Freitag, 30. September 2016

Heute ist morgen schon gestern - Marco Michalzik feat. Pala Friesen

CD mit Textheft 
Gerth Medien (29. August 2016)
ISBN-13: 978-3957341549
 13 Titel (Poetry Slam-Texte, teils musikalisch untermalt)

Worum geht's?


Wie der Untertitel der CD so schön sagt - hier geht es um "Poetry Slam-Texte über Gott und die Welt".
Marco Michalzik hat hier Texte zu verschiedenen Themen - von Lebens- und Glaubensfragen über ernste Ereignisse und traurige Situationen bis hin zu alltäglichen Gefühlen - vertont. Einige der Stücke haben von Pala Friesen ein musikalisches Hintergrundgewand geschneidert bekommen.
Laut Werbetext handelt es sich um "moderne Psalmen zwischen Alltag und Ewigkeit", mit denen der Hörer auf eine "poetisch-akustische Reise durch die Zeiten des Jahres" geht, wobei hiermit sowohl Jahreszeiten direkt als auch persönliche Umschwünge gemeint sind.

 

Was mich neugierig gemacht hat:


Ich hatte das Glück, Marco Michalzik bei einem Auftritt mit den "FackelTrägern" (siehe auch Miris von einem ihrer Stücke inspirierten Post "Wer bin ich?") live zu erleben.
Als es dann die Möglichkeit gab, im Rahmen einer "Hörrunde" seine neuste vertonte Zusammenstellung von Poetry Slam-Texten zu hören, habe ich mich sofort beworben. Wie er mit Worten umgehen kann und gleichzeitig kritisch und mutmachend sein kann, finde ich wirklich faszinierend.

Wie es mir gefallen hat:


Insgesamt haben mich die Texte von Marco Michalzik wieder sehr beeindruckt, wobei ich mich und meine Gedanken natürlich in manchen mehr wiederfinden konnte als in anderen.
Auch die musikalische Untermalung gefällt mir persönlich sehr gut und hat dem Ganzen noch eine zusätzliche Nuance verliehen. Das ist aber sicherlich Geschmacksache, zumal Poetry Slam-Texte für gewöhnlich ja nicht mit Instrumenten begleitet werden.
Manche Titel würde ich mehr als "Gedanken" denn als "Psalmen" beschreiben, da nicht alle sich an der Psalmform orientieren.

Das Textheft ist sehr schön gestaltet und bietet die Möglichkeit, die Texte auf dem Papier mitzuverfolgen oder nach dem Hören noch einmal vertiefend zu lesen.
Die Bilder darin finde ich sehr passend gewählt; sie sorgen für ein tolles Gesamtbild und fügen sich dezent, aber treffend in das Heft mit ein.

Meine Kurzmeinung zu den einzelnen Titeln:

 

Tracks

1) Heute ist morgen schon gestern (mit Musik)

Mit dem Text, nach dem die CD auch benannt ist, gelingt Marco Michalzik ein schöner Einstieg zum Thema Schöpfung und der Rolle des Menschen in dieser.  Es geht um Zeit, Vergänglichkeit und die Zeichen in der Welt, die von einem Schöpfer zeugen. Es ist eines der psalmähnlichsten Stücke.

2) Potenzielle Portale (mit Musik)

Hierbei handelt es sich um einen meiner Lieblingstexte. Er erinnert mich an das Gefühl, wenn die Gedanken einfach nicht fließen wollen und man den Eindruck hat, auf der Stelle zu treten. Im hinteren Teil wird dem in sehr starken Worten die Gnade Gottes entgegengehalten.

3) Es war einmal (nur Text)

Auch dieser Text hat es mir sehr angetan. Hier werden Lebensgeschichten betrachtet - können sie wie Märchen verlaufen oder bleiben sie letzten Endes doch nur voller Stolpersteine und Hürden? Kann und darf man in den schlimmsten Situationen noch damit rechnen, dass die Geschichte sich zum Guten wendet? Und was würde das bedeuten?

