Montag, 24. April 2017

Caraval - Stephanie Garber

  Rezension zu "Caraval - Es ist nur ein Spiel ..."
von Stephanie Garber

Broschiert, 400 Seiten 
 ivi Verlag (20. März 2017)
ISBN-13: 978-3492704168
Preis: 14,99 €
Band 1 von 2

Worum geht's?


"Dieses Spiel ist fast wie ein Mensch. Wenn du es wirklich richtig spielen willst, dann musst du mehr über seine Vergangenheit lernen."
"Ich kenne seine Vergangenheit", sagte Scarlett. "Meine Großmutter hat mir Geschichten darüber erzählt, seit ich ein kleines Mädchen war." (S. 196)
Scarlett Dragna träumt schon lange davon, einmal Caraval besuchen zu dürfen - ein magisches Spiel in einer Welt, in der die Schausteller alles daran setzen, den Spielern jede Unterscheidungsfähigkeit von Realität und Illusion zu rauben. Doch ausgerechnet kurz vor ihrer Hochzeit mit einem fremden Grafen erhält Scarlett endlich die Möglichkeit. Für sie ist es ausgeschlossen, der Einladung zu folgen, doch ihre Schwester Donatella und der junge Seemann Julian entführen sie und bringen sie auf die geheimnisvolle Insel Master Legends, dem Herrn von Caraval.
Das Spiel beginnt - und Scarlett erkennt schnell, dass es längst nicht so zauberhaft ist, wie sie es sich erträumt hat ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Ich mag sehr gern Fantasy, die nicht mit den üblichen verdächtigen Welten und Wesen gefüllt ist, sondern ganz eigene Ideen entwickelt. Bei "Caraval" hatte ich da sofort ein gutes Gefühl.
Es mag im Moment auf dem Markt nicht nur ein Buch über ein bedrohliches Spiel geben, aber hier besteht der Reiz vor allem darin, dass man nie wissen kann, was echt ist und wo man selbst dem Zauber von Caraval erliegt und getäuscht wird. Das Magische, Skurrile an dieser Geschichte hat mich dazu gebracht, sie unbedingt lesen zu wollen. Außerdem fand ich es vielversprechend, dass es hier im Kern um zwei Schwestern geht.

Bei diesem Buch hätte ich mir auch sehr gut ein wunderschön gestaltetes Hardcover vorstellen können. Das hätte besser gepasst und außerdem wäre der Rücken nicht so empfindlich gewesen.

Wie es mir gefallen hat:


Fantasievoll, orginell, atmosphärisch - drei Schlagworte, die "Caraval" sehr gut beschreiben.
Eine Protagonistin, die Gefühle in Farben wahrnimmt, und eine magische Welt, in der es fiel zu entdecken und zu enträtseln gibt, sorgen für ein Leseerlebnis mit vielen Sinneseindrücken.
Schon der Einstieg, der über eine Reihe von Briefen erfolgt, ist mal etwas anderes und hat mein Interesse sofort geweckt.

"Caraval" lebt von seiner Kulisse. Es hat etwas von der Verrücktheit und dem Zauber von "Alice im Wunderland" - und auch von dessen eher düsteren Stimmung. Das hat meinen Geschmack auf jeden Fall getroffen und wird sicher auch andere Leser, die diese Art von Geschichten mögen, begeistern.
Die vielen verschiedenen Stränge und Hinweise üben einen Sog aus, und je weiter man liest, desto weniger kann man das Buch für eine Pause beiseitelegen.

Einen kleinen Abzug gebe ich dem Buch für die Charaktergestaltung. Obwohl man Scarlett aus personaler Perspektive begleitet, bleibt sie ein bisschen hölzern und oft zu naiv. Ihre Gedanken werden nicht unmittelbar "gezeigt", sondern oft nur beschrieben, was eine gewisse Distanz zu ihr aufbaut. Obwohl sie weiß, dass sie in Caraval ihren eigenen Augen nicht trauen darf, verlässt sie sich oft auf das, was ihr im ersten Moment als echt erscheint.
Auch bei anderen Figuren wie Julian oder Donatella hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe gewünscht.
Die Liebesgeschichte hätte es in meinen Augen tatsächlich nicht unbedingt gebraucht - so läuft sie eher nebenher und konnte mich nicht so richtig mitreißen.

