Donnerstag, 15. Juni 2017

Uni-Skizzen


































Zeichnen hilft, den Tag zu überstehen. Aber manchmal frustiert es auch.

Ein schönen Feiertag!
- Miriam

Montag, 12. Juni 2017

Keep me safe - Sarah Alderson


Softcover, 384 Seiten 
Ravensburger Buchverlag (24. August 2016)
ISBN-13: 978-3473584932
Preis: 9,99 €

Originaltitel: Conspiracy Girl
Standalone

Worum geht's?


Nic Preston hat in den letzten Jahren viel durchgemacht. Seit dem Mord an ihrer Mutter und ihrer Stiefschwester trainiert sie Kampfsport, hat ihre Wohnung durch eine der besten Sicherheitsfirmen ausstatten lassen und vertraut niemandem mehr. Als sie trotz all ihrer Vorkehrungen aufgespürt wird, muss sie ausgerechnet bei dem Jungen Schutz suchen, der damals im Prozess für die Gegenseite ausgesagt hat.

Finn Carter ist ein Hackergenie, und auch wenn aus seiner Karriere beim FBI nichts geworden ist, schlägt er sich gut durchs Leben - bis eine Freundin und frühere Kollegin ihm die Verantwortung für Nic aufs Auge drückt und Finn alle Hände voll zu tun hat, sein Herz nicht zu verlieren. Denn er weiß aus Erfahrung, dass das  niemals gut ausgehen kann ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Auch wenn ich persönlich nicht unbedingt ein Fan von englischen Titel für deutsche Ausgaben bin und auch nicht von sehnsüchtigen Pärchengesichtern auf dem Cover, hat mich "Keep me safe" auf den zweiten Blick ganz schön neugierig gemacht. Zwei Ich-Perspektiven, Action und Thrill mit einer Liebesgeschichte und ein paar große Geheimnissen? Das klingt doch nach einer guten Mischung, oder?

Wie es mir gefallen hat:


Auch wenn ich ein paar kleinere Kritikpunkte haben, aufgrund derer mich "Keep me safe" nicht restlos überzeugen konnte, hat mir das Buch insgesamt gut gefallen.
Besonders begeistert bin ich von dem Perspektivwechsel der Ich-Erzähler Nic und Finn, der wirklich gut gelungen ist. Beide haben eine sehr eigene Stimme; es wird bisweilen emotional, aber es gibt auch immer wieder etwas zum Schmunzeln.

Die Hintergrundhandlung bleibt spannend, da Nic und Finn lange im Dunkeln tappen, wer da hinter Nic her ist - und warum. Die Auflösung war interessant und es ging um ein Thema, das mir so bisher im Jugendbuch noch nicht begegnet ist (mehr möchte ich hier aber nicht verraten).
Zusätzlich gibt es ein paar Geheimnisse aus Finns Vergangenheit, die zwar eher nebenbei aufgelöst werden, aber durch die vielen Andeutungen bis dahin doch neugierig machen.

Die Liebesgeschichte nimmt für meinen Geschmack etwas zu sehr überhand und hinter Nics Konflikt, dass sie niemandem mehr trauen kann, und Finns Konflikt, dass er Nic nicht zu nah an sich heranlassen darf, geht die eigentliche Handlung zeitweise ein bisschen verloren. Es ergeben sich auch ein paar Augenrollmomente, wie z.B. eine Kussszene, nachdem Nic angeschossen worden ist.
Stellenweise war ich ein wenig verwirrt, weil ich mal den Eindruck hatte, ein Buch für junge Erwachsene in Händen zu halten, dann wieder für Jüngere - für beide Zielgruppen sind Elemente dabei, was in gewisser Weise aber auch einen Vorteil darstellt.

(Für wen) Lohnt es sich?


Dieses Jugendbuch richtet sich auch an alle "älteren Jugendlichen" mit einer Vorliebe für kurzweilige Liebesgeschichten mit einer Spannungshandlung, die zwar nicht immer unvorhersehbar ist, aber ein interessantes Grundthema hat.