4) Das letzte Blatt (mit Musik)

Dieser Text findet sich bereits auf dem Album "Poiema", das Marco Michalzik vor einigen Jahren mit den FackelTrägern aufgenommen hat. Neu hinzugekommen ist hier die musikalische Begleitung, die die fast schon ein bisschen unheimliche Atmosphäre, gerade zu Beginn, noch einmal unterstützt.
Mit dem 4. Titel beginnt der Kernpunkt der CD, was Melancholie und traurige Themen angeht, wenn auch immer gewürzt mit einer Prise Licht und Hoffnung.

5) Nachtwache (nur Text)

"Nachtwache" ist eine sehr starke Beschreibung der Stille und des Schweigens angesichts von Krankheit und Ungewissheit. Angesichts des Themas ist die Stimmung eher bedrückend.

6) Wie weiß Weiß ist (nur Text)

Dieser Text ist für "The Justice Project", eine Aktion gegen Menschenhandel entstanden. Feinfühlig beschreibt Marco Michalzik die Situation eines Mädchens, das sich zur Prostitution gezwungen sieht, und gibt einen Hoffnungsschimmer.

7) 13-11-15 (mit Musik)

Hier hat mich überrascht, dass der Titel mit Musik unterlegt ist. Es passt, aber ich hätte irgendwie nicht damit gerechnet. Im Text geht es mitunter darum, welche Bilder sich Menschen von Gott machen und welche Gräueltaten manchmal mit Glaubensgründen gerechtfertigt werden.

Ich persönlich höre besonders gern die "allgemeineren" Texte - wie die ersten drei der CD -, finde aber auch diese besonderen Situationen/Ereignissen gewidmeten sehr gelungen.  

8) #Neuland (mit Musik)

Diesen Titel finde ich hinsichtlich der Flüchtlingsthematik sehr passend, es lässt sich aber auch allgemein auf das Thema Vorurteile und Gastfreundschaft/menschliches Miteinander in Bezug setzen.

9) Wie fängt man seinen Schatten? (mit Musik)

Dieser Text zählt zu meinen Lieblingen. Er enthält sehr viele Impulse und viel Wahrheit über Fragen der Identität/Selbstdefinition.

10) Protagonist (mit Musik)

Ebenfalls einer meiner Lieblingstexte auf der CD - die Gedanken, die hier bewegt werden, haben mich auch schon so manches Mal beschfäftigt  (das Nebeneinander von so unendlich vielen und vielfältigen Lebensgeschichten und die Option, das manche sich irgendwann treffen).

11) Polaroids (nur Text)

"Polaroids" ist schön, hat aber meiner Meinung nach nicht ganz die Spannweite einiger der anderen Texte. Es geht um Freundschaften, die auch dann bestehen bleiben, wenn man nicht mehr in derselben Stadt wohnt und sich nur noch selten begegnet.

12) Du fliehst so schnell (nur Text)

"Du fliehst so schnell" hat mich ein klein wenig enttäuscht, weil ich hier nicht erwartet hätte, dass hier einfach eine Jahreszeit, sondern vielleicht einen größeren Sinnzusammenhang im Vordergrund steht. Mit dem Vorwissen, worum es sich handelt, ist aber auch hier der Text gekonnt formuliert.

13) Der Weg (mit Musik)

"Der Weg" schlussendlich gefiel mir wieder sehr gut, obwohl es mir hier am schwersten fiel, den Gedankensträngen in dem Tempo zu folgen. Das Zwischenspiel fand ich hier wirklich sehr schön.

 

(Für wen) Lohnt es sich?


Wer tiefsinnige Texte in Poetry Slam-Form mag, die einen kritischen und doch lebensfrohen Blick auf die Dinge werfen, kann hier nicht viel falsch machen. Der christliche Bezug wird in vielen Passagen deutlich, aber ich würde nicht sagen, dass Nicht-Christen nichts mit den Themen und Gedanken anfangen können.
 

In einem Satz:


"Heute ist morgen schon gestern" ist eine aufrüttelnde, schillernde, nachdenklich tiefsinnige und hoffnungsvolle Zusammenstellung von teils musikalisch angereicherten Texten, die unter die Haut gehen und verschiedene Facetten der Themen beleuchten.




Danke an Gerth Medien für die Bereitstellung des Exemplars für die Hörrunde auf Lovelybooks!

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