Das Buch hält viele Überraschungsmomente bereit. Da jedoch manche wieder zurückgenommen werden, weil sich Auflösungen als Trugschlüsse erweisen, war ich allerdings irgendwann an dem Punkt, wo ich erst mal gar nichts mehr geglaubt habe, was mir enthüllt wurde. Dieses Misstrauen hat dann dafür gesorgt, dass auch wahre Dinge mir letzten Endes ein wenig unwirklich erschienen sind. In manchen Fällen war die Wahrheit zudem viel weniger bedrohlich als die Illusion, sodass die Spannung ein bisschen abgenommen hat - wenn etwas Schlimmes passiert ist, konnte man immer erahnen, dass die Lage vielleicht doch nicht so ernst ist, wie es aussieht.

Der Epilog stimmt auf eine Fortsetzung ein und wirft neue Fragen auf, aber davon abgesehen kann man "Caraval - Es ist nur ein Spiel ..." auch gut für sich lesen, da Scarletts Geschichte abgeschlossen wird. 

(Für wen) Lohnt es sich?


"Caraval" ist ein Buch für alle, die auf der Suche nach außergewöhnliche Fantasy mit schillerndem Setting sind, bei der der Pfad zwischen Realität und Illusion sehr schmal verläuft.
Die Protagonistin Scarlett ist 17 Jahre alt; ich finde aber, dass man das Buch durchaus als All-Ager sehen kann (auch wenn typische Jugendromanthemen wie Selbstfindung und erste Liebe zumindest am Rande eine Rolle spielen).

In einem Satz:


"Caraval" ist in jeder Hinsicht ein magisch einfallsreiches Buch, in dessen Welt man wunderbar abtauchen kann und aufpassen muss, sich nicht zu verirren.

   

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an 



Dienstag, 4. April 2017

Infernale 2 - Sophie Jordan

Rezension zu "Infernale - Rhapsodie in Schwarz"
von Sophie Jordan

Hardcover, 384 Seiten 
Loewe Verlag (13. März 2017)
ISBN-13: 978-3785583692
Preis: 18,95 €
Band 2 von 2

 

Worum geht's?


"Du bist eine, die viel zu streng zu sich selbst ist, die definitiv aufhören sollte, etwas auf das zu geben, was andere über sie sagen ... Und ganz besonders sollte sie aufhören, so viel auf das Ergebnis einer Laboranalyse zu geben. Sie muss aufhören, zu glauben, dass so ein Test bestimmen kann, wer sie ist." (S. 216 f.)
Davy ist zu dem geworden, was die Welt in ihr gesehen hat, seit bei ihr das Mördergen HTS festgestellt wurde: zu jemandem, der einem Menschen das Leben genommen hat. Obwohl sie durch ihre Tat Seans Leben gerettet hat, lastet die Schuld schwer auf ihr.
Die Flucht nach Mexiko in eines der Flüchtlingslager misslingt - Davy wird von ihren Freunden getrennt und ist nun auf sich selbst gestellt. Das denkt sie zumindest, auch wenn Caden, der Anführer einer Widerstandsgruppe, alles tut, um ihr zu zeigen, dass sie alles andere als allein ist ...

Was mich neugierig gemacht hat:


Der erste Band (hier geht's zu meiner Rezi) war ein wirklich beeindruckender Auftakt, rund um Themen wie Selbstbestimmung, Vorurteile, Angst vor Gewalt, Terror, Kriminalität und die Stempel, die Menschen einander aufdrücken. 
Ich war sehr gespannt, wie Sophie Jordan nach dem Showdown gegen Ende ihre Geschichte fortführen würde. Da der Erscheinungstermin im Deutschen um ein Jahr verschoben wurde, musste ich mich dann erst mal in Geduld üben. Jetzt war es endlich so weit und ich konnte, wie schon bei Band 1, das Finale in einer Leserunde entdecken.

Wie es mir gefallen hat:


Ein Reinfall. Selten denke ich das, wenn ich ein Buch nach dem Lesen zuschlage, aber Sophie Jordan hat es in meinen Augen diesmal leider wirklich vermasselt. 

Zu Beginn fällt es schwer, wieder ins Geschehen einzusteigen, da nicht wirklich Erinnerungshilfen gegeben werden. Zudem ist die Stimmung sehr drückend und die Handlung geht nur zäh voran. Das Warten darauf, dass die Freunde endlich den Grenzübertritt in Angriff nehmen, ist zermürbend. 
Davys Verhalten - Kampf mit Schuldgefühlen, totale Isolation und Distanz von ihrem Freund - hat mich sehr an den zweiten Band von "Die Bestimmung" erinnert, wo Tris sich wegen einer ähnlichen Tat sehr zurückzieht und mit sich ringt. 

