit schillerndem Setting sind, bei der der Pfad zwischen Realität und Illusion sehr schmal verläuft.
Die Protagonistin Scarlett ist 17 Jahre alt; ich finde aber, dass man das Buch durchaus als All-Ager sehen kann (auch wenn typische Jugendromanthemen wie Selbstfindung und erste Liebe zumindest am Rande eine Rolle spielen).

In einem Satz:


"Caraval" ist in jeder Hinsicht ein magisch einfallsreiches Buch, in dessen Welt man wunderbar abtauchen kann und aufpassen muss, sich nicht zu verirren.

   

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an 



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