In einem Satz:


"Keep me safe" punktet durch einen tollen Perspektivwechsel und eine rasante Hintergrundgeschichte und bietet trotz kleinerer Klischees und der einen oder anderen absehbaren Wendung sehr gute Unterhaltung.

Samstag, 27. Mai 2017

Jolas Briefe - Lisa Wingate

Taschenbuch, 336 Seiten
Verlag der Francke-Buchhandlung (1. Januar 2017)
ISBN-13: 978-3868276299
Preis: 14,95 €
Originaltitel: The Prayer Box

Worum geht's?


Ich betrachtete die Kompassrose und wartete, während die Bibliothekarin weiter die Glastür putzte. Wenn nur im wahren Leben die Richtung auch so leicht zu finden wäre. Ich brauchte jemanden, der mir zweigte, in welche Richtung ich gehen sollte, was ich jetzt tun sollte. (S. 138 f.)
Tandi ist mit ihren beiden Kindern aus ihrem alten Leben geflohen. Hier auf Hatteras Island will sie nun, nach all den Enttäuschungen der Vergangenheit, endlich Fuß fassen. Dabei bekommt sie unerwartet Hilfe: Schon, dass sie im Haus ihrer verstorbenen Nachbarin im Auftrag der Kirche für Ordnung sorgen soll, ist ein Glücksfall, doch dann stößt sie dabei auf etwas ganz Besonderes. In den verschiedensten Gebetskästen hat Jola Anne Poole ihr Leben in Briefen an ihren himmlischen Vater dokumentiert. Mit zunehmender Neugier liest Tandi sich ein - und spürt bald schon, dass Jolas Geschichte die Kraft hat, sie zu verändern.

Was mich neugierig gemacht hat:


Seit "Die Hüterin der Geschichten" bin ich ein Lisa-Wingate-Fan und habe mich bei "Jolas Briefe" auf ein weiteres ihrer ruhigen, tiefgehenden und emotionalen Bücher gefreut.

Wie es mir gefallen hat:


Ein Liebesbrief an das Leben und den Schöpfer aller Dinge ist es, den Lisa Wingate hier geschrieben hat, in Form der Geschichte einer jungen Mutter, die mit sich selbst und ihrer Vergangenheit ringt und nach und nach erkennt, wohin sie gehört und dass sie dort nicht allein ist. 
Lisa Wingate hat ein echtes Händchen für Charakterentwicklungen. Auch mit Tandi hat sie wieder eine facettenreiche Hauptfigur geschaffen, bei der man den Eindruck gewinnt, die Autorin kenne sie wirklich schon ihr Leben lang. 
Zu Beginn ist Tandi keine Heldin. Sie hat Fehler gemacht, flieht vor deren Folgen und vor sich selbst. Als Mutter macht sie sich nicht besonders gut und immer braucht sie einen Mann an ihrer Seite, an den sie sich klammern kann. Trotzdem schleicht sie sich schnell ins Herz des Lesers, und man beobachet staunend, wie das Leben einer verstorbenen Frau sie Schritt für Schritt aus ihrem Schneckenhaus lockt. 
Es ist schön zu beobachten, wie Tandi sich durch ihre Zeit in Jolas Haus und ihrer Vergangenheit mehr und mehr mit sich selbst auseinandersetzt, merkt, dass sie eigentlich eine Konstante in ihrem Leben braucht und sich ihren Kindern wieder neu zuwenden muss.
Auch die anderen Charaktere sind liebevoll gezeichnet: Da haben wir bspw. Tandis Kinder Zoey und JT, der etwas schräge Vogel Paul, der das Leben so wunderbar gelassen angeht, die Muschelladen-Schwestern und natürlich Jola, die posthum neben Tandi die Hauptrolle spielt.
Selbst die Figuren, die nicht gerade als Sympathieträger auftreten, wie Tandis Freund Ross oder ihre Schwester Gina, werden überzeugend dargestellt. Über den Verlauf der Beziehung von Tandi und Gina war ich ein bisschen traurig.