Sobald die erste Spannung aufkommt, lässt sich wieder erahnen, dass die Autorin sehr wohl weiß, wie man schreibt - die Szenen sind gut beschrieben und nehmen einen mit. Leider bleibt das nicht lange so und der Plot verliert sich bald in typischen Handlungsverläufen. Schon wird Davy von ihrem Helden in strahlender Rüstung gerettet. Von da an lebt sie beim Widerstand, wo der Alltag so vor sich hinplätschert. Als es dann irgendwann endlich raus geht, währt die Hoffnung, dass die Handlung noch einmal an Fahrt aufnimmt, nicht lang.

Mit Caden bekommt man es in Band 2 mit einem neuen männlichen Hauptcharakter zu tun. Er selbst ist sehr sympathisch, das Knistern zwischen ihm und Davy habe ich allerdings als erzwungen und klischeehaft wahrgenommen. Noch dazu kam, dass Cadens Interesse an Davy mit ihrer neuen Unausstehlichkeit nicht wirklich nachvollziehbar war.
Um das zu erzählen, was zwischen Davy und Caden passiert, hätte man auch einfach einen realistischen Young-Adult-Roman schreiben können mit einem Mädchen, das viel verloren hat und jetzt keine Nähe mehr zulassen will, und einem Anführertypen, der sie langsam wieder ins Leben zurückführt. Leider verdrängt es hier die spannenden Hintergründe um das HTS-Gen. Obwohl Davy sich inzwischen so sehr über das Mördergen definiert, lassen die Entwicklungen sie vollkommen kalt.

So wie die Liebesgeschichte hier einfach zu viel des Guten ist, ist es auch mit den vielen praktischen Zufällen, durch die Davy immer wieder noch die bedrohlichsten Situationen überlebt. Hinzu kommen konstruierte Motive von Gegnern - oder solche, die gar nicht aufgedeckt werden.

Sehr schade ist, dass Sean, Gil und Sabine - die drei Freunde, die man schon aus dem ersten Band kennt -, in Band 2 fast vollkommen unter den Tisch fallen. Plötzlich spielen sie nicht mehr wirklich eine Rolle. Es wird so dargestellt, als wäre ihre Freundschaft Davy nichts wert gewesen.

Wie schon in Band 1 grenzen Informationsschnipsel rund um die politischen Vorgänge im Hintergrund und um Personen aus Davys früherem Umfeld die Kapitel voneinander ab. Dies war auch in Band 2 geschickt gelöst und konnte ein wenig Abwechslung in die Geschichte bringen. Dennoch ist rund um den eigentlichen Kern der Geschichte viel Potenzial verschenkt worden. Die Wainwright-Behörde wird von der bedrohlichen, unkontrollierbaren Gegenmacht zum  Lackaffenclub, die wichtigsten Fragen um ihre Entstehung und Motive bleiben unbeantwortet. Auch Mount Haven fällt hintenüber. Das Thema Hochbegabung verläuft sich einfach im Sande.

Insgesamt hat die Geschichte traurigerweise an allem verloren, was sie so genial gemacht hat: ihre Eigenheit gegenüber anderen Büchern des Genres, der tolle Spannungsaufbau, die gute Balance zwischen Davys Schicksal und den politischen Hintergründen und die real spürbare Bedrohung.

(Für wen) Lohnt es sich?


Diese Fortsetzung lohnt sich leider nicht wirklich. Da der erste Band aber leider recht offen endet, werden sich die meisten Fans wohl trotzdem an die "Rhapsodie in Schwarz" (der Titel erschließt sich übrigens nicht wirklich, auch wenn er schön klingt) wagen. 
An dem insgesamt eher schlechten Stimmungsbild der vorhandenen Rezensionen lese ich ab, dass ich mit meinen enttäuschten Erwartungen nicht allein bin.

In einem Satz:


"Infernale - Rhapsodie in Schwarz" ist in sehr vielen Punkten eine große Enttäuschung - die faszinierenden Hintergründe werden zugunsten einer klischeehaften Liebesgeschichte und einer negativen Entwicklung der Protagonistin hin zu einer sich selbst bemitleidenden, unsympathischen Nörglerin verdrängt und bis auf den Schreibstil bleibt an dem Buch kaum etwas Gutes.

   

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an den LOEWE Verlag!
 
 

Sonntag, 2. April 2017

Daniela Ohms/Winterfeld

"Daniela Ohms/Winterfeld", 21 x 29,7 cm, Polychromos auf Bristolkarton, 2017

Hallo zusammen :)

Von meiner Seite gibt es in diesem Jahr keinen eigenen Messebericht, sondern lediglich einen kleinen Zusatz zu Evelyns ausführlichem Bericht über unser Messewochenende.

