Montag, 5. Oktober 2015

Dieser Sommer gehört noch uns - Heike Karen Gürtler

Rezension zu "Dieser Sommer gehört noch uns"
von Heike Karen Gürtler

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Thienemann Verlag; Auflage: 1. (13. Juli 2015)
ISBN-13: 978-3522202176
Band 1 von 1

Worum geht's?


Die Schulzeit ist vorbei, und der Urlaub am Gardasee ist für Franzi, Chrissi, Sina, Pascal, Tobi und Flo die vorerst letzte Zeit, die die Freunde gemeinsam verbringen können. Danach wird es sie in alle Winde zerstreuen - ob Studium oder Ausbildung, nichts wird sein wie früher.
Dass da Spannungen und Zukunftsängste nicht ausbleiben, steht fest, und auch untereinander gibt es noch einige ungeklärte Gefühle...

Was mich neugierig gemacht hat:


Eigentlich habe mich in letzter Zeit nur wenige realistische Jugendbücher neugierig machen können. In diesem Fall war es neben dem äußeren Eindruck - ich mag den Titel und irgendwie auch das Cover in Verbindung mit der Geschichte, obwohl da ein Mädchen zu viel abgebildet ist - das Grundthema des Buches. Dieser seltsame Schwebezustand zwischen Alt und Neu, Vergangenheit und Zukunft. Bei mir ist das Abi zwar nun schon zwei Jahre her, aber auch für mich gab es in diesem Sommer wieder eine ähnliche Situation - die Übergangzeit zwischen Ausbildung und Studium. Deshalb dachte ich, es wäre ein ganz guter Zeitpunkt für dieses Buch :)

Wie es mir gefallen hat:


Das Buch war für mich ein etwas seltsames Phänomen - einerseits habe ich einige größere Kritikpunkte, andererseits musste ich doch immer wieder danach greifen und weiterlesen.

Was ich als größten Schwachpunkt der Geschichte empfunden habe, war die Gestaltung der Figuren, vor allem in ihren Beziehungen zueinander.
Dafür, dass die Sechs schon seit Jahren enge Freunde sind, kam es mir manchmal vor, als seien sie sich völlig fremd - bis zu einem gewissen Grad halte ich das für glaubwürdig, weil man eben nie alles voneinander weiß und vieles zwischen den Charakteren eben bisher nie zur Sprache kam, aber mir hat einfach das Gefühl gefehlt, dass sie tatsächlich schon viel miteinander erlebt haben.
Besonders zwischen Franzi und Flo kam für mich nicht rüber, dass sie bisher beste Freunde waren.

Zwar wurde jeder der sechs Jugendlichen in Grundzügen charakterisiert, Beschreibungen des Aussehens waren aber bspw. selten, und auch die Probleme, die jeder mit sich herumschleppte, sind eher angerissen als ausgestaltet. Vielleicht wäre es hier gut gewesen, ein paar Themen weniger unterzubringen und diese dafür detaillierter zu behandeln. Obwohl sich die einzelnen Stränge durch das ganze Buch zogen, gab es bei keinem eine Auflösung.
Auf der einen Seite finde ich es sogar gut, dass wir als Leser nur diesen einen Sommer miterleben und uns danach von den Charakteren trennen müssen, wie sie sich auch voneinander. Auf der anderen Seite hätte ich es aber schön gefunden, wenn innerhalb dieses Sommers noch das ein oder andere Puzzleteil seinen Platz gefunden hätte - vor allem im Fall Franzi & Flo hat mir eine klare Aussprache doch sehr gefehlt, gerade vor dem Beste-Freunde-Hintergrund.
 
Zu den klaren Pluspunkten des Buches gehören der unterhaltsame, jugendgemäße Schreibstil und die Schauplätze - ich habe richtig Lust bekommen, die Orte am Gardasee mal selbst zu sehen.
 
Die Stimmung der Lebensphase, um die es geht, ist wirklich gut eingefangen und war wie ein roter Faden spürbar.

Etwas, was mir auch sehr gut gefallen hat, waren die Auszüge aus Franzis "Schmerzprotokoll", einer Art Gefühlstagebuch, die sich mit ihrem teils poetischen Stil schön ins Buch eingefügt haben.
Insgesamt habe ich mich für die 2- entschieden, da es viele gute Ansätze gab und mir das Setting und die Atmosphäre des Romans wirklich gut gefallen haben, ich mir aber bei den Figuren noch etwas mehr Tiefe und hier und da eine rundere Konfliktlösung gewünscht hätte.

(Für wen) Lohnt es sich?


Das Buch lohnt sich für Jugendliche, vor allem Mädchen, ab ca. 14 Jahren und idealerweise diejenigen, die gerade mit der Schule fertig geworden sind oder bald ihren Abschluss machen werden. Es fängt meiner Meinung nach die Stimmung dieser Übergangzeit sehr gut ein; Hilfestellungen oder gar Problemlösungen für die Komplikationen dieser Phase sollte man aber nicht erwarten.
 

In einem Satz:

"Dieser Sommer gehört noch uns" wiegt seine Schwächen in der Charaktergestaltung und den eher oberflächlichen Umgang mit Problemen Jugendlicher mit einer überzeugenden Atmosphäre und der lockerleichten Erzählweise größtenteils wieder auf und ist insgesamt ein schönes Debüt.

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