Jolas Briefe sind wunderschön geschrieben, passagenweise nahezu poetisch und offenbaren immer mehr von einer beeindruckenden Lebensgeschichte. Es gibt einen guten Ausgleichen zwischen direkt eingefügten Briefen und Passagen, die die Erzählerin für den Leser zusammenfasst. Lediglich am Ende hätte ich mir noch ein paar zusätzliche Einblicke in ein paar Punkte von Jolas Geschichte gewünscht.
Die Grundidee, durch die Briefe in den Gebetskästen eine zweite Erzählebene zu eröffnen und so die Leben zweier Frauen miteinander zu verweben, finde ich wunderschön und sehr gelungen umgesetzt.

(Für wen) Lohnt es sich?


"Jolas Briefe" lohnt sich sehr, vor allem für diejenigen, die Geschichten mögen, die in aller Stille ihre Kraft entfalten und in denen man die Protagonistin auf dem Weg zu sich selbst begleitet.
Der christliche Hintergrund ist sehr einfühlsam eingebunden.

In einem Satz:


"Jolas Briefe" berührt, es inspiriert und thematisiert die Themen Gottvertrauen, Nächstenliebe und Selbstfindung auf unaufdringliche, authentische Weise.

 

Samstag, 20. Mai 2017

Was es ist - Julia Willmann


Gebundene Ausgabe: 230 Seiten
Fontis - Brunnen Basel (7. Februar 2017)
ISBN: 9783038481065
Preis: 16,00 € 

Worum geht's?


Violas Erfolg im Beruf fühlt sich an wie eine kugelsichere Weste. In ihrem gläsernen Büro entwickelt sie Marketingstrategien für Stofftiere und sieht ihrem Assistenten dabei zu, wie er für sie das Telefon abnimmt. Die Feierabende bieten ein anderes Bild. Da steht Viola am Fenster ihrer Loft-Wohnung und bügelt sich ins gedankliche Nichts. Weg von den Jahren zuhause. Weg von der Zeit mit Yannick, den sie geliebt hat, so mutig sie konnte. Als ihre Mutter erkrankt und ins Koma fällt, verliert Viola die Waffe, die sie geschützt hat: Kontrolle. Die Zugreisen zwischen Elternhaus und Wohnort, zwischen damals und heute, führen sie an unerwartete Orte. Zurück in ein Leben, mit dem sie nicht mehr gerechnet hat.
                                                                                                                          (offizieller Klappentext)


Was mich neugierig gemacht hat:


Zum einen war es der erste Eindruck von dem prägnanten Titel und dem so schlichten und sich gerade dadurch so ausdrucksstark entfaltenden Cover, zum anderen vor allem das Grundthema, das mich angezogen hat. Eine innere Entwicklung, die Suche nach sich selbst und dem Leben, das man führen will, das Verhältnis zu den älter werdenden Eltern und die Bewältigung von einer schweren Lebensphase - all das hat mich sehr neugierig auf die Umsetzung von "Was es ist" gemacht.

Wie es mir gefallen hat:


Literatur ist Kunst - das hat mir "Was es ist" noch einmal neu bewusst gemacht.
Es gibt so viele Spielarten, Geschichten zu erzählen. Dieses Buch hat eine ganz besondere.

Als Leser begleitet man Viola durch viele Szenen ihres Lebens - oft nur kurze Begebenheiten, die sich aneinanderreihen und insgesamt ein Puzzlebild ergeben, das der Leser zusammensetzen kann, um in Violas Situation und Stück für Stück auch ihre Vergangenheit hineinzufinden.
Durch die Kürze der Abschnitte und den Schreibstil, der ohne Ausschmückungen und in knappen Beschreibungen funktioniert, wird die kühle, oft bedrückende Atmosphäre der Geschichte noch verstärkt. Violas Seelenzustand wird praktisch in der Art des Erzählens widergespiegelt.