In diesem Jahr habe ich mich daran gewagt, Daniela Ohms (auch bekannt unter dem Pseudonym "Daniela Winterfeld") zu zeichnen. Leider fehlte mir das Braun für ihre Haarfarbe, daher habe ich kurzerhand dann zu etwas kräftigeren Farbtönen gegriffen ;)
Evelyn hat vor gut vier Jahren an einer Leserunde zu "Der geheime Name" teilgenommen - HIER könnt ihr zu ihrer Rezi gelangen.
Ich lese den Roman momentan (bin auf S. 450) und bin begeistert!


Es war super schön, Daniela zu treffen und ich glaube, sie hat sich auch gefreut (obwohl mein Portrait ihr nicht hundertpro ähnlich sieht :D) :)





Alles Liebe,
Miriam

Samstag, 1. April 2017

Leipziger Buchmesse 2017

Mitten im weltbesten Verlagspraktikum, das ich gerade machen darf, hatte ich auch dieses Jahr die Möglichkeit zusammen mit Miri nach Leipzig zur Messe zu fahren. Wir waren Samstag und Sonntag dort.
Zum Glück haben wir schon beim letzten Mal eine sehr gemütliche Pension mit netten Gastgebern entdeckt, die auch diesmal noch frei war :)

Hier nun ein paar Eindrücke von unseren diesjährigen Messeerlebnissen: 

Samstag, 25.03.16


Unser erster Programmpunkt war der Bloggerempfang von Carlsen und Thienemann-Esslinger. Leider haben wir uns ein kleines bisschen verspätet, weil wider Erwarten unsere Tickets noch nicht aktiviert waren. Glücklicherweise hatten wir aber noch nichts verpasst. 

 



Es gab interessante Interviews mit Laura Kneidl, Björn Springorum, Rena Fischer und Tanja Voosen zu ihren neuen Büchern und Möglichkeit, sich diese signieren zu lassen. Außerdem wurden ein paar Geheimtipps aus den Herbstprogrammen der beiden Verlage vorgestellt und wir Blogger sollten im Rahmen eines Quiz unser Wissen über die Carlsen- und Thienemanntitel unter Beweis stellen.

 





Ein Highlight waren natürlich auch die grandiosen Cupcakes mit den Buchcovern und der tolle kleine Blogplaner, den sich alle mitnehmen durften und der bis zur FBM Platz für Blognotizen bietet.
 
Die Verlage haben wirklich keine Kosten und Mühen für diesen Empfang gescheut!




Da die Lesung zu "Der Club" von Takis Würger leider ausgefallen ist, haben Miri und ich dann erst mal eine Mittagspause gemacht, bevor wir frisch und fröhlich beim Treffen mit den Ink Rebels waren. Wie ihr seht, war dort einiges los:


Auch wenn ich noch nicht alle ihre Bücher gelesen habe, kenne ich doch zumindest von jeder Ink-Rebellin schon mindestens eines. Drei der betreffenden Bücher hatte ich auch zum Signieren dabei, während Miri ein wundervolles Porträt von Daniela Ohms im Gepäck hatte (dazu folgt noch ein eigener Post von ihr).
Tolle Goodies gab es auch noch :)




Wir haben uns noch ein Lektoreninterview zum Thema "Lektorat & Selfpublishing" angehört, es gab eine Lesung zu der "Your Style"-Reihe, die damals eine der Sonderausschreibungen bei Oetinger34 war, und einen Vortrag über das Schreiben von Exposés am neobooks-Stand.
Zum Schluss war noch das vorablesen-Treffen, wo Marah Woolf gelesen und Fragen beantwortet hat und Goodiebags ausgegeben wurden.


Sonntag, 26.03.16

 

Am Sonntag wollten wir eigentlich um 9 Uhr zum Messegottesdienst für Aussteller und Presse (immerhin hatten wir Pressetickets), wurden aber aus irgendeinem Grund nicht reingelassen :(

Im Laufe des Tages waren wir noch bei verschiedenen Lesungen, zu denen es jetzt noch ein paar Bilder gibt - die Bücher findet ihr jeweils verlinkt dabei, wenn ihr mal reinschauen möchtet:

"Hüter der fünf Leben" von Nica Stevens
"Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens" von Juliana Kálnay

 
"Die Treppe" von Fabienne Sita

"Camp 21 - Grenzenlos gefangen" von Rainer Wekwerth

"Sommernachtsfunkeln" von Beatrix Gurian &
 "18, pleite und planlos, aber immerhin sehen wir gut dabei aus" von Bettina Brömme
Zum Schluss noch meine beiden Neuzugänge von der Messe:




Es war wieder eine sehr schöne Messe und ich freue mich aufs nächste Mal!
Wart ihr auch in Leipzig? Was waren eure Messehighlights?
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