"Was es ist" ist keine leichte Kost, sondern sehr anspruchsvoll zu lesen, da es gilt, auf Details zu achten und viel zu interpretieren und sich selbst zu erschließen. Selbst kleine nebensächlich scheinende Dinge kann man als Metaphern oder Stimmungsfänger auffassen, wenn man sie eingehender betrachtet.
Obwohl man das Verhalten der Figuren (besonders natürlich der Protagonistin) beobachten kann, erhält man keinen direkten Zugang zu ihrem Wesen, sondern muss selbst deuten und zu verstehen versuchen.
Die Autorin erzählt zwischen den Zeilen noch weit mehr als die 230 Seiten selbst fassen könnten. Ein Stück weit lässt sie den Leser damit allein, und das mag nicht jedermanns Sache sein. Ich persönlich fand das Leseerlebnis sehr faszinierend, auch wenn ich an einigen Stellen ein bisschen ratlos war oder gern noch Konkretes über Viola erfahren hätte. Über das eine oder andere werde ich sicher noch nachzudenken haben
Man muss sich bei diesem Buch damit abfinden, dass man nicht so viele Erklärungen bekommt, wie man sich das vielleicht manchmal wünschen würde - wenn man das erkannt hat, entspinnt sich die ganz eigene Wirkung des Textes.

Für ein Buch wie dieses eine Bewertung zu finden, die sich in Sternen oder einer Note ausdrückt, ist fast unmöglich. Es ist ein Meisterwerk, aber es setzt beim Leser vieles voraus - vor allem die Bereitschaft, sich auf die vielen Zwischentöne einzulassen. Daher wird es vielleicht nicht den Geschmack einer breiten Masse treffen, aber ich denke, genau das will und muss es auch gar nicht.
Ich vergebe gern die volle Punktzahl für dieses Buch, aber mit der kleinen Einschränkung, dass es den Zugang nicht für jeden leicht macht. Außerdem ist für mich ein kleiner Minuspunkt, dass das Thema Glaube sich nur hinter der Geschichte erahnen lässt. Wie Viola selbst oder z.B. auch ihre Eltern dazu stehen, wird nie explizit thematisiert. Ich hatte bei der "inneren Wende" durchaus damit gerechnet, dass Gott hier eine unmittelbare Rolle spielen würde, und aufgrund des Erscheinens in einem christlichen Verlag hätte ich selbst mir noch einen stärkeren Bezug in diese Richtung gewünscht.

(Für wen) Lohnt es sich?


"Was es ist" kann sich sehr lohnen und bereichernde Gedankenimpulse zu Themen wie Identität, Lebenskrisen, Familie, Selbsttäuschung und Davonlaufen, Sinnsuche, ... geben, wenn man vor der recht außergewöhnlichen Umsetzung und einer Tendenz zur Melancholie nicht zurückschreckt. Der Text fordert von einem, dass man sich auch über das, was schwarz auf weiß zu lesen ist, hinaus damit auseinandersetzt und in Eigenleistung Fäden weiterspinnt.

In einem Satz:


"Was es ist" ist kein leichtes Buch für nebenbei, sondern eine kunstvoll erzählte, tiefgehende, zeitweise bedrückende Geschichte, die einen drängt, sich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen, um ihre Lebensweisheit für sich entdecken zu können.

 
 


Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag!  



Sonntag, 14. Mai 2017

Lass uns rausgehen und schauen, was die Welt uns zu bieten hat

Stromkasten, Acryl- und Dispersionsfarbe, 2017
 Hallo ihr Lieben :)

Ist schon ein Weilchen her, dass ich diesen Stromkasten bemalt habe, ich hinke der Zeit mal wieder ziemlich hinterher...

Die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, hatte Hobbykünstler/-innen dazu aufgefordert, dass Stadtbild etwas aufzuhübschen, auf Wunsch meiner Mutter habe ich mich dann freiwillig gemeldet und - voilà: hier das Ergebnis.
Entstanden zwischen dem 8. und 10. April.

Gibt es ähnliche Aktionen bei euch in der Region? Wie bewertet ihr sie?
Ich bin ja mal gespannt, wie lange der Kasten in seinem jetzigen Zustand bleibt...

Eine gute Woche!
- Miriam
 

Samstag, 6. Mai 2017

Rache und Rosenblüte - Renée Ahdieh

Rezension zu "Rache und Rosenblüte"
von Renée Ahdieh



Gebundene Ausgabe, 432 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (one by Lübbe), 16. März 2017
ISBN: 978-3846600405
Preis: 17,00 €
Originaltitel: The Rose and the Dagger
Band 2 von 2


Worum geht's?


Shahrzad musste den Krieg beenden, den sie angezettelt hatte. Es war nicht nur eine Frage der Liebe. Es war eine Frage des Lebens. Und sie wollte diese Frage richtigstellen, ein für alle Mal. (S. 200)
Shahrzad hat schweren Herzens den Palast verlassen. Verzweifelt sucht sie nach einem Weg, Chalid von dem Fluch zu befreien, der ihrer gemeinsamen Zukunft im Weg steht. Doch während sie noch darum kämpft, die Fähigkeiten, die in ihr erwacht sind, unter Kontrolle zu bringen, rüsten sich Chalids Feinde für einen Krieg ...

Was mich neugierig gemacht hat:


"Zorn und Morgenröte" war ein zauberhaftes Buch, das mich ganz in seinen Bann ziehen konnte, und so habe ich mich auf "Rache und Rosenblüte" sehr gefreut und wollte unbedingt wissen, wie es für Shahrzad und Chalid und auch die anderen Figuren weitergehen würde.

Wie es mir gefallen hat:


 Nach dem "Zorn und Morgenröte" die Messlatte meiner Erwartungen so hoch gesetzt hatte, hat "Rache und Rosenblüte" es vielleicht ein bisschen schwer gehabt, an diese heranzureichen. Auf jeden Fall war das Buch insgesamt leider nicht ganz so stark wie erhofft.

Auf ein Glossar wurde dieses Mal verzichtet, genau wie auf Erinnerungshilfen zum bisherigen Geschehen. Es fiel mir bis zum letzten Drittel des Buches recht schwer, mich wieder an Einzelheiten der Vorgeschichte zu erinnern. Hier noch mal in Nebensätzen wichtige Infos aufzugreifen, hätte sicher geholfen. 

Während in Band 1 noch die Geschichte um Chalids und Shahrzads Kennenlernen, Shahrzads Trauer um ihre beste Freundin Shiva und die Enthüllung des Fluches mit seinen Konsequenzen im Vordergrund standen, fokussiert sich der zweite Band mehr auf Kriegspläne und die magischen Elemente. Diese Schwerpunkte haben mich nicht vollkommen überzeugen können und sogar für kleinere Längen gesorgt.

Weiterhin wechselt die personale Perspektive zwischen verschiedenen Figuren.  Dabei bekommt besonders Irsa, Shahrzads Schwester, zunehmend Raum. Diese Kapitel waren nicht schlecht, haben aber wenig zur eigentlichen Handlung beigetragen.

Gegen Ende gibt es ein paar sehr plötzliche Wendungen, die nicht ganz glaubhaft umgesetzt worden sind, sondern beim Lesen eher Stirnrunzeln hervorrufen. Der Plot überschlägt sich fast und dreht dann noch ein paar kleine Extraschleifen, um die Dramatik zu steigern, wobei er beinahe ins Übertriebene abrutscht.
Ein Punkt, der zwar nicht die Geschichte selbst betrifft, aber trotzdem erwähnt werden muss: Leider hat nicht derselbe Übersetzer von "Zorn und Morgenröte" übersetzt, und das merkt man. Es sind viele Patzer zu finden, die schöne Sprache der Geschichte geht unter holprigen Formulierungen fast unter.
Teils scheinen idiomatische Ausdrücke des Englischen einfach ins Deutsche gepresst worden zu sein.
Dass Shahrzads Fuß bisweilen in mehreren Pantöffelchen steckt (vgl. S. 380) oder Sätze wie "Wieder entging Chalid kein Pulsschlag" (S. 208) oder "Tarik würde diesen Umriss überall erkennen. Er hatte den größeren Teil seines Lebens damit verbracht, ihn zu speichern." (S. 243) sind nur kleine Beispiele.

Trotz einiger Schwächen bin ich froh, das Buch gelesen zu haben, und werde immer wieder gern an Shahrzads und Chalids Geschichte zurückdenken.

(Für wen) Lohnt es sich?


Wer Band 1 gemocht hat, wird sicher auch das Ende der Dilogie wissen wollen und weiterlesen. "Rache und Rosenblüte" ist keinesfalls eine Enttäuschung, aber leider dennoch nicht so mitreißend und begeisternd wie "Zorn und Morgenröte.
Die Vorgeschichte sollte man unbedingt kennen, da man sonst der Handlung nicht folgen kann.

Insgesamt ist die Reihe perfekt für alle, die die Atmosphäre aus 1001 Nacht  und romantische, geheimnisumwobene Liebesgeschichten mögen.
 

In einem Satz:   

 

Leider vermag "Rache und Rosenblüte" nicht ganz das Niveau des ersten Bandes zu halten: In einem nach wie vor wundervollen Setting mit einer beeindruckenden Protagonistin wird der Fluch plötzlich zur Nebensache und der Plot nach kleineren Längen zum Ende hin sprunghaft und fast ein bisschen melodramatisch bis kitschig. 

 

Mein Dank geht an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Montag, 24. April 2017

Caraval - Stephanie Garber

  Rezension zu "Caraval - Es ist nur ein Spiel ..."
von Stephanie Garber

Broschiert, 400 Seiten 
 ivi Verlag (20. März 2017)
ISBN-13: 978-3492704168
Preis: 14,99 €
Band 1 von 2

Worum geht's?


"Dieses Spiel ist fast wie ein Mensch. Wenn du es wirklich richtig spielen willst, dann musst du mehr über seine Vergangenheit lernen."
"Ich kenne seine Vergangenheit", sagte Scarlett. "Meine Großmutter hat mir Geschichten darüber erzählt, seit ich ein kleines Mädchen war." (S. 196)
Scarlett Dragna träumt schon lange davon, einmal Caraval besuchen zu dürfen - ein magisches Spiel in einer Welt, in der die Schausteller alles daran setzen, den Spielern jede Unterscheidungsfähigkeit von Realität und Illusion zu rauben. Doch ausgerechnet kurz vor ihrer Hochzeit mit einem fremden Grafen erhält Scarlett endlich die Möglichkeit. Für sie ist es ausgeschlossen, der Einladung zu folgen, doch ihre Schwester Donatella und der junge Seemann Julian entführen sie und bringen sie auf die geheimnisvolle Insel Master Legends, dem Herrn von Caraval.
Das Spiel beginnt - und Scarlett erkennt schnell, dass es längst nicht so zauberhaft ist, wie sie es sich erträumt hat ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Ich mag sehr gern Fantasy, die nicht mit den üblichen verdächtigen Welten und Wesen gefüllt ist, sondern ganz eigene Ideen entwickelt. Bei "Caraval" hatte ich da sofort ein gutes Gefühl.
Es mag im Moment auf dem Markt nicht nur ein Buch über ein bedrohliches Spiel geben, aber hier besteht der Reiz vor allem darin, dass man nie wissen kann, was echt ist und wo man selbst dem Zauber von Caraval erliegt und getäuscht wird. Das Magische, Skurrile an dieser Geschichte hat mich dazu gebracht, sie unbedingt lesen zu wollen. Außerdem fand ich es vielversprechend, dass es hier im Kern um zwei Schwestern geht.

Bei diesem Buch hätte ich mir auch sehr gut ein wunderschön gestaltetes Hardcover vorstellen können. Das hätte besser gepasst und außerdem wäre der Rücken nicht so empfindlich gewesen.

Wie es mir gefallen hat:


Fantasievoll, orginell, atmosphärisch - drei Schlagworte, die "Caraval" sehr gut beschreiben.
Eine Protagonistin, die Gefühle in Farben wahrnimmt, und eine magische Welt, in der es fiel zu entdecken und zu enträtseln gibt, sorgen für ein Leseerlebnis mit vielen Sinneseindrücken.
Schon der Einstieg, der über eine Reihe von Briefen erfolgt, ist mal etwas anderes und hat mein Interesse sofort geweckt.

"Caraval" lebt von seiner Kulisse. Es hat etwas von der Verrücktheit und dem Zauber von "Alice im Wunderland" - und auch von dessen eher düsteren Stimmung. Das hat meinen Geschmack auf jeden Fall getroffen und wird sicher auch andere Leser, die diese Art von Geschichten mögen, begeistern.
Die vielen verschiedenen Stränge und Hinweise üben einen Sog aus, und je weiter man liest, desto weniger kann man das Buch für eine Pause beiseitelegen.

Einen kleinen Abzug gebe ich dem Buch für die Charaktergestaltung. Obwohl man Scarlett aus personaler Perspektive begleitet, bleibt sie ein bisschen hölzern und oft zu naiv. Ihre Gedanken werden nicht unmittelbar "gezeigt", sondern oft nur beschrieben, was eine gewisse Distanz zu ihr aufbaut. Obwohl sie weiß, dass sie in Caraval ihren eigenen Augen nicht trauen darf, verlässt sie sich oft auf das, was ihr im ersten Moment als echt erscheint.
Auch bei anderen Figuren wie Julian oder Donatella hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe gewünscht.
Die Liebesgeschichte hätte es in meinen Augen tatsächlich nicht unbedingt gebraucht - so läuft sie eher nebenher und konnte mich nicht so richtig mitreißen.

Das Buch hält viele Überraschungsmomente bereit. Da jedoch manche wieder zurückgenommen werden, weil sich Auflösungen als Trugschlüsse erweisen, war ich allerdings irgendwann an dem Punkt, wo ich erst mal gar nichts mehr geglaubt habe, was mir enthüllt wurde. Dieses Misstrauen hat dann dafür gesorgt, dass auch wahre Dinge mir letzten Endes ein wenig unwirklich erschienen sind. In manchen Fällen war die Wahrheit zudem viel weniger bedrohlich als die Illusion, sodass die Spannung ein bisschen abgenommen hat - wenn etwas Schlimmes passiert ist, konnte man immer erahnen, dass die Lage vielleicht doch nicht so ernst ist, wie es aussieht.

Der Epilog stimmt auf eine Fortsetzung ein und wirft neue Fragen auf, aber davon abgesehen kann man "Caraval - Es ist nur ein Spiel ..." auch gut für sich lesen, da Scarletts Geschichte abgeschlossen wird. 

(Für wen) Lohnt es sich?


"Caraval" ist ein Buch für alle, die auf der Suche nach außergewöhnliche Fantasy mit schillerndem Setting sind, bei der der Pfad zwischen Realität und Illusion sehr schmal verläuft.
Die Protagonistin Scarlett ist 17 Jahre alt; ich finde aber, dass man das Buch durchaus als All-Ager sehen kann (auch wenn typische Jugendromanthemen wie Selbstfindung und erste Liebe zumindest am Rande eine Rolle spielen).

In einem Satz:


"Caraval" ist in jeder Hinsicht ein magisch einfallsreiches Buch, in dessen Welt man wunderbar abtauchen kann und aufpassen muss, sich nicht zu verirren.

   

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an 



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